Goldhändler vertreibt Räuber: «Von Tränengas bis Peitsche hab ich jetzt alles da»(02:02)

Alexander Kreuz (40) in seinem Gold-Stübli in Adliswil ZH von Räuber mit Machete bedroht – am Montag Prozess gegen Tarik C. (26)
«Mit diesem Besen schlug ich ihn in die Flucht!»

Am Montag steht in Horgen ZH der Kaufmann Tarik C. (26) vor Gericht. Laut Anklage soll er in Adliswil ZH das Gold-Stübli ausgeraubt oder den Raub mitgeplant haben. Doch er kam nicht weit. Denn: Inhaber Alexander Kreuz (40) machte mit ihm kurzen Prozess.
Publiziert: 02.07.2022 um 04:11 Uhr
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Aktualisiert: 04.07.2022 um 16:41 Uhr
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Alexander Kreuz (40) vom Gold-Stübli in Adliswil ZH zeigt Blick, wie er mit dem Besen auf den Räuber einschlug.
Viktor Dammann und Ralph Donghi

Alexander Kreuz (40) sitzt am Empfangstisch seines Gold-Stübli in Adliswil ZH und erledigt die Post. «Ich bin gleich für das Gespräch bereit», sagt er. Seit über drei Jahren seine Spezialität: An- und Verkauf von Gold, Silber, Diamanten, Uhren und Schmuck. Noch nie sei er überfallen worden, beginnt Kreuz zu erzählen. Dann wird seine Miene düster. «Bis zum 26. September 2020, als plötzlich ein Kunde eine Machete aus der Tasche zog. Da dachte ich, der bringt mich um.»

Dabei verläuft jener Samstag für Kreuz wie immer gut. Er kriegt noch einen Anruf von einem Kunden, der ihm zwei Rolex-Uhren, zwei Goldketten und ein Goldvreneli verkaufen will. «Er sprach perfekt Schweizerdeutsch», erinnert sich der Goldhändler. Da es der Kunde nicht vor Ladenschluss ins Geschäft geschafft hätte, habe er für ihn extra überzogen.

Räuber soll Riesencoup geplant haben

Was Kreuz da nicht ahnt: Der Kunde soll Tarik C.* (26) sein. Und der Kaufmann aus Zürich soll einen Riesencoup geplant haben und will – offenbar mit einem Komplizen – das Gold-Stübli überfallen.

Schliesslich geht C. mit einer schwarzen Schutzmaske, schwarz angezogen und mit einer Tasche ins Gold-Stübli. «Haben wir telefoniert?», habe er den Mann gefragt, sagt Kreuz. Dieser bejaht kurz – dann passiert es. «Er hob die Tasche hoch und zog eine Machete raus», sagt Kreuz. Die Klinge ist 28 Zentimeter lang. Dann habe er in gebrochenem Deutsch gesagt: «Überfall, wo isch Tresor?»

Kreuz wirft Sachen in Richtung Räuber

Er habe Panik bekommen, so Kreuz. Er schreit nach der Polizei und wirft alles in Richtung Räuber, was ihm in die Hände kommt. «Kerzenständer, Schmuckkisten, Werkzeug.» Er habe zudem ein Regal umgeworfen. Und: «Ich rannte in die Küche, griff nach dem ersten Besen, ging zurück und schlug mit dem Stiel zweimal auf ihn ein.»

Der Gangster hat offenbar genug. Er schnappt sich noch einen auf dem Tresen liegenden, glitzernden Modeschmuckstein. «Er dachte wohl, es sei ein wertvoller Brillant», sagt Kreuz. Dann haut der Räuber ab. Später wird er gefasst.

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Muss C. 18 Monate in den Knast?

Am Montag steht C. nun in Horgen ZH vor Gericht. Er ist wegen Raub und strafbaren Vorbereitungen für einen weiteren Raub angeklagt – den zweiten soll er mit einem ebenfalls angeklagten Polen (30) geplant haben. Der Staatsanwalt will für C. 18 Monate Gefängnis unbedingt fordern. Er lässt jedoch offen, ob der Überfall auf das Gold-Stübli am Ende von C. oder einem unbekannten Mittäter ausgeführt wurde.

Kreuz ist «sehr gespannt» auf das Urteil. «Ich weiss, dass andere nicht so reagiert hätten wie ich», ergänzt er. «Doch es war mehr als Notwehr.» Er habe nach dem Vorfall Diabetes wegen dem Schock bekommen, erzählt der Goldhändler. Wenn er nachts irgendwo laufe, habe er immer noch das Gefühl, dass jemand hinter ihm sei. Zu seinem Schutz habe er im Laden weitere Verteidigungs-Utensilien bereitliegen. «Für den nächsten Räuber, der kommen würde, sähe es nicht gut aus.»

* Name geändert

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