Friedrich Merz in Zürich: «Herr Merz, hören Sie mal zu!»(01:16)

Anti-Israel-Aktivisten stören Rede von CDU-Chef in Zürich
«Herr Merz, hören Sie mal zu!»

Der mögliche Kanzlerkandidat und CDU-Chef Friedrich Merz hielt an der Universität in Zürich einen Vortrag. Der deutsche Spitzenpolitiker wurde jedoch von Aktivisten gestört.
Publiziert: 17.04.2024 um 12:17 Uhr
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Aktualisiert: 17.04.2024 um 12:38 Uhr
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Friedrich Merz ist seit 2022 CDU-Chef.
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Cécile ReyPraktikantin

Der ehrwürdige Saal, in dem einst Winston Churchill (1874–1965) mit seiner historischen Europarede zum Namensgeber der Vorlesungsreihe wurde, war in den vergangenen Jahrzehnten Bühne für viele bedeutende Persönlichkeiten: Ruth Bader Ginsburg, Henry Kissinger, Helmut Kohl – sie alle hinterliessen ihre Spuren an der Universität Zürich. Am Dienstagabend gab sich Friedrich Merz (68) die Ehre. Der CDU-Bundesvorsitzende teilt mit Churchill eine Vision für Europa: gemeinsam für ein starkes Europa in Frieden, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand.

Rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer warteten bereits eine halbe Stunde vor Beginn geduldig in der Aula der Universität Zürich. Zu spät Kommende mussten sich mit dem Übertragungssaal begnügen. Die vorderen Plätze waren für Ehrengäste reserviert, wie zum Beispiel SP-Ständerat Daniel Jositsch (59) sowie FDP-Präsident und Ständerat Thierry Burkart (48).

Anti-Israel-Plakate während der Rede

Kaum hatte Merz mit seiner Rede begonnen, wurde er auch schon von Aktivisten unterbrochen. Junge Demonstrierende standen auf, den Mund zugeklebt, und hielten Plakate hoch: «Merz hat kein Herz», «Save Gaza» oder «Stop arming Israel». Im Saal wurde getuschelt, jemand stöhnt: «Nicht schon wieder.» Die Stimmung war angespannt, kaum jemand konzentrierte sich auf den Referierenden.

Und Merz? Der zeigte sich unbeeindruckt, sprach ungestört weiter. Die Demonstrierenden verliessen schweigend den Saal, und die Sicherheitskräfte mussten nicht einmal eingreifen.

Der Vorfall zeigt: Merz polarisiert. Nachdem der Politiker zuletzt 16 Jahre von der politischen Bildfläche verschwunden war, kehrte er 2018 zurück – und das mit Erfolg: Merz schaffte es 2022 im dritten Anlauf, CDU-Parteivorsitzender zu werden. Und gemäss aktuellen Umfragen hat Merz gute Chancen auf das Kanzleramt.

Merz konnte über eine Viertelstunde weiterreden, bevor das nächste Störmanöver losging. Eine junge Frau stand auf und richtete sich direkt an den CDU-Chef. Ihre Worte gingen im Wirrwar und Klatschen unter – und auch Merz schien sie nicht zu beachten. Ein älterer Herr versuchte es: «Herr Merz, hören Sie mal zu!» Doch auch dieser Appell verebbte im Lärm. Der Herr verliess den Saal widerstandslos und nachdem auch der letzte Aktivist den Saal verlassen hatte, war das Publikum deutlich geschrumpft. Aber Merz konnte sein Referat beenden.

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Eine Bahnhofsuhr für den deutschen Gast

Und wie bei jeder Vorlesung der Europa-Reihe endete der Abend mit einem Verweis auf den guten, alten Churchill: Zwar setzte der ehemalige britische Premierminister sein Leben lang auf eine Taschenuhr, doch als Dankeschön für seinen Vortrag erhielt Merz eine Schweizer Bahnhofsuhr vom Schlussredner überreicht. Eine Anspielung auf die Deutsche Bahn sei das jedoch nicht. Das Publikum lacht, alle sind zufrieden – und die Aktivisten vergessen.

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