Massenkündigung wegen «Totalsanierung» in Kriens LU
Pensionskasse wirft 97 Mieter raus!

In Kriens LU stellt eine Pensionskasse ihre Mieter auf die Strasse. 97 Parteien sind von der Massenkündigung betroffen. Im Treppenhaus fliessen die Tränen. Einige Mieter sind schon ihr halbes Leben hier, andere zogen erst gerade ein.
Publiziert: 04.02.2020 um 22:49 Uhr
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Aktualisiert: 05.02.2020 um 12:35 Uhr
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Josef Portmann (73) muss sich eine neue Bleibe suchen.
Anian Heierli

Die Bewohner der Liegenschaft Brunnmattstrasse 18-18b / 20-20a in Kriens stehen vor einem Scherbenhaufen. Die Pöstlerin klingelt am letzten Donnerstag bei jeder der insgesamt 97 Wohnungen und bringt die eingeschriebene Kündigung. Es fliessen Tränen im Treppenhaus.

Der Grund für die Massenkündigung: Die 40 Jahre alten Wohnblöcke werden total saniert. Alle Mieter müssen bis Ende Juni raus. Die Hiobsbotschaft kommt ohne Vorwarnung. «Die Gebäude sind gut instand», sagt Anwohner Josef Portmann (73) zu BLICK. Seine Frau Agathe (77) und er gehören zu den Erstmietern.

Rendite statt Rentner

Seit sie 1979 einzogen sind, wurde viel gemacht. Die Aufzüge im Treppenhaus sind erst vier Jahre alt. Fassade, Fenster, Isolation und Balkone wurden 2008 modernisiert. Rentner Portmann nimmt kein Blatt vor den Mund: «Hier ist nichts baufällig. Doch seit zwei Jahren gehören die Gebäude der Pensionskasse Previs. Die wollen teurere Wohnungen bauen.» Er ist wütend: «Denen geht es doch nur um die Rendite!»

Für ihre 4½-Zimmer-Wohnung zahlen die Portmanns 1263 Franken. Für den Rentner ist klar: «Zu diesem Preis finden wir nichts Vergleichbares.» Er ist sich sicher: «Das gibt Sozialfälle.» Andere im Haus seien finanziell schlimmer dran.

Besonders hart betroffen von den Umbauplänen der Pensionskasse sind die Rentner. Auch Frieda Zemp (82) gehört zu den Erstmietern. Sie lebt in einer 3½-Zimmer-Wohnung. «Letztes Jahr war die Hausverwaltung bei mir», erinnert sie sich. «Sie machten überall Fotos. Ich dachte schon, jetzt gibt es eine neue Küche.» Was sie nicht ahnte: Es ging wohl um die Sanierung.

Kündigung war an verstorbenen Mann adressiert

Die Kündigung sei für sie ein doppelter «Stich ins Herz» gewesen. «Sie war an meinen Mann adressiert. Dabei ist er vor zwei Jahren gestorben.» Zemp ist klar, dass sie mit 82 Jahren kaum noch eine Wohnung findet. «Dabei bin ich seit 1957 in Kriens.» Leise sagt sie: «Ich will hier nicht weg.»

Trost findet Zemp bei ihrer Katze (20) und bei Bastelarbeiten. Stolz präsentiert die Rentnerin ihre selbst gemachte Fasnachts-Deko. «Basteln ist mein Hobby. Aber dafür brauche ich Platz.» Ihre Nachbarin Sihan Ali (33) hat das Gefühl, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Während ihr Mann arbeitet, kümmert sie sich um die beiden Söhne Julian (4) und Keywan (3).

Erst im Oktober eingezogen – ohne Vorwarnung

«Wir sind erst im Oktober eingezogen, ohne vorgewarnt zu werden», sagt sie. «Letzte Woche kam dann plötzlich die Kündigung.» Sie fragt sich: «Wer tut so etwas?» 1730 Franken zahlt die Familie für ihre 4½-Zimmer-Wohnung inklusive Parkplatz. Mutter Ali betont: «In Kriens etwas für diesen Preis zu finden, ist schwierig. Dabei habe ich meinen Sohn gerade erst für den Kindergarten angemeldet.»

Auch Anwohnerin Romy Gautschi (65) fühlt sich betrogen: «Ich zog auf den 1. November 2019 in ein höheres Stockwerk. Meine alte Wohnung hat man sofort weitervermietet.» Sie stellt klar: «Den Umzug hätte ich mir sparen können. Ich fühle mich hintergangen. So was macht man doch nicht.» Vor dem Haus steht Dave Büttler (44), er ist wütend: «Ich wende mich an die Gemeinde. Meine Mutter lebt hier. Ich kämpfe für sie.»

Schwammige Ausführung der Verwaltung

Die Verwalterin schreibt im Brief an ihre Mieter: «Sowohl der Eigentümerschaft als auch uns von der Bewirtschaftung ist bewusst, dass die Kündigung einer Wohnung zwangsläufig Ungewissheit mit sich bringt. Daher ist es uns ein Anliegen, Sie in dieser Situation bestmöglich zu unterstützen.» Wie diese «Unterstützung» aussieht, ist unklar.

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Eine BLICK-Anfrage liess die Privera unbeantwortet. Man wolle heute kommunizieren. Auch die Eigentümerin Previs Vorsorge will sich erst heute äussern.

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