Darum gehts
- Stanley Cup in Pub in Zürich, Live-Übertragung Nashville gegen Detroit
- Erstmals NHL-Spiel zur Prime-Time für Fans aus Europa angepasst
- Detroit gewinnt 4:2 gegen Nashville, Stanley Cup tourt weiter nach Tschechien
Es ist 18 Uhr und das Nelson Pub an der Zürcher Bahnhofstrasse ist noch fast leer. In zwei Stunden wird hier die Liveübertragung der Partie zwischen den Detroit Red Wings und den Nashville Predators mit Roman Josi (35) gezeigt. Die Angestellten des Lokals wissen nur von einer grösseren Reservation – mehr aber nicht. Kein Anzeichen davon, dass hier gleich der Stanley Cup eintreffen wird. Im Pub findet an diesem Montagabend ein Public Viewing statt, organisiert von der NHL selbst.
Das Besondere: Die Partie wird am Montagabend um 20 Uhr Schweizer Zeit ausgetragen. Das gibts nicht oft. NHL-Fans in Europa müssen normalerweise unter der Woche bis tief in die Nacht wach bleiben: In Nordamerika finden die Spiele jeweils am Abend statt. Diesen Montag ist das anders. Nashville und Detroit treten um 13 Uhr Ortszeit an. Bei uns wird die Partie live im Free-TV gezeigt.
Das Who is who des Schweizer Eishockeys
Der Grund der ungewöhnlichen Anspielzeit ist klar: Die NHL setzt auf die Aufmerksamkeit aus Europa. Seit einigen Jahren werden ausgewählte Regular-Season-Partien beispielsweise in Schweden und Finnland ausgetragen. Zum ersten Mal überhaupt wird die Anspielzeit in Nordamerika für Fans aus Europa angepasst. Philip Schuler, Direktor für internationale Geschäftsentwicklung und Partnerschaften der NHL, bestätigt: «Die Nashville Predators haben sich bereiterklärt, das Spiel am frühen Nachmittag statt am Abend anzusetzen, damit es in Europa zur besten Sendezeit ausgestrahlt werden kann.»
Für die NHL ein Grund zum Feiern. Ganz exklusiv laden die Vertreter der besten Eishockey-Liga der Welt zum Fest ein. Im Pub in Zürich. Neben ehemaligen Stars aus der National League wie Mathias Seger und Edgar Salis oder Ex-Frauen-Nati-Trainer und Olympia-Bronze-Gewinner Colin Müller sind auch Stanley-Cup-Champions Mark Streit, David Aebischer, Martin Gerber und Paul DiPietro dabei. Der Generalsekretär der kommenden Heim-WM Christian Hofstetter hat sich das Event ebenfalls nicht entgehen lassen.
Es spricht für die Bodenständigkeit des Eishockeys, dass Spieler dieses Kalibers kein grosses Aufsehen erregen, während sie in einer Bar ein Eishockeyspiel schauen. Hin und wieder wird nach einem Selfie gefragt, doch die Szene im Lokal unterscheidet sich kaum von anderen Abenden. So ist auch die Atmosphäre sehr familiär und entspannt. Auch die NHL-Funktionäre sind nahbar und beantworten freundlich alle Fragen.
Lord Stanley ist der wahre Star
Der eigentliche Star ist der Stanley Cup, der an diesem Abend ebenfalls im Pub vorzufinden ist. Ein glücklicher Zufall, wie Schuler erklärt: «Der Stanley Cup tourt aktuell im Rahmen der Hockey Days durch Europa. Der nächste Halt ist Düsseldorf am Dienstag bevor er am sechsten und siebten März nach Pardubice in Tschechien reist. Wir haben eine Lücke im Kalender gefunden und uns dafür entschieden, den Cup in die Schweiz zu bringen.»
Auf die Frage, ob der Pokal einen Terminkalender habe, antwortet Schuler: «Ja, der Stanley Cup hat einen Terminkalender und ist beinahe das ganze Jahr ausgebucht.»
Steter Begleiter ist Keeper of the Cup Phil Pritchard, der Hüter der Trophäe. Der Amerikaner ist Museumskurator der Hockey Hall of Fame und verantwortlich für den begehrtesten Pokal im Eishockey. Seit über 30 Jahren reist Pritchard mit dem Stanley Cup durch die Welt – jeweils unverkennbar mit seinen weissen Handschuhen. Auch in Zürich ist er vor Ort und hat sein wohl wertvollstes Museumsstück den ganzen Abend stets im Auge.
Während sich die Gäste mit dem Stanley Cup ablichten lassen, verlieren Josis Predators die Partie gegen Detroit mit 2:4. Ob zukünftig weitere NHL-Spiele unter der Woche zu ähnlichen Zeiten ausgetragen werden, ist noch nicht bekannt. «Diese Saison nicht mehr», erklärt Schuler. «Dieses Spiel war ein Test unter der Woche ein NHL-Spiel zur Primetime auszutragen. Bei unseren Primetime-Spielen am Wochenende, die wir seit Jahren durchführen, herrscht viel Konkurrenz durch die NL-Partien, Fussball oder Show-Sendungen. Deshalb versuchen wir, neue Wege zu gehen, und testeten ein Montags-Spiel. Bei positivem Outcome können wir uns durchaus vorstellen, in der kommenden Saison vermehrt am Montagabend Primetime-Spiele durchzuführen.» So bot die Anspielzeit auch die Gelegenheit, digitale Vermarktungsmassnahmen zu demonstrieren. Während der Übertragung waren auf den Banden sowie auf dem Eis, virtuelle, auf die Schweiz zugeschnittene Werbung zu sehen.






