Das Rennen
Ganz ohne Schrecksekunde kommt Kimi Antonelli auf dem Weg zu seinem ersten GP-Sieg in der Formel 1 dann doch nicht durch: Zwei Runden vor Schluss erwischt er eine Kurve alles andere als wunschgemäss. Der Fehler kostet aber nur wenige Sekunden – der Triumph ist dem erst 19-jährigen Italiener so nicht mehr zu nehmen. Beim letzten italienischen GP-Sieg von Giancarlo Fisichella im März 2006 war der im Sieger-Interview sichtlich gerührte Antonelli noch gar nicht geboren.
Der jüngste Formel 1-Polesetter der Geschichte liegt nach 30 Runden schon in Führung, als sein Teamkollege George Russell hinter ihm an Charles Leclerc vorbeizieht und auf Rang zwei vorstösst. Es ist das entscheidende Manöver im Duell zwischen Mercedes und Ferrari an diesem Grossen Preis von China – ab diesem Zeitpunkt fahren die Silberpfeile dem zweiten Doppelsieg im zweiten Saison-GP entgegen.
Immerhin: Die Ferrari-Piloten zeigen einmal mehr, weshalb ihre Blitzstarts schon so früh in der Saison bereits berüchtigt sind. Lewis Hamilton springt in den ersten Sekunden von Position 3 an Antonelli und Russell vorbei an die Spitze – zwei Runden später zieht der spätere Sieger dann aber schon wieder vorbei. Rund 30 Runden später finden sich Hamilton und Leclerc schliesslich auf den Rängen drei und vier wieder – Gefahr von hinten droht zu diesem Zeitpunkt keine mehr. Aufatmen dürfte besonders der Brite, der seit Las Vegas 2024 auf seinen 203. Podestplatz in der Formel 1 warten musste.
So bleiben die beiden dominierenden Teams auch vom Chaos hinter ihnen verschont: Gleich vier Fahrer können gar nicht erst starten, dazu kommen drei weitere Ausfälle während des Rennens. Ocon und Colapinto fallen nach einer leichten Kollision weit zurück– der GP China hat an diesem Sonntag einiges zu bieten.
Die Stimmen
Sieger Kimi Antonelli: «Ich bin sprachlos, ich könnte direkt losweinen. Der Dank geht ans Team, das mir dabei geholfen hat, den Sieg zu holen. Bei meinem Fahrfehler habe ich mir noch selbst eine Herzattacke eingebracht. Beim Start mache ich die Innenseite zu stark zu und habe die Ferraris so aussen rum gelassen, aber das Tempo war gut genug, um am Ende zurückzuschlagen.»
Lewis Hamilton: «Wir haben viel Arbeit investiert, um dranbleiben zu können. Das war eines der schönsten Rennen, das ich seit langem gehabt habe. Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen. Wir wollen ganz vorne mitspielen und arbeiten weiter daran.»
Der WM-Stand
1. George Russell – 51 Punkte
2. Kimi Antonelli – 47 Punkte
3. Charles Leclerc – 34 Punkte
4. Lewis Hamilton – 33 Punkte
5. Oliver Bearman – 17 Punkte
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14. Gabriel Bortoleto – 2 Punkte
Audi
Für Gabriel Bortoleto ist das Rennen zu Ende, bevor es angefangen hat: Der Brasilianer auf Startposition 16 kann aufgrund technischer Probleme gar nicht erst eingreifen. Sein von Position 11 aus ins Rennen gestiegene Teamkollege Nico Hülkenberg stösst bald in die Top Ten vor – wechselt aber im Vergleich zu seinen direkten Konkurrenten erst spät die Reifen und fällt dadurch weit zurück. Am Ende fehlen dem Deutschen knapp zehn Sekunden auf die Punkteränge.
Das gab zu reden
Der Gewinner der Konstrukteuren-WM des Vorjahres kommt weiterhin nicht richtig in Fahrt, in China sogar wortwörtlich: Sowohl Weltmeister Lando Norris als auch Teamkollege Oscar Piastri werden kurz vor dem Start aufgrund von Problemen mit dem Antrieb an die Box geschoben. Diese können nicht mehr rechzeitig behoben werden – das Rennen geht ohne die beiden papayafarbenen Boliden los. Besonders bitter ist das für Piastri, der nach seinem Aus in der Aufwärmrunde beim Heimrennen in Australien noch immer auf seinen ersten erfolgreichen Start der Saison wartet.
Das gab zu reden II
Wie schon im Qualifying vom Samstag stechen die Red-Bull-Piloten mit der Reifenwahl heraus: Max Verstappen und Isack Hadjar gehen als einzige Fahrer mit weichen Reifen an den Start. Bereits nach zehn Runden ist der Verschleiss offensichtlich und ein Wechsel notwendig – zum Glück für Verstappen kommt Lance Stroll in dieser Phase zum Stillstand, was eine Safety-Car-Phase zur Folge hat. Im Anschluss folgt eine starke Aufholjagd von Verstappen, der zwischenzeitlich auf Rang sechs nach vorne fährt. Zehn Runden vor Schluss dann die nächste Hiobsbotschaft: Der Holländer muss seinen Boliden abstellen. Hadjar wird letztendlich Achter.
So gehts weiter
Der Formel-1-Zirkus zieht nun weiter nach Suzuka: In zwei Wochen steht der Grosse Preis von Japan an. Das Qualifiying wird am Samstag um 7 Uhr MEZ ausgetragen, das Rennen findet einen Tag später zur gleichen Zeit statt. Durch die kriegsbedingten Absagen der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien wird es das letzte in der Formel 1 für über einen Monat sein.


