Auf dem Grund des Zürichsees
Bauschutt entpuppt sich als Silberschatz

Vor bald 20 Jahren entdeckte ein Berufsfischer im Zürichsee ein Schiffswrack. Durch ein Unglück blieb es jedoch jahrelang unauffindbar – bis es letztes Jahr von Tauchern gefunden wurde. Doch es ist kein gewöhnliches Wrack.
Publiziert: 05.01.2024 um 18:16 Uhr
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Aktualisiert: 06.01.2024 um 09:28 Uhr
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Ein hundert Jahre altes Schiffswrack wurde am Boden des Zürichsees zwischen Richterswil und Bäch gefunden.

Es war im Jahr 2005, als der Berufsfischer Fritz Hulliger vor Richterswil ZH seine Netze einholte. Doch sein Anker verfing sich in 25 Metern Tiefe und Hulliger verlor ihn auf dem Seegrund. Als sein Freund Adelrich Uhr den Anker bergen will, macht er eine Entdeckung: Der Anker hat sich in einem rund hundert Jahre alten hölzernen Ledischiff auf dem Seegrund verfangen. Dies berichtet die «Zürichsee-Zeitung».

Einige Jahre später will Uhr zurück zum Schiffswrack – denn mit dem Verein Swiss Archeodivers und dem Einverständnis der kantonalen Ämter erforscht er inzwischen Wracks im Zürichsee. Doch ein Unfall kommt ihm dazwischen. 

Ein Ausbildungsboot rammt das Boot des Fischers Hulliger. Er verletzt sich schwer, sein Boot und das GPS-Gerät mit den gespeicherten Koordinaten der Wrackstelle erleiden Totalschaden. Aufgrund falsch notierter Zahlen taucht Hobbytaucher Uhr vergeblich nach dem gesunkenen Transportschiff.

Silberschatz im Wert von 23'000 Franken

Erst im vergangenen Jahr wurde das Wrack wiederentdeckt. Ein Taucherkollege von Uhr, Benno Schüpfer, registriert mit dem Sonargerät seines Bootes ein Objekt auf dem Seegrund. Beim ersten Tauchgang weiss Uhr: Es ist das Ledischiff, das er vor 18 Jahren erstmals gefunden hatte.

Doch es gibt noch eine weitere Überraschung: Bei den vermeintlichen Kieshaufen an Bord des Wracks handelt es sich um Schlacke, die vermutlich aus einem Hochofen stammt. Dies ergab eine Analyse von Proben der Ladung in einem Labor in Urdorf. Es sind somit Verbrennungsrückstände, die bei der Herstellung von Roheisen entstehen.

Die Analyse der chemischen Zusammensetzung der Schlacke ergab einen Anteil von 0,5 Gramm Silber pro Kilogramm. Hochgerechnet auf die Ladung von rund 70 Tonnen entspricht dieser Anteil 35 Kilogramm Silber: ein Wert von rund 23'000 Franken. Der Haken: Das Silber müsste erst aus der Schlacke extrahiert werden, wie es Kehrichtverbrennungsanlagen tun. Weil das zu teuer wäre, bleibt das Wrack samt Schatz auf dem Seegrund liegen, wie Uhr der «Zürichsee-Zeitung» erklärt.

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Überladung als Ursache des Sinkens?

Die Forschergruppe der Swiss Archeodivers wusste lange Zeit nicht, wann und warum das Schiff gesunken ist. Nach zahlreichen Recherchen und Untersuchungen haben sie heute zumindest eine Vermutung. Hobbyforscher Uhr spekuliert, dass das Ledischiff wegen Überladung gesunken ist. Denn neben 70 Tonnen Schlacke wurden rund 10 Tonnen zerbrochene Bierflaschen gefunden.

Eine dieser Flaschenscherben trägt die Jahreszahl 1922. Das Transportschiff muss also nach diesem Jahr gesunken sein – aber da war es wohl schon alt, denn Segelschiffe ohne Motor waren damals längst ausrangiert. (gs)

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