Training in der FKB-Arena in Fribourg. Es dauert eine halbe Stunde, bis man den Chef auf dem Eis erstmals wahrnimmt. Nachdem er zuvor mit seiner Baseballkappe unauffälliger Beobachter war, erklärt Mark French seinem Team mit klangvoller Stimme vor der Taktik-Tafel, was er will. Laut und deutlich.
Dann ist er Antreiber, schreit, bläst mit Verve in die Pfeife. Und man versteht, was Captain Julien Sprunger nach der Ankunft des Kanadiers 2017 meinte, als er sagte: «Er ist eine ruhige Persönlichkeit, aber man spürt sofort, dass man ihn besser nicht verärgert.» Dass French Temperament hat, zeigte er, als er als Trainer des Junioren-Teams Calgary Hitmen wie von Sinnen vor den Augen der Schiedsrichter einen Stock an der Bande malträtierte.
Ihren Boss nicht zu verärgern, ist Sprunger und Co. nicht immer gelungen. So qualifizierte French den Auftritt bei der 0:3-Pleite in Rapperswil als «inakzeptabel» oder tobte, als es sein Team im Training nach dem 10:3-Sieg gegen die SCL Tigers zu lasch angehen liess.
Dinge rational betrachten
«Es ist sicher wichtig, dass die Jungs wissen, dass sie einen nicht kalt lassen. Manchmal ist es gut, Emotionen zu zeigen. Doch man muss auch schauen, dass die Emotionen das Bild nicht verzerren, und die Dinge rational betrachten», sagt French.
Auch wenn es der 48-Jährige so nicht bestätigen will, scheint er ein Team zu haben, das schnell zufrieden ist. So brachte es jeweils in den zwei Spielen nach dem Stängeli gegen Langnau und dem 7:2 gegen die ZSC Lions kein einziges Tor zustande.
Überhaupt ist die Saison für die Fribourger bisher eine Achterbahnfahrt. «Die fehlende Konstanz war bis jetzt sicher unser Problem», sagt French. Weiss wenigstens er nach bald 100 Spielen an der Gottéron-Bande, was er von seinem Team erwarten kann? «Ich denke schon», sagt er.
Warum warten?
Die Fribourger waren bisher dann am besten, wenn sie mit dem Rücken zur Wand standen – wie zuletzt, als gegen Servette und Davos der Playoff-Zug abzufahren drohte, Gottéron mit drei Siegen in Folge (auch in Bern gelang ein Erfolg) aber den Sprung über den Strich schaffte. «Das ist eine gute Sache. Mir müssen uns aber fragen: Warum warten wir, bis wir in eine solche Situation kommen?»
Weiss French, der vier Jahre Psychologie studierte, besser als andere, was in den Köpfen der Spieler vorgeht? «Meine 22 Jahre Erfahrung als Coach helfen mir mehr als mein Uni-Abschluss.»
Bereits im Alter von 26 Jahren wechselte er ins Trainergeschäft, Hockeyprofi war er nie. «Ich spielte an der Brock University und war dann da ein Jahr lang Assistenz-Coach. Ich wollte gerade den Master machen, da ging der Headcoach und sein Job wurde mir angeboten. Da musste ich mich entscheiden.» Bereut hat er seine Wahl nie. Er machte seinen Weg und feierte 2010 den grössten Erfolg, als er die Hershey Bears zum AHL-Titel führte.
In Fribourg, seiner zweiten Station in Europa nach Zagreb, fühlen sich French, seine Frau Kimberly, Tochter Ellie (12) und Sohn William (9) wohl. Die Familie wohnt in der Nähe des Stadions in Granges-Paccot. Der Coach kann zu Fuss ins Training. Französisch spricht er allerdings immer noch nicht. «Aber meine Kinder sprechen es fliessend.»
Kann French mitten im Stress des Strichkampfs zu Hause überhaupt abschalten? «Ehrlich gesagt: Es ist wirklich schwierig. Aber ich versuche es. Schliesslich bin ich auch ein Ehemann und ein Vater. Und das ist wichtiger. Man muss das richtig einordnen. Das macht mich auch zu einem besseren Trainer.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | HC Davos | 52 | 71 | 117 | |
2 | HC Fribourg-Gottéron | 52 | 46 | 100 | |
3 | Genève-Servette HC | 52 | 15 | 91 | |
4 | ZSC Lions | 52 | 32 | 91 | |
5 | HC Lugano | 52 | 30 | 89 | |
6 | Lausanne HC | 52 | 18 | 85 | |
7 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 52 | -4 | 81 | |
8 | EV Zug | 52 | -19 | 75 | |
9 | SC Bern | 52 | -10 | 68 | |
10 | EHC Biel | 52 | -22 | 67 | |
11 | SCL Tigers | 52 | -7 | 64 | |
12 | EHC Kloten | 52 | -26 | 63 | |
13 | HC Ambri-Piotta | 52 | -49 | 59 | |
14 | HC Ajoie | 52 | -75 | 42 |