Roger Rönnberg hat das scheinbar Unmögliche möglich gemacht und Fribourg zum ersten Meistertitel geführt. Der Schwede hat die Zutaten an die Saane gebracht, die Gottéron noch fehlten.
Wer zwölf Jahre beim schwedischen Topklub Frölunda in Göteborg tätig war, dabei zwei Meistertitel und viermal die Champions Hockey League gewonnen hat und 37 Spieler in die NHL brachte, verfügt über einen vollen Rucksack. Doch das heisst noch lange nicht, dass ein solcher Trainer auch in der Schweiz Erfolg bringt.
Schon Monate vor seiner Ankunft in Fribourg sprach der 54-Jährige davon, dass er bereits den Platz für die Meisterfeier auf Google Maps gefunden habe. Das sorgte bei manchem in der Schweizer Hockey-Szene für Irritation. Viele dachten, dass da wieder ein Schwede mit übertrieben grossem Selbstwertgefühl ankommt – und dann hochkant scheitert. Erschwert wurde die Aufgabe auch noch dadurch, dass Fribourg bereits im letzten Frühling unter Übergangscoach Lars Leuenberger in den Playoffs überzeugt und die Erwartungen hochgeschraubt hatte.
Erster schwedischer Meistercoach seit Evensson
Doch es kam anders. Ganz anders. Rönnberg hat den ewigen Zweiten gleich im ersten Anlauf zum Sieger gemacht und ist der erste schwedische Meistertrainer seit 1994 und Conny Evensson, dem Baumeister der Klotener Flugjahre.
Bis es am Donnerstagabend soweit war, knirschte es bei den Fribourgern zwischenzeitlich ordentlich im Gebälk. Rönnberg stiess nicht nur mit seinen knüppelharten Trainings einige Spieler vor den Kopf, sondern konnte zuweilen ungehobelt und impulsiv sein.
Doch in den Playoffs profitierten die Drachen von den intensiven Trainings und der Struktur, die Rönnberg implementiert hatte. Dazu zog der Entertainer an der Bande viel Aufmerksamkeit auf sich, was Druck von den Spielern nahm. Und als man die zähe Viertelfinal-Serie gegen die SCRJ Lakers nach 0:2- und 2:3-Rückstand in der Verlängerung des siebten Spiels überstanden hatte, fiel eine Last von der Mannschaft ab. Im Halbfinal setzten sich die Fribourger gegen Servette mit 4:1 durch, was ihnen nach den jeweiligen Viertelfinal-Serien kaum jemand zugetraut hatte.
Auch Verletzungen konnten Gottéron nicht stoppen
Rönnberg setzte dabei konsequent auf das «Next-man-up»-Prinzip. So rückten Spieler wie Simon Seiler oder Jeremi Gerber, die davor höchstens Nebenrollen hatten, auf, als mit Andrea Glauser und Sandro Schmid zwei Nati-Spieler in den Playoffs ausfielen, was manch andere Mannschaft aus der Bahn geworfen hätte.
Bei Rönnberg sass jeder Handgriff. Gegen die Lakers nahm er den Kanadier Ty Rattie aus dem Line-up und ersetzte ihn durch den energetischen US-Stürmer Kyle Rau, ehe Marcus Sörensen dann sein Comeback geben konnte. Und auch der finnische Verteidiger Juuso Arola, den Sportchef Gerd Zenhäusern vor Transferschluss noch geholt hatte, fügte sich nahtlos ins Team ein, als sich Abwehrchef Patrik Nemeth eine Sperre von fünf Spielen einhandelte.
Der Gottéron-Staff mit den hochkarätigen Assistenten Leuenberger und Rikard Franzén sowie Goalie- und Video-Coach David Aebischer funktionierte formidabel. So erwies sich vor allem die durch den ehemaligen NHL-Goalie und Stanley-Cup-Sieger initiierte Coaches Challenge im ersten Finalspiel in Davos als Volltreffer, als der Ausgleichstreffer von Brendan Lemieux aufgrund einer umstrittenen Torhüterbehinderung durch Matej Stransky aberkannt wurde.
Fribourg attraktiv für ambitionierte Talente
Rönnberg hat mit seiner fordernden Art nicht nur die Leistungskultur bei Gottéron, wo man immer etwas genügsam schien, verändert, sondern auch ein Team kreiert, das furchtlos zur Sache geht und sich nicht versteckt und zudem keinen Zweikampf scheut. Und mit Julien Sprunger (40) ging der Captain, beseelt davon, nicht ohne Titel abzutreten, voran und Rönnberg zur Hand.
Unter dem Schweden können sich junge Spieler weiterentwickeln. Das macht den Klub attraktiv, wie die Zuzüge von Attilio Biasca, Ludvig Johnson, Jamiro Reber oder nun auch Jonas Taibel zeigen. Dieser Impuls tut dem Schweizer Eishockey gut.

