Sahen wir in den letzten 27 Runden beim trockenen Grand Prix von Miami das neue Superduell? Oder: Weltmeister Lando Norris (26, McLaren-Mercedes) jagt den zukünftigen Champion, Kimi Antonelli (19, Mercedes).
Bei der Prominenz – Tennis-Ikone Nadal winkte das Rennen ab – jubelte am meisten Skistar Mikaela Shiffrin: «Ich will, dass Kimi gewinnt. Die Jugend muss sich endlich durchsetzen!»
Und man kann den jungen Italiener aus Bologna nur in den höchsten Tönen loben: Nach den Pole-Positionen in Shanghai, Suzuka und in Miami gab es jeweils auch seine ersten drei Siege!
Start-Übungen zeigen Wirkung
«Zum Glück ist mir der Start diesmal nicht so schlecht gelungen», lachte Kimi. Nach den bisherigen Start-Debakeln hatte ihn Teamchef Wolff gebeten, das Spiel mit der Kupplung doch im Simulator tausendmal zu üben. Antonelli: «Es waren zwar nur einige Hundert, aber sie haben mir geholfen.»
Nach dem Sieges-Hattrick wird die Lage für den selbstbewussten Mercedes-Teamkollegen George Russell (28) langsam ungemütlich. Der Brite, obwohl nur 20 Punkte zurück, wird langsam nervös. Im dramatischen Finale um die Plätze hinter Antonelli und Norris flogen die Fetzen, rauchte der Gummi.
Leclerc wirft Podest weg
Und mittendrin der Ferrari-Pilot Leclerc. Das dritte Podest schien in der Tasche, als er sich wenige Kilometer vor dem Ziel im Kampf mit Piastri drehte, an die Mauer schlug und statt Dritter eben nur Sechster wurde. «Mein Fehler, aber wir haben alles gegeben», sagte der Monegasse. Weil Leclerc auf der Schlussrunde noch mehrere Schikanen abkürzte, wurde er von den Stewards Stunden nach dem Rennen mit einer 20-Sekunden-Strafe sanktioniert. Dadurch wurde er nur noch Achter, noch hinter Teamkollege Hamilton und Colapinto im Alpine.
Ferrari (seit 32 Rennen sieglos) konnte zwar seinen zweiten Platz gegen McLaren noch verteidigen (110:94), aber das Momentum liegt bei den Briten, die ebenfalls ein «neues» Auto nach Miami gebracht haben.
Norris: «Kimi hat einen Superjob gemacht. Doch das heutige Resultat hat klar gezeigt. Wir sind zurück in der Weltmeisterschaft.»
Der GP in Miami war wegen Gewitterwarnungen um drei Stunden nach vorne geschoben worden. Und wer kam nicht zur Party vor über 120'000 Fans? Der Regen.
Verstappen kämpft
Dafür zeigte sich Max Verstappen (29) wieder von seiner kampfstärksten Seite. Er stellte den Red Bull in die erste Startreihe, fiel aber wegen eines Drehers («Ich wäre sonst in Leclerc gekracht») auf den neunten Platz zurück.
Doch der Holländer, von den Fans zum Fahrer des Tages gewählt, fightete sich zurück, war auch bei einigen Überholmanöver dabei, die in der Batterie-WM als Jo-Jo-Effekt im Fahrerlager bezeichnet werden.
Da rasten Piastri und Russell, Hamilton und Verstappen oder Leclerc und Norris einige Male am Gegner vorbei, um zwei Kurven später wieder hinter den Rivalen zurückzufallen.
Als es nach fünf Runden zweimal krachte – Gasly überschlug sich nach einem Kontakt mit Lawson und Hadjar hämmerte den Red Bull nach einem Fahrfehler in die Mauer – kam das Safety Car.
Nur Verstappen nutzte den Gratis-Stopp zum Reifenwechsel – und musste dann 50 Runden lang leiden. Trotzdem gelang ihm mit seinem wieder erwachten Kämpferherzen und trotz des Fouls von Russell mit Platz 5 das beste GP-Resultat 2026. Den Tag fasste der grösste Kritiker der neuen Regeln mit einem Satz zusammen: «Ich bin auch nur ein Mensch!»
Alpine neu fünfte Kraft
Nach dem frühen unverschuldeten Ausfall von Alpine-Teamleader Gasly übernahm Colapinto souverän die neue Rolle und holte mit einer fehlerfreien Fahrt sechs Punkte – Siebter dank der Leclerc-Strafe. Seit dem Wechsel zu Mercedes-Motoren ist das letztjährige WM-Schlusslicht hinter Mercedes, McLaren, Ferrari und Red Bull jetzt die fünfte Kraft im Feld.