Exklusiv-Interview mit Alfa-Sauber-Chef Vasseur
«Ich weiss nicht, warum Schumi bei Haas fährt!»

Zum Saisonabschluss trifft sich Frédéric Vasseur (52) mit BLICK in Hinwil zum Interview. Der Alfa-Sauber-Boss über die Corona-Saison und die Zusammenarbeit mit Ferrari. Und er verrät den Fans nur hier, wie das neue Auto heisst.
Publiziert: 17.12.2020 um 17:41 Uhr
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Aktualisiert: 18.12.2020 um 09:34 Uhr
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Alfa-Sauber-Chef Frédéric Vasseur.
Roger Benoit

Corona startete bei allen 17 Rennen als 21. Auto im Feld. Wie sicher war Ihr Team?
Fréderic Vasseur: Leider stand dieses Virus jedes Mal auf der Pole-Position. Doch die FIA und FOM (Formula One Management, d.Red) lösten die Aufgabe mit den Sicherheitskonzepten souverän. Wir kamen zum Glück gut über die Runden. Ich glaube, wir hatten daheim in Hinwil nicht mal fünf positive Fälle. In fünf Monaten.

Wie oft wurden Sie getestet?
Weit über 50 Mal.

Hatte auch Corona eine positive Seite?
Ja, wir waren ja weltweit der erste Sport, der wieder aktiv war. Zudem hat uns das Virus als Kollektiv zusammengeschweisst. Früher diskutierten und stritten wir uns zehn Jahre lang um eine Budgetobergrenze. Jetzt wurde das einfach abgesegnet.

2019 holte Räikkönen und Giovinazzi 57 WM-Punkte. Jetzt waren es acht – oder 99 weniger als das Team vor Ihnen, Alpha Tauri-Honda. Was lief da schief?
Erstens geht es nicht nur um gut oder schlecht. Global haben wir einen guten Job gemacht, aber natürlich haben uns die Resultate geschockt. Es entstand eine Art Hektik, wir versuchten in allen Abteilungen zu reagieren. Als wir aufwachten, war es zu spät. Aber schon bei den Testfahrten in Barcelona hatten wir vor zehn Monaten kein gutes Gefühl. Wir wussten, dass die neuen Regeln den Ferrari-Motor hart treffen würden. Aber: Unsere Zuverlässigkeit zeigt, dass wir gut gearbeitet haben. Ein Dank ans Team!

Reden wir nicht um den Brei herum. Die Hauptschuld trug der lahme Ferrari-Motor?
Das ist Ihre Interpretation, aber gross widersprechen kann ich Ihnen nicht.

Sagen wir einmal, dass das Team zu 80 Prozent wegen Ferrari in die Krise schlitterte.
Ich weiss nicht, wie viele Prozente es waren. Aber wir haben auf die Rivalen sicher 0,3 bis 0,4 Sekunden pro Runde verloren.

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Das könnten schon einmal fünf oder sechs Startplätze sein.
Richtig. Und wie gross die Probleme der Italiener waren, zeigte die zweite Halbzeit, als wir gegen das Werksteam kämpften und in Abu Dhabi sogar vor ihnen ins Ziel kamen! Wir konnten, ausser mit der Zuverlässigkeit, mit den Resultaten nicht zufrieden sein – aber für Ferrari muss dieses Jahr ein Desaster gewesen sein.

Wie lange läuft der Vertrag mit Ferrari noch? Da der WM-Dritte McLaren nicht mehr mit Renault-Motoren sondern neu mit Mercedes-Power unterwegs ist, hätten die Franzosen noch einige Hybrid-Antriebe übrig.
An Ferrari sind wir bis Ende 2021 gebunden. Dann müssen wir über die Bücher, denn der nächste Vertrag sollte wegen der neuen Autos von 2022 bis 2026 abgeschlossen werden.

Mit Ferrari?
Das kann man nie sagen. Es ist wie mit einer Ehe. Niemand garantiert dir, dass du ewig mit der gleichen Frau zusammen bleibst – wie ich (lacht). Du hast in einer Partnerschaft immer in Betracht zu ziehen, dass es Höhen und Tiefen gibt … Also müssen wir uns fragen: Was ist der beste Deal? Bis jetzt war Ferrari meist ein solider Partner.

Alles dreht sich um die Italiener. Warum sitzt Mick Schumacher 2021 nicht im Alfa-Sauber? Im ersten GP-Training auf dem Nürburgring wartete Mick schon im Hinwiler Anzug auf den Einsatz, wie Callum Ilott im Haas-Overall. Dann wurde das erste Training abgesagt – und jetzt ist alles anders. Warum?
Da bin ich überfragt! Vielleicht hat es für Ferrari mehr Sinn gemacht, Mick zu Haas zu holen und Giovinazzi bei uns zu behalten. Für die Stabilität im Team.

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«Bin sehr stolz»: So freut sich Mick Schumacher auf seine Formel-1-Zukunft(00:36)

Seltsam. Wie der andere Schachzug. Einst schickte Ferrari-Technikdirektor Simone Resta nach Hinwil, um ihn dann vor der Saison nach Maranello zurückzuholen – und ihn jetzt für 2021 bei Haas-Ferrari einsetzt. Alles für Mick Schumacher?
Sorry, das ist wieder eine sehr schwierige Frage. Manchmal gibt es seltsame Dinge im Leben.

Dann machen wir es Ihnen leichter: Vom 2. Bis 4. März steigen drei Testtage – wann wird der C40 fertig?
Nie (lacht). Wir haben uns entschlossen, die Bezeichnung des Autos mit dem Kalenderjahr identisch zu machen. Also ist unser neuer Wagen eben der C41. Das ist jetzt exklusiv für BLICK!

Was war für Alfa-Sauber und Sie der grösste Erfolg im Corona-Jahr 2020?
Dass alle Partner bleiben. Auch Ersatzfahrer Robert Kubica, der wie die Stammpiloten Räikkönen und Giovinazzi einen sehr guten Job machten, und Titelsponsor Orlen bleiben 2021 dabei. Sie waren im schwierigsten Jahr mit allen unseren Aktivitäten zufrieden. Das gleiche gilt auch für die Besitzer des Teams, die uns seit Jahren motivieren.

Eine sehr gute Ausgangslage, um 2021 einiges besser zu machen.
Ja, das sind tolle Nachrichten für unsere Mitarbeitenden, die in jeder Abteilung wieder alles geben werden. Und wir wissen, dass wir uns in allen Bereichen verbessern müssen. Und wenn von Ferrari auch einiges kommt, können wir unsere Ziele höher stecken.

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Viele Fans glauben, dass sie in diesem Jahr viele Dinge schön redeten und zu optimistisch waren …
In schwierigen Zeiten muss der Chef nicht nur analysieren, sondern jeden Pessimismus vermeiden. Sonst kannst du auf der ganzen Welt keine Angestellten motivieren.

Wo tanken Sie über die Festtage ihre Batterien auf?
Ich fahre bald von Hinwil in die französischen Alpen zu meiner Familie. Mit einem Alfa. Leider ist das Skifahren in Frankreich aber verboten.

Was ist für Sie das Wort des Jahres?
Da muss ich drei nennen: Covid-19, Test und Motor!

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