«Transport wäre sehr teuer»: So sieht der Lastwagen von innen aus(01:04)

Seit drei Jahren steht er hier
Geister-Lastwagen sorgt in Gondo VS für Ärger

Wenige Meter vor der Grenze zu Italien bei Gondo VS steht seit über drei Jahren ein Lastwagen. Der Gemeindepräsident würde diesen gerne entsorgen lassen. Aber das ist schwerer als gedacht. Ausserdem stellt sich die Frage nach der Übernahme der Kosten.
Publiziert: 02.07.2023 um 19:59 Uhr
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Aktualisiert: 03.07.2023 um 10:08 Uhr
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Ein Problem ist, dass der Lastwagen anderen Fahrzeugen einen Stellplatz wegnimmt.
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Martin MeulReporter News

Auf den ersten Blick, beim schnellen Vorbeifahren, lässt wenig darauf schliessen, dass mit dem Lastwagen etwas nicht stimmt. Er steht ordnungsgemäss in einem Stauraum kurz vor der italienischen Grenze bei Gondo VS.

Der Lastwagen steht gerade noch so auf Schweizer Boden.

Der zweite Blick aber zeigt: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Denn der Lastwagen hat keine Kontrollschilder, die Scheibenwischer sind kaputt, an den Reifen hängen Spinnweben. Wer regelmässig über den Simplonpass nach Italien fährt, dem ist der Geisterlastwagen schon aufgefallen. Denn das Fahrzeug steht seit sage und schreibe über drei Jahren im Stauraum an der Grenze! Ein «Geisterlastwagen».

Ein Ärgernis für alle Beteiligten

Seitdem der Lastwagen bei Gondo steht, sorgt das Fahrzeug einerseits für Rätselraten – und für Ärger andererseits. «Es ist mir schleierhaft, warum jemand seinen Lastwagen einfach so stehen lässt», sagt der Schweizer Chauffeur Damien* zu Blick. Damien fährt oft über den Simplonpass nach Italien und zurück, kennt den Geisterlastwagen bestens. «Es geht immerhin um ein Fahrzeug, das neu bis zu 200'000 Franken kostet.»

Doch der Lastwagen gibt nicht nur Anlass für Spekulationen. Er gibt auch Anlass für Ärger. «Ganz einfach gesagt, nimmt er unnötigerweise einen Stellplatz weg», sagt Damien.

Für Daniel Squaratti (39), Gemeindepräsident von Gondo-Zwischbergen VS, ist der Lastwagen ebenfalls ein Problem. Squaratti würde das Fahrzeug gerne entfernen lassen, aber das ist nicht so einfach.

Halter hat Fahrzeug nicht aufgegeben

Das Problem ist, dass der Halter des Fahrzeugs, eine Spedition in Nordmazedonien, den Lastwagen bislang nicht offiziell aufgegeben hat. Seit Herbst 2021 wissen die Behörden, wem der Lastwagen gehört. «Die letzte Information seitens der Spedition war, dass das Fahrzeug einen Motorschaden hat und dass man sich darum kümmern werde», sagt Squaratti.

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Aufgrund dieser Ausgangslage kann das Fahrzeug nicht einfach abgeschleppt werden. Dazu bräuchte es eine richterliche Verfügung, die die Gemeinde in die Wege leiten müsste. Neben dem Umstand, dass sich ein solches Verfahren lange hinziehen kann, stünde dann auch die Übernahme der Kosten für die Entsorgung des Lastwagens zur Debatte. Der Transport nach Brig-Glis über den Simplonpass mit einem Spezialfahrzeug wäre sehr teuer, hinzu kämen noch die Kosten für die effektive Verschrottung des Lastwagens.

Geld, das Gemeindepräsident Squaratti nur ungern ausgeben würde. «Unsere Bevölkerung leidet ohnehin schon stark unter dem Schwerverkehr, der durch das Dorf rollt. Wenn wir jetzt noch Geld ausgeben müssen, um ausländische LKWs zu entsorgen, kommt das nicht gut an.»

«Skurriler Fall»

So stellt sich die Frage, ob es im Falle des Lastwagens Hilfe aus Bundesbern gibt, steht das Fahrzeug immerhin auf einem Stellplatz des Bundes. Seitens des Bundesamtes für Strassen Astra heisst es auf Anfrage von Blick: «Wir verfügen über keine polizeilichen Hoheiten und können ein Fahrzeug nicht eigenmächtig abschleppen oder entsorgen.» Wenn das Fahrzeug dann effektiv abgeschleppt werden könne, stehe das Astra aber selbstredend unterstützend zur Verfügung. «Zuverlässige Angaben über den Zeitpunkt und die Kosten eines allfälligen Abschleppens können aus unserer Sicht momentan keine gemacht werden.»

So bleibt Gemeindepräsident Daniel Squaratti vorerst nur die Hoffnung, dass der Halter sein Fahrzeug doch noch wieder flott machen lässt. Das aber scheint unwahrscheinlich. Denn die Kontrollschilder des Fahrzeugs sind verschwunden, die Fahrerkabine ist nicht abgeschlossen. «Es handelt sich da in der Tat um einen etwas skurrilen Fall», heisst es denn auch vom Bundesamt für Strassen.

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