Schön oder ganz schön hässlich? Der neue giftgrüne Kick-Sauber C44 spaltet die Formel-1-Fans. Dass Rennställe (wegen ihrer Sponsoren) mit gewagten Lackierungen für Schlagzeilen sorgen, ist aber nichts Neues, wie ein Blick in die Geschichte der Königsklasse des Motorsports zeigt. Acht besonders aussergewöhnliche Beispiele.
Ein Formel-1-Ferrari ist immer rot! Von wegen, denn 1964 startete die Scuderia in Mexiko und den USA mit blau-weisser Lackierung und unter dem Namen «North American Racing Team». Der legendäre Teamchef Enzo Ferrari (1898–1988) wollte so gegen den Homologationsärger mit dem Italo-Verband wegen eines Sportwagens protestieren.
Gleich vier Fahrer versuchten 1977 beim englischen Hesketh-Rennstall ihr Glück. Mit mässigem Erfolg (nur Rang 13 in der Konstrukteurswertung). Dass das Team aber trotzdem im Rampenlicht stand, hatten sie ihrem Sponsor Penthouse zu verdanken, der die Boliden mit leicht bekleideten Frauen verzierte.
Gut gebrüllt, Shadow! 1979 waren auf den Boliden der Fahrer Jan Lammers und Elio de Angelis Löwenköpfe zu sehen, das Markenzeichen einer Zigarettenmarke. Richtig bissig war das Team aber nicht, nur Rang 10 in der Konstrukteurswertung.
Schnell war der EuroBrun 1989 nicht, aber ein optischer Hingucker war er definitiv. Zu verdanken hatte er das seinem Sponsor Jägermeister und der orangen Farbe. Der Rennstall um Teamchef Walter Brun und seine beiden Fahrer Gregor Foitek und Oscar Larrauri schafften es 1989 übrigens nicht einmal, sich für einen GP zu qualifizieren.
Wie so oft steckte auch hinter diesem Design ein Sponsor. Ligier-Fahrer Martin Brundle startete 1993 bei zwei Rennen mit einer Speziallackierung eines Zigarettenherstellers, die vom Künstler Hugo Pratt entworfen wurde.
1999 eroberte BAR die Formel 1 und sorgte gleich für mächtig Ärger. Weil das Team für zwei verschiedene Zigarettenmarken werben wollte, wollten sie beide Autos unterschiedlich lackieren. Doch die FIA verbot dies. Mit der Begründung, die Fahrzeuge müssten einheitlich auftreten. Deshalb entschied sich BAR, die Boliden zweifarbig zu gestalten: auf der linken Seite rot-weiss und auf der rechten blau.
Auf den ersten Blick ist dieser Bolide nur dank des Bullen als Red Bull erkennbar. Dahinter steckte in Silverstone 2007 aber nicht ein PR-Gag oder ein Sponsor, sondern eine gute Sache. Für einen gewissen Spendenbetrag, der der Stiftung «Wings for Life» zugute kam, konnte sich die Fans mit einem Foto auf dem Rennauto verewigen. Gleich 30'000 Menschen machten bei dieser Aktion mit. Das Ergebnis davon: ein einzigartiger Red Bull.
Hinter diesem ungewöhnlichen Design steckt für einmal kein Sponsor. Als Red Bull 2015 in Jerez ihren neuen Boliden testete, tarnten sie ihn mit diesem Muster. In der Hoffnung, die Konkurrenz möge doch die neuen Geniestreiche von Design-Guru Adrian Newey nicht entdecken.