Darum gehts
- Rodwin Dionicio (21) beeindruckt in seiner ersten vollen National-League-Saison
- Er erzielte 6 Tore, 18 Assists und brilliert mit kreativem Spielstil
- EHC Biel hofft auf seinen Einfluss im Strichkampf ab Dienstag
Schon 6 Tore und 18 Assists hat Rodwin Dionicio (21) in seiner ersten vollen National-League-Saison gesammelt. Damit ist er nicht nur der mit Abstand produktivste U25-Verteidiger der Liga, sondern als drittbester Schweizer auch auf Rang 11 aller Defensivspieler – vor hochbezahlten Ausländern wie Sami Niku, Mikko Lehtonen, Tim Heed oder Jesse Virtanen.
Doch es sind nicht nur die Skorerpunkte, die den für den EHC Biel spielenden Appenzeller auszeichnen. Es ist schlicht ein Genuss, ihm zuzuschauen: wie er aus dem Nichts, mit einem energischen Vorstoss oder einem frechen Dribbling, Lücken aufreissen und Torgefahr heraufbeschwören kann. Er ist einer jener unberechenbaren Spektakelspieler, für die es sich als Hockeyliebhaber allein schon lohnt, eine Saisonkarte zu kaufen.
Risikomanagement als grosses Thema
Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Manchmal wird Dionicio übermütig und durch seine Waghalsigkeit zum Sicherheitsrisiko für sein Team. «Ich bin noch nicht lange hier. Aber es ist schon möglich, dass ich wegen ihm bereits das eine oder andere graue Haar bekommen habe. Und vielleicht werden es am Ende einige Hundert mehr sein», sagt Biel-Trainer Christian Dubé (48) mit einem Schmunzeln.
Dabei ist Dubé, der vor einem Monat anstelle des entlassenen Martin Filander im Seeland übernommen hat, ein grosser Verehrer von Dionicios Hockeykunst. Dubé gehörte zu Aktivzeiten selbst zu den Kreativspielern und sagt: «Er ist grossartig, und ich mag es, diese aussergewöhnlichen Spielertypen zu managen. Ich hatte stets Erfolg mit ihnen. Spieler wie Rodwin können den Unterschied ausmachen. Was jedoch ein Thema ist, ist sein Risikomanagement. Wir haben darüber gesprochen, damit ihm klar ist, was ich möchte, und er hat gut darauf reagiert.»
«Ich bin, wer ich bin»
Dionicio ist sich seiner Problemzone bewusst: «Ich bewege mich da jeweils auf einem schmalen Grat, es kann immer auf beide Seiten kippen. Ich arbeite hart daran, das Risiko zu minimieren, und zeitweise klappt das auch schon gut. Nun geht es darum, Konstanz hineinzubringen. Ich reflektiere nach jedem Spiel, was gut war und was ich besser bleiben lassen sollte.»
Das Falscheste wäre es, den Jungstar in ein starres Korsett zu zwängen. Daran hätte auch Dionicio keine Freude: «Ich bin, wer ich bin. Diesen kreativen Spielstil hatte ich schon von klein auf und möchte ihn auch beibehalten.» Das ist auch im Interesse des EHC Biel. Assistenztrainer Beat Forster (43), der seit einem Jahr mit Dionicio arbeitet, sagt: «Wenn er diese Waffe, die er besitzt, kanalisieren kann, wird es für ihn einfacher, ein dominanter Verteidiger zu sein.»
Vorfreude auf Bieler Strichkampf
Die Verteidigerlegende betont, wie positiv sich das Talent in den letzten Monaten punkto Defensivstabilität und Zweikampfverhalten weiterentwickelt hat, und lobt zudem die menschlichen Vorzüge des Sohnes von Eltern aus der Dominikanischen Republik. Auch seine Emotionalität, die oft unnötige Strafen nach sich zog, hat Dionicio mittlerweile besser im Griff. Denn er hat erkannt: «Ich möchte nicht auf der Strafbank sitzen, sondern der Mannschaft auf dem Eis helfen.»
Rodwin Dionicio, der im letzten Frühling bereits seine ersten sechs A-Länderspiele bestritten hat, ist einer der spannendsten jungen Spieler. Und für die auf Rang 11 liegenden Bieler ist er im am Dienstag wieder beginnenden Strichkampf der X-Faktor. Wegen der vor ihm liegenden wichtigsten Spiele der Saison bekommt er kein Muffensausen: «Früher habe ich als Fan jeweils auf die Tabelle geschaut. Jetzt bin ich selbst mittendrin – das ist toll.»
Schliesslich ist und bleibt die NHL sein grosses Ziel, obwohl der Fünftrunden-Draftpick seinen Vertrag bei den Anaheim Ducks im Herbst aufgelöst hat, um seine Entwicklung hierzulande voranzutreiben: «Ich möchte den Schritt in die NHL schaffen und mich dort etablieren. Dafür werde ich in den nächsten Jahren alles investieren.»

