«Manchmal gehts etwas länger»
Und plötzlich fliegt der SCB übers Eis

Der SCB spielt wie verwandelt. Die gleiche Mannschaft, die während Wochen knorzte und die Fans zur Verzweiflung brachte, spielt plötzlich dynamisches, bissiges und emotionsgeladenes Eishockey.
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Berns Tristan Scherwey (r.) im Duell mit Klotens Torhüter Juha Metsola.
Foto: keystone-sda.ch
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Am Samstag stand der SCB vor dem Aus. Hätte die Mannschaft von Toni Söderholm gegen die ZSC Lions nicht gepunktet, wäre die Saison wie vor einem Jahr vorzeitig zu Ende gewesen. Doch die Berner spielten plötzlich Eishockey ohne Komplexe und Zweifel, ohne Nervenflattern, mit höchster Konzentration, viel Ruhe und jeder Menge Energie.

«Die Berner waren bereit. Und schon der erste Einsatz war richtungsweisend: Tristan Scherwey landete einen heftigen Check und brachte die Fans so in Stimmung», sagte Lions-Coach Marc Crawford, der mit seiner Mannschaft gerne Spielverderber gespielt hätte, danach.

Ähnlich klang es auch von Kloten-Trainer Jeff Tomlinson nach der 1:5-Pleite im ersten Spiel der Pre-Playoffs am Dienstag. «Bern hat sehr aggressiv gespielt. Sie haben körperbetont gespielt und wir haben uns einschüchtern lassen», sagte der Kanadier. Gegen die Flughafenstädter hatten Scherwey & Co. mit einer Salve von Checks in der Anfangsphase den Ton gesetzt.

«Jeder weiss, dass jetzt Playoff-Zeit ist»

Wie ist es möglich, dass eine Mannschaft, die während Monaten enttäuschte, nun plötzlich so selbstbewusst und entschlossen auftritt? «Die Emotionen sind grösser als in der Regular Season», sagt Stürmer Tyler Ennis, der am Dienstag bärenstark spielte und regelrecht übers Eis flog. «Ich denke, jeder weiss, dass jetzt Playoff-Zeit ist und man sich steigern muss», sagt der Kanadier mit der Erfahrung von 724 NHL-Spielen. «Letzte Woche oder so ist es uns gut gelungen, uns zu steigern. Doch wir wissen, dass es erst ein Spiel war und wir so weitermachen müssen, wenn wir noch lange spielen wollen.»

Auf die ketzerische Frage, warum man dann nicht schon früher diesen dynamischen und bissigen SCB gesehen hat, sagt der 33-Jährige: «Das Ziel war immer das gleiche. Doch es gibt immer wieder Unebenheiten auf dem Weg und Widerstände, mit denen man umgehen muss. Manchmal geht's etwas länger, bis sich ein Team entwickelt.»

Wie weit kann die Reise in diesem Frühling für den SCB noch gehen? «Wir dürfen nur auf das nächste Spiel schauen», sagt der Stürmer. Ennis wäre wohl nicht Hockey-Profi, wenn er etwas anderes sagen würde. Und niemand weiss, ob man diesem verwandelten SCB trauen kann oder ob Verunsicherung und Verkrampfung so schnell wieder zurückkehren, wie sie verschwunden sind.

National League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
HC Davos
HC Davos
38
45
81
2
HC Fribourg-Gottéron
HC Fribourg-Gottéron
38
29
69
3
Lausanne HC
Lausanne HC
38
30
68
4
HC Lugano
HC Lugano
37
27
65
5
Genève-Servette HC
Genève-Servette HC
38
4
65
6
ZSC Lions
ZSC Lions
37
19
61
7
SC Rapperswil-Jona Lakers
SC Rapperswil-Jona Lakers
37
-8
58
8
EV Zug
EV Zug
36
-7
56
9
SCL Tigers
SCL Tigers
37
3
51
10
SC Bern
SC Bern
37
-11
47
11
EHC Biel
EHC Biel
37
-16
46
12
EHC Kloten
EHC Kloten
37
-17
46
13
HC Ambri-Piotta
HC Ambri-Piotta
37
-38
41
14
HC Ajoie
HC Ajoie
38
-60
29
Playoffs
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