Interview mit Niki Lauda vor dem GP Monaco
«Ich bin nur noch die Nr. 2 hinter Hamilton!»

Niki Lauda (68), ein Mann wie ein Erdbeben. Airline-Akrobat, dreifacher Weltmeister, Mercedes-Aufsichtsrat. Keiner in der Formel 1 polarisiert mehr als «Rotkäppchen».
Publiziert: 22.05.2017 um 23:56 Uhr
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Aktualisiert: 12.09.2018 um 06:55 Uhr
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Liebling: Seit Hamilton Laudas 8-jährigen Kindern zugewinkt hat, ist der britische Dreifach-Weltmeister ihr Held.
Roger Benoit aus Monaco

BLICK: Die Sportwelt schwärmt noch immer vom GP Spanien, vom heroischen Duell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. 
Niki Lauda:
Zu Recht. Das war Rennsport auf höchstem Niveau. Besser geht es nicht. Faszination pur.

So begeistert hörten wir Sie schon lange nicht mehr. 
Aber hallo! Da kämpfen ein vierfacher Weltmeister und ein dreifacher Champion auf Ferrari und Mercedes, den zwei besten Autos der Welt. Eine bessere Werbung für diesen Sport gibt es nicht.

Ist dieses Königsduell auch der WM-Zweikampf? 
Klar, da kann der Rest nicht mithalten. So einfach ist das.

Und was trauen Sie den beiden finnischen Teamkollegen der Superstars zu? 
Räikkönen und Bottas werden wohl bei der Konstrukteuren-WM die entscheidende Rolle für Ferrari oder Mercedes spielen. Ich würde jetzt mal behaupten, Bottas ist so gut wie es Rosberg war. Und vielleicht einen Tick besser als Räikkönen.

Und was ist mit Zuverlässigkeit? 
Sie ist der andere Knackpunkt jeder WM. Der Turbolader­schaden von Bottas in Barce­lona tut weh. Jetzt läuft die bekannte englisch-deutsche Qualitätskontrolle. Wir wollen ja keine WM der technischen Ausfälle.

Letztes Jahr hat Hamilton die WM um fünf Punkte verloren. Sein Motorschaden in Malaysia entschied das Titel-Duell gegen Rosberg.
Motorschäden sind für alle Hersteller sehr peinlich. Keine gute Visitenkarte.

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In Barcelona haben Sie erstmals ihre bald achtjährigen Zwillinge Max und Mia mitgenommen. 
Das war vielleicht ein Fehler. Jetzt bin ich zu Hause nur noch die Nummer zwei. Ich bin strafversetzt worden.

Warum? 
Max und Mia kamen mit meiner Frau erst gegen Renn-Ende und winkten dann vor der Sieger­ehrung Lewis
Hamilton zu. Der winkte freundlich zurück – jetzt ist er daheim der neue Held.

Helden werden auch in Monte Carlo geboren. Diese Woche gehts am Mittelmeer wieder zur Sache. Was ist die Faszination an Monaco? 
Das berühmteste Formel-1-Rennen der Welt zieht die High Society an. Die Kombination der Reichen und Schönen mit dem Lärm, der Gefahr und den waghalsigen Rennfahrern ist unschlagbar.

Sie gewannen dort 1975 und 1976 auf Ferrari. Die nächsten zwei Jahre rasten Sie jeweils als Zweiter ins Ziel. 
Vielleicht war der GP Monaco 1978 auf Brabham-Alfa mein bestes Rennen der Karriere. Ich hatte nach dem Start einen Plattfuss – und war nach dem Boxenstopp Letzter. Ich kämpfte mich wie ein Irrer durch das Feld. Am Ende gingen mir leider die Runden aus. Sonst hätte ich Depailler im Tyrrell vielleicht auch noch geschnappt.

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Wer gewinnt den Klassiker am Sonntag? 
Im Moment hat Ferrari dort sicher leichte Vorteile, weil wir mit dem längsten Radstand durch die engen Kurven so unsere Probleme bekommen werden. Das ist noch ärger als in Singapur.

Und sonst? 
Wenn man mit fast 300 km/h durch eine Stadt holpert, haben auch aerodynamisch schlechtere Autos eine Chance. Und vergessen wir die Fahrkunst nicht. Je näher du dich an die Leitplanken wagst, desto schneller bist du. Aber das Risiko fährt natürlich auf jedem Meter mit.

Senna gewann in Monaco sechsmal, Schumi wie Graham Hill je fünfmal. Jim Clark dagegen schaffte es trotz vier Polepositions nie aufs Podest ... 
Eines ist klar: Wer in Monte Carlo gewinnt, bekommt genauso viel Aufmerksamkeit und Werbung wie der
Weltmeister.

Alonso fährt statt in Monaco in Indianapolis. Der wegen des Honda-Motors im McLaren frustrierte Spanier will beim Indy 500 die Formel 1 kurzfristig vergessen. Und dann 2018 endlich wieder gewinnen. Bei Mercedes? 
Er steht sicher nicht auf unserer Wunschliste. Wir sind mit Hamilton und Bottas voll zufrieden. Aber wie mein Partner Toto Wolff schon erklärte: Sag niemals nie.

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Ein Mercedes-Schützling hat ja in Barcelona für Furore gesorgt: Pascal Wehrlein zauberte den Sauber-Ferrari auf den 8. Platz. Gibts da Applaus? 
Natürlich. Das war eine tolle Leistung des Deutschen. Der Schlüssel zu diesem Ergebnis war jedoch bestimmt auch die gewagte Einstopp-Strategie. Sauber pokerte damit am höchsten – und gewann.

Seit vier Monaten ist Ihr jahrzehntelanger Wegbegleiter Bernie Eccle­stone nicht mehr Formel-1-Chef. Macht Sie das traurig? 
Nein. Bernie hat die ganze Sache nach aussen doch ziemlich cool verarbeitet. Er kommt ja weiter zu einigen Rennen. Das tut ihm gut. Und am 6. Juli werden wir ihn auf dem Streckengelände von Lord March in Goodwood mit einer gigantischen Formel-1-Party im Smoking verabschieden. Der Dank an Bernie kann nie so gross sein wie sein Lebenswerk.

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