Er war – neben Sir Jackie Stewart (85) und Mario Andretti (85) – einer der letzten grossen Botschafter für den Motorsport: Alex Zanardi (†59). Der Italiener starb am 1. Mai, also ausgerechnet am Todestag seines grossen Vorbildes in den wilden Startjahren, Ayrton Senna (1960-1994).
Die Formel 1 täte gut daran, vor dem GP von Miami Zanardis Leben mit einer Trauerminute zu ehren und viele daran zu erinnern, wie gefährlich dieser Sport auf vier Rädern weiterhin ist. Erinnerungen an einen erfolgreichen Mann, der 2001 bei einem Champcar-Rennen beim Verlassen der Boxengasse auf dem Lausitzring beide Beine verlor, als ihm ein Rivale mit 300 km/h in die Seite krachte. Ein Wunder rettete damals Zanardi, der nur noch einen Liter Blut im Körper hatte, das Leben.
Doch der Mann aus Bologna (wie jetzt WM-Leader Antonelli) gab nicht auf, kämpfte sich nach diesem Schicksalsschlag auf die Rennstrecken zurück. Vorher hatte er in 41 Formel-1-Rennen für Lotus, Minardi und Williams einen Punkt (Brasilien 1993) erobert, war aber 26-mal ausgefallen. Bei den Champcar-Rennen (heute Indycar) war er 1997 und 1998 als Meister erfolgreicher, fuhr sich in die Herzen der US-Fans.
Das «zweite Leben» im Rollstuhl und mit dem Handbike erlebte 2005 mit dem Tourenwagen-Sieg mit dem BMW in Oschersleben einen Höhepunkt. 2007 gewann er die Marathons in New York und Rom. 2012 in London und 2016 in Rio holte er jeweils zwei Paralympics-Goldmedaillen. Weltweiter Applaus.
Doch dann schlug das Schicksal am 19. Juni 2020 in der Toskana nochmals zu: Zanardi knallte mit dem Handbike mit einem Lastwagen zusammen. Nach zwei Jahren mit Operationen und Reha durfte er endlich wieder nach Hause. Und es wurde still um Alex Zanardi. Jetzt ist er still in Bologna eingeschlafen.