Telefonbetrüger ergaunern 6,7 Millionen Franken allein im Kanton Zürich
Mit dieser dreisten Masche zocken sie ihre Opfer ab

«Ihre Tochter hatte einen Unfall und braucht eine dringende Operation», behaupten Betrüger am Telefon, um Senioren abzuzocken. Mit solchen Schockanrufen ergaunern die Kriminellen gewaltige Summen.
Publiziert: 15.02.2023 um 13:49 Uhr
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Aktualisiert: 16.02.2023 um 10:12 Uhr
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Skrupellos gehen die Betrüger vor: Sie gaukeln Seniorinnen und Senioren vor, dass nahestehende Personen in einen schweren Unfall verwickelt gewesen seien.
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Fabian BabicRedaktor News

6,7 Millionen Franken – so viel Geld haben Telefonbetrüger im Jahr 2022 allein im Kanton Zürich ergaunert. Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer wesentlich höher.

Dabei setzen die Gauner immer häufiger auf eine neue, perfide Masche: Schockanrufe. Dabei wird den Opfern vorgegaukelt, eine nahestehende Person – zum Beispiel der Sohn oder die Tochter – habe einen schweren Unfall verursacht. «Am Telefon geben sich die Betrüger etwa als Polizist oder Spitalmitarbeiter aus. Dann wird entweder eine sofortige Kautionszahlung oder ein Vorschuss für eine dringend notwendige Operation verlangt», sagt Polizeisprecher Florian Frei gegenüber Blick.

Rund 60'000 Franken pro Betrugsversuch

Am Telefon fordern die Kriminellen viel Geld. Bei 111 erfolgreichen Delikten im Jahr 2022 kommt man bei einer Schadenssumme von 6,7 Millionen Franken auf einen Durchschnitt von rund 60'000 Franken pro Fall. Laut Kantonspolizei werden die Betrüger immer reicher: Im Jahr 2021 erbeuteten sie 2,4 Millionen Franken in 60 Fällen.

Die Erfolgsquote ist aber offenbar nicht so hoch: Wie Polizeisprecher Frei auf Anfrage erklärt, sind vergangenes Jahr 3100 Meldungen zu versuchtem Telefonbetrug eingegangen. «Wir gehen davon aus, dass die Zahl der tatsächlichen Betrugsversuche bis zu fünfmal höher ist.»

In erster Linie gehören Seniorinnen und Senioren zum Beuteschema der Betrüger. «Eine Informationsquelle ist das Telefonbuch. Dort suchen die Betrüger nach älter klingenden Vornamen», sagt Frei.

Meist operieren die Gauner aus dem Ausland, was die Ermittlungen für die Schweizer Behörden erschwert. Allerdings gelingen hin und wieder Festnahmen. Hinweise aus der Bevölkerung haben unter anderem dazu beigetragen, dass die Kantonspolizei Zürich Geldübergaben vereiteln und mehrere Abholer verhaften konnte.

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Ein erfolgreicher Schlag gegen ein Telefonbetrüger-Netzwerk im Ausland gelang einer Sonderkommission der Kantons- und Stadtpolizei Zürich im Herbst 2022 in der Türkei: Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft von Izmir in der Westtürkei sind bei einer Razzia mehr als zwei Dutzend Telefonbetrüger verhaftet worden. Die Verhafteten werden verdächtigt, eine grosse Anzahl an Opfern in der Schweiz um viel Geld gebracht zu haben.

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