Mehrere hunderttausend Franken
UBS-Manager zwackt Gelder von Zunft ab

Zürichs Elite ist in heller Aufruhr: Ein Kassier einer Zürcher Zunft soll mehrere hunderttausend Franken veruntreut haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Publiziert: 16.08.2023 um 23:25 Uhr
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Aktualisiert: 17.08.2023 um 12:13 Uhr
Der UBS-Banker Brian D. hat sich offenbar mit beiden Händen an diversen Konten bedient.

Brian D.* ist UBS-Banker in leitender Position, fährt laut der «Weltwoche» Porsche, trägt Rolex und leiste sich einen «angenehmen Lebensstil». Daneben ist er seit Jahren Kassier in der Zürcher Zunft St. Niklaus und im angeschlossenen Reitclub St. Niklaus. Auch im Gewerbeverein Wirtschaftsraum Zürich-Nord betreut er die Kasse. 

Umso grösser der Schock für die Zunft, als bei einer Überprüfung Unregelmässigkeiten auf den Konten festgestellt wurden. Im Klartext: Vom Konto verschwunden sind 100’000 Franken! In einem Schreiben, das die «Weltwoche» publiziert, informiert die Zunft ihre Mitglieder, dass «unser Säckelmeister in grossem Umfang unrechtmässig Gelder abgezogen hat». 

Konto von Zunft leergeräumt

Die Zunft teilt mit, sie werde nun die letzten fünf Vereinsjahre einer externen Prüfung unterziehen. Ziel sei es, die veruntreuten Vermögenswerte zurückzuerhalten. Brian D. sei aus der Zunft ausgetreten und habe bereits einen Teilbetrag zurückerstattet. Offenbar hat er das Konto leergeräumt: Laut dem Schreiben ist die Zunft «zahlungs- und handlungsunfähig». 

Auch im Reitclub St. Niklaus fehlt Geld – und das nicht zu knapp. Die Newsseite Zürich24 zitiert aus dem Schreiben, in dem die Mitglieder informiert werden: «Leider muss ich Euch mitteilen, dass wir in der Kasse des RCSNZ kein Geld mehr haben. Unsere gesamten Ersparnisse auf dem Postkonto und dem ZKB Konto, total ca. Fr. 100'000.-, sind von unserem Kassier während den letzten Jahren veruntreut worden.» 

Neben der Zunft seien noch zwei weiterer Organisationen betroffen: der Serviceclub Kiwanis Oerlikon und der Gewerbeverein Wirtschaftsraum Zürich-Nord. 

«Persönliche Enttäuschung umso grösser»

Der Präsident des betroffenen Gewerbevereins, Christian Huser, sagt gegenüber Zürich 24: «Wenn man eine Person so lange kennt, ist die persönliche Enttäuschung umso grösser.» Der beschuldigte Banker soll schon vor über 20 Jahren im Gewerbeverein Oerlikon engagiert gewesen sein. 

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Der Gewerbeverein – Schadenssumme über 100’000 Franken – habe Strafanzeige eingereicht, die Staatsanwaltschaft ermittle unterdessen. 

Erst im Mai sorgte der Fall des Quartiervereins Witikon für Schlagzeilen. Nach dem Tod des Kassiers wurde festgestellt, dass er mehr als 100’000 Franken veruntreut hatte. (neo) 

*Name bekannt

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