2018 traf ZSC-Captain Geering mit kaputter Schulter
Jetzt werden wieder Helden geboren

Es ist das, was den Playoffs die besondere Würze verleiht. Das Epische einer Finalissima. Wenn man weiss, dass zwei Teams noch einmal alles, was ihnen steckt, rausholen und sich Einzelne für ewig in die Erinnerungen der Fans meisseln können.
Publiziert: 30.04.2024 um 00:18 Uhr
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Aktualisiert: 30.04.2024 um 07:41 Uhr
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30. April 2024: Im zweiten Drittel lenkt Jesper Frödén einen Schuss entscheidend ins Tor des Lausanne HC ab – und bringt die ZSC Lions so auf die Siegerstrasse. Die Zürcher gewinnen die Finalissima letztlich mit 2:0.
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Nach einer intensiven Finalserie sind die Batterien auf beiden Seiten im roten Bereich. Doch für das alles entscheidende Spiel am Dienstag in der Swiss Life Arena werden sowohl die ZSC Lions als auch die Lausanner ihre letzten Reserven mobilisieren. Schliesslich geht es um den ewigen sportlichen Ruhm.

Dass auch mancher auf die Zähne beisst, gehört dazu. So sagte ZSC-Teamarzt Gerry Büsser nach dem letzten Heimspiel, als bei den Zürchern nach Zehnder auch noch Weber und Balcers verletzt ausfielen, auf MySports: «Es ist noch lustig. Eigentlich sind alle angeschlagen. Es geht gar nicht anders. Sonst wären es nicht Playoffs.»

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Dass es sich lohnen kann, auch mit einem lädierten Körper noch einmal aufs Eis zu gehen, weiss Patrick Geering (34) aus eigener Erfahrung. Beim letzten ZSC-Titel spielte der Verteidiger mit einer havarierten Schulter und schoss dennoch das Tor, das die Meisterschaft entschied.

Der Schuss von ZSC-Captain Patrick Geering (nicht im Bild) bezwingt in der Finalissima 2018 in Lugano Goalie Elvis Merzlikins.

Bei der Finalissima in Lugano gelang dem Lions-Captain 2018 das wegweisende 1:0. Erst Sekunden vor Schluss machte der jetzige Lausanne-Stürmer Ronalds Kenins mit dem 2:0 ins leere Tor alles klar.

«Geschichten, welche die Playoffs schreiben»

Maxim Lapierre hatte Geering damals im vierten Akt des Finals gegen die Bande gedonnert, sodass sich dieser am AC-Gelenk verletzte und am nächsten Tag den Arm nicht mehr heben konnte. Mit einer Mischung aus Büssers Spritzen, welche die Schulter während des Spiels betäubten, und dem Adrenalin, das der Final freisetzte, konnte Geering die weiteren drei Spiele bestreiten und zum Meister-Helden werden. Die höllischen Schmerzen kehrten erst nach den Spielen zurück und blieben Geering bis im Sommer treu.

Kanadier kommt mit einem Grinsen davon: Lapierre mit üblem Check gegen Geering(00:58)

«Das sind immer die Geschichten, welche die Playoffs schreiben», sagt der Routinier, der seine vierte Finalissima spielt und dabei 2012 in Bern und 2018 den Titel holte, vor zwei Jahren in Zug aber als Verlierer vom Eis ging. «Wir sind topfit. Und ich habe das Gefühl, je länger die Serie geht, umso mehr Power haben wir. Das müssen wir jetzt voll ausspielen.» Man habe hart für diesen Moment gearbeitet, «angefangen im Sommer, als wir Gewichte stemmten wie die Irren – Spiel 7 zu Hause ist nun der Lohn».

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Game-7-Helden: Vatanen, Samuelsson, Leblanc oder Weber

In der Finalissima werden Helden geboren. So meisselte sich der im letzten Herbst verstorbene Morgan Samuelsson (†55) 2001 mit seinem Overtime-Tor in Lugano für immer in die Erinnerung der ZSC-Fans. Oder 2012 war es der kanadische Verteidiger Steve McCarthy, der die Lions 2,5 Sekunden vor Schluss in Bern zum Titel schoss.

Am 7. April 2001: Samuelsson schiesst ZSC zum Meistertitel gegen Lugano(00:31)

Letztes Jahr machte sich Servettes Finne Sami Vatanen mit zwei frühen Toren gegen Biel unsterblich. Legendär sind auch der Treffer des damaligen HCD-Stürmers Robin Leblanc, der 2007 in der Finalserie gegen den SCB, in der es nur Heimsiege gab, das einzige Tor der Finalissima schoss oder Marc Webers Overtime-Winner 2004 für den SCB in Lugano.

Wer macht sich am Dienstagabend oder gar erst in der Nacht auf Mittwoch zum Helden?

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