Rund 100'000 Schönheitsoperationen gibt es in der Schweiz pro Jahr – Tendenz steigend (SonntagsBlick berichtete). Auch die Nachfrage nach Schamlippenkorrekturen nimmt stark zu. Die Zürcher Chirurgin Eva Neuenschwander steht SonntagsBlick Red und Antwort.
Wie viele Frauen lassen sich in der Schweiz die Schamlippen operieren?
Eva Neuenschwander: Genaue Zahlen gibt es nicht. Aber ich gehe davon aus, dass in der Schweiz jährlich mehrere Hundert oder gar über tausend Schamlippenkorrekturen gemacht werden. Ich persönlich führe pro Jahr mittlerweile rund 80 solcher Eingriffe durch. In den vergangenen Jahren hat die Zahl jeweils um etwa zehn Prozent zugenommen.
Worauf führen Sie die zunehmende Nachfrage zurück?
Der wichtigste Grund ist sicher, dass wir in der Schweiz in einer wirtschaftlich sehr guten Situation leben. Sprich: Die Leute können sich einen solchen Eingriff leisten. Junge Frauen kennen zudem weniger Tabus, wenn es um den eigenen Intimbereich geht. Und weil durch das Internet Nacktbilder von anderen Frauen einfacher zugänglich sind, wird mehr verglichen. Dieser Effekt wird noch verstärkt dadurch, dass heutzutage die meisten Frauen im Intimbereich rasiert sind.
Ist der Wunsch, im Intimbereich der Norm entsprechen zu wollen, nicht bedenklich?
Es geht eher darum, dass die Frauen unbeschwert sein wollen. Nicht jede Schamlippenkorrektur erfolgt aus ästhetischen Gründen. Ein Drittel der Operationen wird bei Frauen gemacht, die Beschwerden haben. Bei einem weiteren Drittel ist es eine Mischung aus optischen Gründen und Beschwerden. Nur etwa jede dritte Frau hat rein ästhetische Motive für einen Eingriff.
Was für Beschwerden sind das?
Zu viel Gewebe im Schritt kann eine Frau im Alltag behindern. Grosse innere Schamlippen können sich bei enger Kleidung, beim Fahrradfahren und Reiten wund reiben sowie zu Problemen beim Sex führen. Zudem: Auch Frauen, die sich aus optischen Gründen operieren lassen, machen das nicht aus Spass. Diese leiden oft seit der Pubertät, trauen sich nicht in die Badi, meiden öffentliche Duschen – sie sind eben nicht unbeschwert.
Wie alt sind die Frauen, die zu Ihnen kommen?
Die grösste Gruppe sind die 30- bis 40-Jährigen, die sich nach einer Geburt die Kontur der inneren Schamlippen wieder herrichten lassen. Es kommen aber auch viele junge Frauen. Und über 50-Jährige.
Andere Chirurgen sagen, dass sich bereits 16-Jährige eine Schamlippenkorrektur wünschen.
Ich selbst habe eher wenige ganz junge, minderjährige Patientinnen. Das könnte daran liegen, dass ich in Social Media kaum aktiv bin. Aber ja, es kommt tatsächlich vor, dass sich 16-Jährige eine Schamlippenkorrektur wünschen – mit Einwilligung der Eltern.
Operieren Sie auch Minderjährige?
Ja, sofern das Mädchen wirklich leidet. Etwa weil es Brüste hat, die fast bis zu den Leisten reichen. Operationen im Intimbereich versuche ich aber hinauszuzögern. Ich will sichergehen, dass die Patientinnen den Eingriff nicht bereuen.
Unter welchen Umständen lehnen Sie eine Operation ab?
Wenn eine Patientin einen Eingriff wünscht, der nur eine minimale Änderung bewirken würde. In fünf bis zehn Prozent der Fälle sage ich deshalb Nein.