Bis zu 74 Todesfälle
Unispital Zürich bestätigt schwere Fehler in der Herzchirurgie

Schwere Fehler in der Herzchirurgie des Unispitals Zürich: Zwischen 2016 und 2020 starben über 70 Patienten unnötig. Ein Bericht deckt Führungsversagen und Interessenkonflikte auf.
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Das Universitätsspital Zürich untersucht Todesfälle der Herzklinik in den Jahren 2016 bis 2020.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das Zürcher Unispital überprüfte Todesfälle von 2016 bis 2020 in der Herzchirurgie
  • Bericht zeigt 70 zusätzliche Todesfälle wegen schwerer Fehler und Mängel
  • Zwischen 2014 und 2020 wurden 4500 Eingriffe mit erhöhter Sterblichkeit durchgeführt

Das Zürcher Unispital (USZ) hat entschieden, alle Todesfälle in der Herzchirurgie in den Jahren 2016 bis 2020 zu überprüfen. Es hat dafür eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. In diesen Jahren war Francesco Maisano Leiter der Klinik. Nun informierte die eingesetzte Taskforce über die Untersuchungsergebnisse.

Wie die Verantwortlichen in einem 216-seitigen Bericht bekannt geben, ereigneten sich insgesamt 70 Todesfälle zu viel. Das Unispital bestätigte damit schwere Fehler in der Herzchirurgie. 

Für den Zeitraum von 2016 bis 2020 sei es zu verschiedenen Mängeln sowie Fehlentwicklungen gekommen. 

Überhöhte Mortalität

Zentrale Erkenntnis ist eine statistisch nachgewiesene Übermortalität: Zwischen 2014 und 2020 wurden rund 4500 Eingriffe durchgeführt. Im Vergleich mit ähnlichen Einrichtungen zeigt sich eine statistisch erhöhte Sterblichkeit, die auf etwa 68 bis 74 zusätzliche Todesfälle hindeutet. Anders ausgedrückt hätten über 70 Patienten bei vergleichbaren Bedingungen an anderen Schweizer Kliniken vermutlich überlebt. Zudem nahmen die Experten 307 Todesfälle genauer unter die Lupe. In 11 Fällen galt der Tod als unerwartet, in weiteren 64 Fällen als eher nicht zu erwarten.

Maisano war an der Entwicklung mehrerer Implantate selbst beteiligt. Insgesamt kamen solche neuartigen Produkte in 59 Fällen bei Herzoperationen zum Einsatz. In 13 dieser Eingriffe bewerteten die Experten die Anwendung jedoch als nicht gerechtfertigt. Nach Einschätzung der Prüfer wären in diesen Situationen herkömmliche chirurgische Verfahren für die Patientinnen und Patienten voraussichtlich die bessere Wahl gewesen. Maisano profitierte finanziell an der Vermarktung dieser Implantate. 

Gemäss Mitteilung hat der Spitalrat beschlossen, insgesamt 24 Fälle an die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich weiterzuleiten. Dabei handelt es sich um 11 Todesfälle, die als nicht erwartbar eingestuft wurden, sowie um 13 Eingriffe, bei denen Implantate unangemessen eingesetzt worden sein sollen. Die Strafverfolgungsbehörden sollen zudem prüfen, ob wirtschaftliche Interessen bei der Entscheidung für den Einsatz bestimmter Medizinprodukte eine Rolle gespielt haben.

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