Zwischenfall mit peinlichem Ende in der Formel 1: Aus Sicherheitsgründen verlangte Audi eine Regeländerung. Und drei Stunden vor dem dritten Training verbot die FIA tatsächlich das Öffnen der Flügel zwischen den Kurven acht und elf. Audi-Pilot Gabriel Bortoleto sah dort ein zu grosses Sicherheitsrisiko.
Und aus diesem Grund darf der Weltverband sofortige Massnahmen durchsetzen – ohne die Teams zu befragen. Doch die Rivalen von Mercedes, Ferrari und Red Bull liefen gegen die Regeländerung Sturm. Und Honda hat wahrlich andere Probleme als «Krieg» zu führen.
Weltverband krebste zurück
Die Audi-Rivalen tobten. «Alles, was wir am Freitag gelernt haben, können wir vergessen. Wir fangen bei Null an. Mit der Bodenfreiheit, dem Setup der Autos, dem Energiemanagement.»
Die FIA bekam kalte Füsse und liess die neue Regel wieder fallen. Blick-Technikexperte Michael Schmidt: «Bortoleto wurde natürlich von seinem Arbeitgeber instrumentalisiert. Offenbar sah Audi einen Vorteil darin, in diesem Sektor im geschlossenen Kurven-Modus zu fahren. Deshalb fand der Neuling die Aufregung der anderen Teams übertrieben.»
Hört bitte mit dem Streiten auf
Schmidt weiter: «Audi glaubt, dass die Umbaumassnahmen geringer seien, als sie von den Gegnern geschildert wurden. Nun, die beiden Audi R26 zählten im Sektor 2 zu den schnellsten Autos, hatten aber Mühe in den beiden kritischen Kurven.»
Man kann mit den Fans nur hoffen, dass solche Machtkämpfe sich nicht über die ganze Saison hinziehen. Wenn der Sport nicht mehr im Vordergrund steht, verliert die Formel 1 seine Glaubwürdigkeit und verspielt den ganzen Kredit, den man in den letzten Boom-Jahren aufgebaut hat.
Mercedes weit voraus?
Das dritte Training diente als Galopp zum ersten entscheidenden Ereignis 2026: Wer holt die erste Pole-Position mit den neuen Regeln? Viele glauben, dass Mercedes bis jetzt noch nicht die ganze Leistung zugelassen hat.
Und bei den Longruns am Freitagnachmittag sind George Russell und Kimi Antonelli so schnell unterwegs gewesen, dass Ferrari über eine halbe Sekunde pro Runde auf Mercedes verlor. Aber: Wie sieht dann die Realität zur Theorie wirklich aus? Zur Erinnerung: Russell gewann das dritte Training mit 0,616 vor Lewis Hamilton!
Audi gut unterwegs
Nach zwölf Minuten die erste rote Flagge: Carlos Sainz war im Williams bei der Boxeneinfahrt stehengeblieben. Der Spanier war wohl von seiner Crew vor irgendeinem Defekt gewarnt worden.
Nach zehn Minuten ging das Training bei 22 Grad und Sonnenschein weiter. Antonelli führte da vor Hamilton, Max Verstappen, Charles Leclerc und Oscar Piastri. Aber aufgepasst: Beide Audi, schon mit dem roten Quali-Gummi unterwegs, liessen sich aus den Top Ten kaum abschütteln.
Man kann es bereits nach drei Stunden sagen: Audi hat in Hinwil, Deutschland und England seine Hausaufgaben gemacht. WM-Punkte wären hier plötzlich keine Sensation mehr.
Wieder Antonelli-Crash
Zwölf Minuten vor dem Ende dann der erste Crash in der zweiten Kurve: Antonelli verlor den Mercedes plötzlich aus der Kontrolle und schlug auf der rechten und linken Seite in die Mauern.
Der Aufprall bei rund 200 km/h war so brutal, dass es dem Italiener auf beiden Seiten alles wegriss. Ein Start in der Qualifikation ist eher ungewiss. Ausgerechnet Antonelli, der vor rund drei Wochen bereits einen sündteuren Mercedes auf einer Nebenstrasse in Italien total zerstört hat. Wie damals blieb Antonelli unverletzt. Er lag beim GP-Crash hinter Leclerc, Piastri und Hamilton an vierter Stelle.