Bei Olympia 2006 bodigte die Nati Kanada
«Zu Hause wurden sie nach der Pleite gegen uns zerrissen»

Es war die Sensation an den Olympischen Spielen 2006. Die Schweiz schlug Kanada mit allen NHL-Stars 2:0. Der damalige Goalie-Held Martin Gerber erinnert sich.
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Die Kanadier traten mit einer Equipe von NHL-Superstars wie Martin Brodeur, Joe Thornton, Dany Heatley, Martin St. Louis, Joe Sakic, Rick Nash oder Chris Pronger an. Von der Schweiz brachten damals mit Martin Gerber, Mark Streit und Paul DiPietro gerade mal drei Spieler NHL-Erfahrung mit.

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Martin Gerber arbeitet heute als Trainer im Nachwuchs der SCL Tigers.
Foto: Pius Koller

Doch die Nati schaffte in diesem Gruppenspiel der Olympischen Spiele 2006 in Turin das Unmögliche und schlug Kanada mit 2:0. Es war der erste Sieg gegen die übermächtigen Ahornblätter an einem grossen Turnier seit 98 Jahren.

«Gegen Kanada? Wir dachten, das wird ganz wüst»
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Schweizer Erinnerung an 2006:«Gegen Kanada? Wir dachten, das wird ganz wüst»

Die grossen Helden: Doppeltorschütze DiPietro und Goalie Gerber, der nicht weniger als 49 Schüsse hielt. Im Eishockey-Podcast «SCHLIIFTS?» von Blick schwelgte Gerber in Erinnerungen. «Als wir die Namen sahen, dachten wir, das wird ganz wüst. Das waren Spieler, die man bewundert hat. Aber man hat auch gewusst, dass sie schon ein wenig älter waren», sagt der heute als Trainer im Nachwuchs der SCL Tigers arbeitende ehemalige NHL-Goalie.

«Vom Gefühl her war der Puck drin»

Es seien damals noch andere Zeiten gewesen, gegen die Kanadier in einem offenen Schlagabtausch mitzuspielen, sei illusorisch gewesen. «Wir hatten ein gutes System und das Ziel war es, das Spiel so lange wie möglich offen halten zu können und vielleicht das eine oder andere Powerplay zu erhalten», so der 51-Jährige. «Im ersten Drittel hatten wir ein, zweimal Glück, dann wurde der Glaube immer grösser. Wenn jeder dann die Arbeit für seinen Block und das Team verrichtet, kann man viel erreichen.»

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Speziell in den Fokus geriet Gerber in der 25. Minute des Spiels, als er einen Schuss von Nash mit der Fanghand spektakulär parierte, aber womöglich erst hinter der Linie. Zwölf Minuten schauten sich die Schiris das Video an, konnten aber nichts erkennen. Heute gesteht Gerber: «Vom Gefühl her war der Puck drin.» Am Ende waren die Schweizer die Sensationssieger und die Kanadier die begossenen Pudel: «Sie haben uns zwar gratuliert, aber diese Niederlage hat sie schon getroffen. In Kanada wurde sie danach zerrissen.»

«Traue der Schweiz eine Medaille zu»

Die Kanadier erholten sich von dieser Blamage nicht mehr, schieden in der Folge bereits in den Viertelfinals (0:2 gegen Russland) aus. Genauso wie die Schweizer, die Schweden mit 2:6 unterlagen.

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Und wie sieht der langjährige Nati-Goalie Gerber die Chancen an den Olympischen Spielen 2026, die mit Mailand 20 Jahre später wieder in Italien stattfinden und wo man in der Gruppenphase wiederum auf eine NHL-Starequipe aus Kanada trifft? «Ich traue der Schweiz schon eine Medaille zu, aber es muss alles zusammenpassen. Es gibt Gegner, die man schlagen muss, dazu muss man noch einem Grossen ein Bein stellen. Das ist zwar ambitioniert, aber wenn man dieses Ziel nicht hat, kann man auch daheimbleiben.»

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