Langsamer Start zu den Bahrain-Tests
Der grosse Bluff, Drohungen – und Norris-Bestzeit

Sie schleichen – noch mit dem harten Gummi – fast im Formel-2-Tempo durch die Wüste. Sie versuchen, das neue Energie-Management mit Solo Auftritten zu verstehen. Schnellster am ersten Bahrain-Tag: Weltmeister Norris 0,129 vor Verstappen.
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Lando Norris übernimmt bei den Bahrain-Tests nach der Mittagspause für Oscar Piastri.
Foto: Lukas Gorys
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Roger BenoitFormel-1-Experte

Für die vier Stunden nach der Mittagspause haben sieben Teams ihre Fahrer gewechselt (Norris für Piastri, Leclerc für Hamilton, Albon für Sainz, Hülkenberg für Bortoleto, Pérez für Bottas, Antonelli für Russell und Gasly für Colapinto). So kommt es schon zu den ersten internen Vergleichen.

Weicher Ramadan-Start

Aber erst am nächsten Mittwoch, wenn der Ramadan beginnt, darf dann für drei Tage auch mit den zwei weichsten Mischungen (C4 und C5) um den 5,412 km langen Kurs bei Manama Gas gegeben werden. Ohne die Batterie leer zu machen.

Aber wollen wirklich alle Teams vor Melbourne (8. März) ihre Karten aufdecken? Viel mehr könnten einige Teams die Konkurrenz noch täuschen, Teile am Auto einsetzen, die zwar sofort kopiert werden – aber selbst nicht verwendet werden.

Audi verdeckt «neues» Auto

Vor allem der Audi war im Gegensatz zum Kühlschrank-Test in Barcelona mit den jetzt klar schmaleren Seitenkästen, ein Hingucker.

Da bei jedem Boxenstopp sofort einige Mechaniker den Fotografen in der Boxengasse die Sicht versperren, versucht man offenbar der Konkurrenz die Sicht zu nehmen. Was legal ist. Auch der neue Aston Martin fällt mit der Pelikan-Nase sofort auf.

Jo: «Warten auf Melbourne»

Die neuen Regeln beim schmaleren Chassis und beim Motor (je 50 Prozent Elektro und Verbrenner) sorgen schon im Vorfeld für heisse Diskussionen und rauchende Köpfe. Fragen wir doch mal den Technischen Delegierten der FIA, Jo Bauer (64). Der Deutsche: «Wir werden 2026 nicht mehr Arbeit als sonst haben. Wir haben sie schon. Aber erst die Qualifikation und das erste Rennen in Melbourne werden auch für uns und vor allem die Fahrer viele Fragen beantworten.»

Ob die neue Formel 1 ein Segen oder Fluch ist, werden auch diese Testfahrten nicht schlüssig beantworten. McLaren-Teamchef Andrea Stella: «Es liegt an den Teams, den Fans das neue Spielfeld zu erklären. Leicht wird das nicht.»

FIA vor schwieriger Aufgabe

Der Hauptstreitpunkt bleibt, wie von Blick schon mehrmals beschrieben, das Verdichtungsverhältnis von 16:1 im Zylinder. Mercedes hat irgendeinen Trick gefunden, dies bei laufendem Motor auf rund 18:1 zu erhöhen. Davon profitieren auch die Kunden von McLaren, Williams und Alpine.

Jetzt läuft die Konkurrenz von Ferrari, Honda und Audi bei der FIA Sturm. Die überlegt sich nun, vielleicht die Regeln zu ändern und die Homologierung des Mercedes-Motors rückgängig zu machen. Wenn nicht jetzt, spätestens 2027.

Wer nimmt die Drohung ernst?

Für Mercedes und seine Kunden ist klar, sollte die FIA den falschen Weg gehen, könnten in Australien acht Autos fehlen! Aber daran glaubt (noch) niemand ernsthaft. Mercedes-Chef Toto Wolff (54): «Wer seine Hausaufgaben nicht richtig macht, sollte die Schuld zuerst bei sich suchen!»

Auch Red Bull, das den Trick beim eigenen Motor offenbar von einem übergelaufenen Mercedes-Ingenieur erfuhr, ist wohl an der Durchführung gescheitert und wechselte ins Lager der drei Protest-Parteien.

Neuer Job für Zehnder

Bei Audi entdeckten wir also ein völlig «neues» Auto im Vergleich zu den Barcelona-Tests. Vor allem der schlanke Seitenkasten gibt zu reden. Und ebenfalls gesehen: Der frühere Sauber-Sportdirektor und Tausendsassa Beat Zehnder (60). Teamchef Jonathan Wheatley zu Blick: «Beat ist auch bei Audi ein wichtiger Mann. Er verwaltet das Sauber-Vermächtnis im Hinblick auf ein geplantes Museum. Er ist auch für die Infrastruktur und dann vor allem für das neue Motorhome in Europa verantwortlich.»

Noch fehlen rund 5 Sekunden

Zu den Tests. Da die letztjährige Pole-Zeit von Piastri (McLaren) mit 1:29,841 kein Ziel ist, wird es schwierig zu beurteilen, was die Zeiten wirklich wert sind. Vor allem, weil ja erst nächste Woche der weiche Gummi verwendet werden darf.

Überraschungen erlebten wir noch keine. Die Temperaturen fielen in der Abenddämmerung auf unter 25 Grad.

Die Tagesbilanz: Nur eine rote Flagge (Colapinto) und der fleissigster Fahrer war Solist Verstappen mit 135 Runden oder unheimlichen 731 Kilometern.

Zeiten Bahrain-Test

Erster Tag (Endstand)

1. Norris (McLaren) 1:34,669

2. Verstappen (Red Bull) 1:34,798

3. Leclerc (Ferrari) 1:35,190

4. Ocon (Haas) 1:35,578

5. Piastri (McLaren) 1:35,602

6. Russell (Mercedes) 1:36,108

7. Hamilton (Ferrari) 1:36,433

8. Gasly (Alpine) 1:36,769

9. Hülkenberg (Audi) 1:36,943

10. Albon (Williams) 1:37,437

11. Antonelli (Mercedes) 1:37,629

12. Lindblad (Racing Bulls) 1:37,945

13. Sainz (Williams) 1:38,221

14. Bortoleto (Audi) 1:38,871

15. Pérez (Cadillac) 1:38,966

16. Bottas (Cadillac) 1:39,150

17. Stroll (Aston Martin) 1:39,883

18. Colapinto (Alpine) 1:40,330

Erster Tag (Endstand)

1. Norris (McLaren) 1:34,669

2. Verstappen (Red Bull) 1:34,798

3. Leclerc (Ferrari) 1:35,190

4. Ocon (Haas) 1:35,578

5. Piastri (McLaren) 1:35,602

6. Russell (Mercedes) 1:36,108

7. Hamilton (Ferrari) 1:36,433

8. Gasly (Alpine) 1:36,769

9. Hülkenberg (Audi) 1:36,943

10. Albon (Williams) 1:37,437

11. Antonelli (Mercedes) 1:37,629

12. Lindblad (Racing Bulls) 1:37,945

13. Sainz (Williams) 1:38,221

14. Bortoleto (Audi) 1:38,871

15. Pérez (Cadillac) 1:38,966

16. Bottas (Cadillac) 1:39,150

17. Stroll (Aston Martin) 1:39,883

18. Colapinto (Alpine) 1:40,330

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