Darum gehts
- Zehn Dscheladas im Zoo Zürich zur Populationskontrolle tierschutzkonform getötet
- Kein Platz in anderen Zoos, Forschung nutzt Organe der Tiere
- Aktuell 38 Dscheladas im Zoo, globale Bestände etwa 30’000 Tiere
Zehn Dscheladas wurden im Zoo Zürich aus populationsregulierenden Gründen getötet. Die Tiere, die in der Anlage des Semien-Gebirges lebten, wurden nach sorgfältiger Auswahl euthanasiert, um Konflikte innerhalb ihrer sozialen Gruppen zu verringern und die langfristige genetische Stabilität der Population zu sichern.
Die Dscheladas, auch als Blutbrustpaviane bekannt, leben in Haremsgruppen, die sich zu Clans zusammenschliessen. Im Zoo Zürich beherbergt der Clan aktuell 38 Tiere nach der gezielten Entnahme von zehn Individuen. Vor der Massnahme kam es durch die Grösse der Gruppe zunehmend zu Spannungen und Kämpfen, die das Wohl der Tiere gefährdeten.
Die Zucht spielt eine zentrale Rolle
«Eine solche Gruppendynamik wirkt sich immer negativ auf das Wohl aller Tiere aus und darf kein Dauerzustand sein. Gleichzeitig liegt es in unserer Verantwortung, zur langfristigen genetischen Stabilität der Population der Dscheladas in der europäischen Zoogemeinschaft beizutragen. Das geht nur, wenn die Zucht zugelassen wird», erklärt Zoodirektor Severin Dressen.
Die Zucht spielt dabei eine zentrale Rolle. Ohne Nachwuchs verlieren die Dscheladas nicht nur ein essenzielles Grundbedürfnis, sondern auch die Stabilität ihrer komplexen sozialen Strukturen. Zudem sichert die kontrollierte Fortpflanzung den Bestand der Tiere im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), das sich gegen die Überalterung und den Rückgang von Tierpopulationen in Zoos einsetzt. Eine Abgabe der Tiere an andere Zoos wurde gründlich geprüft.
Die Euthanasie erfolgte tierschutzkonform
Bereits im Herbst 2025 konnten sechs Dscheladas erfolgreich vermittelt werden. Für weitere Tiere fanden sich jedoch keine geeigneten Plätze, weshalb die Tötung als letzter Ausweg blieb. Dabei wurden ausschliesslich Tiere ausgewählt, die keinen Beitrag zum Erhalt der Gesamtpopulation leisten konnten.
Die Euthanasie erfolgte tierschutzkonform: Die Tiere wurden zunächst betäubt und anschliessend schmerzlos getötet. Dscheladas sind in ihrem natürlichen Lebensraum, dem Hochland Äthiopiens, zunehmend bedroht. Zwar gelten sie laut der Roten Liste der IUCN noch als nicht gefährdet, doch der Bestand von rund 30’000 Tieren im Simien-Mountains-Nationalpark ist stark rückläufig. Landwirtschaft und Bevölkerungswachstum setzen den letzten Rückzugsgebieten der Tiere zu.
«Eine Euthanasie von Tieren erfolgt nie grundlos»
Über 60 Prozent der weltweiten Population lebt heute in diesem Nationalpark, der stark unter Druck steht. Die vom Zoo Zürich getöteten Tiere wurden der Forschung übergeben. Ihre Körper und Organe wie Hoden, Zähne oder Magen-Darm-Trakt werden für nationale und internationale Studien verwendet.
Dressen betont, dass solche Entscheidungen nie leichtfertig getroffen werden: «Eine Euthanasie von Tieren erfolgt nie grundlos, sondern aus sehr bedachten und notwendigen Überlegungen zum Erhalt von Populationen. Selbstverständlich ist aber nachvollziehbar, wenn die Tötung von 10 Dscheladas im ersten Moment aus einer emotionalen Sicht wenig verständlich ist.
Als Naturschutzorganisation sehen wir es aber auch als unsere Aufgabe und Verantwortung, das Thema proaktiv anzugehen, transparent in der Öffentlichkeit zu vermitteln und über die Gesamtzusammenhänge aufzuklären.»