Leiche im Eis entdeckt
Jetzt spricht der Bergsteiger nach Grusel-Fund auf Stockji-Gletscher

Zwei französische Bergsteiger entdecken am Stockji-Gletscher im Wallis eine Leiche. Jetzt erzählt einer der Berggänger, wie er den Leichenfund erlebte.
Publiziert: 08.08.2022 um 16:12 Uhr
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Aktualisiert: 08.08.2022 um 17:44 Uhr
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Bergsteiger Luc Lechanoine hat die Leiche am Stockji-Gletscher entdeckt.
Sven Ziegler

Es war ein gruseliger Fund, den zwei Bergsteiger auf dem Stockji-Gletscher bei Zermatt VS Ende Juli machten. Sie finden eine Leiche, das vom Eis freigegeben wurde. Die Identifizierung ist noch im Gange.

Dass die Männer da oben auf dem Gletscher eine Leiche finden würden, hätte sich Bergsteiger Luc Lechanoine (55) niemals vorstellen können. Er berichtet, wie der Zufallsfund genau abgelaufen ist.

«Ich und mein Bergsteiger-Partner Vincent waren auf dem Gletscher auf einer mehrtägigen Tour unterwegs. Am Tag des Leichenfundes waren wir auf dem Abstieg zur Schönbielhütte. Es war die zweitletzte Etappe, am nächsten Tag planten wir den Abstieg nach Zermatt», sagt Lechanoine zu Blick.

«Mir war etwas mulmig»

Auf einem Stein hätten sie dann mehrere farbige Dinge entdeckt. «Uns war klar, dass diese Dinge keinen natürlichen Ursprung haben. Deshalb haben wir uns entschieden, diese Gegenstände genauer unter die Lupe zu nehmen. Also sind wir hinuntergestiegen, auch um herauszufinden, ob dort noch ein Mensch ist und ob wir diesem helfen können.»

Beim Abstieg habe er sich vor allem auf den Weg konzentriert. Viel Zeit zum Nachdenken habe er nicht gehabt. «Aber klar, in solchen Situationen hat man immer ein mulmiges Gefühl», sagt Lechanoine. Er habe sich überlegt, was ihn dort unten erwarte. «Natürlich denkt man dabei auch an eine Leiche.» Angst habe er keine gehabt. Etwas flau im Magen sei ihm aber schon gewesen.

Zuerst fanden sie Gepäck, das aus dem Eis herausragte – und in der Nähe schliesslich eine Leiche. «Wie lange diese Person dort schon lag, wissen wir nicht», sagt Lechanoine. Er vermutet, aufgrund der Kleider könnte die tote Person rund 30 bis 40 Jahre im Gletscher verschollen gewesen sein. «Die Kleider waren neonfarben und im Stil der 80er-Jahre.» Die Leiche sei mumifiziert und leicht beschädigt gewesen, «aber immer noch komplett.»

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«Der Tod gehört bei solchen Sportarten dazu»

Sie hätten sich entschieden, die Polizei nicht zu alarmieren, sondern den Abstieg fortzusetzen, erzählt der Bergsteiger. «Ein Notruf hätte nichts gebracht – der Person war offensichtlich sowieso nicht mehr zu helfen.»

Nach dem erfolgreichen Abstieg gingen Lechanoine und sein Bergsteiger-Partner zur Polizei in Zermatt. «Wir haben ihnen das Foto der Leiche gezeigt und auf einer Karte aufgezeigt, wo sie genau liegt. Für die ortskundigen Bergführer und Rettungskräfte war es dann kein Problem, diese zu orten.» Die Leiche habe sich am unteren Ende des Gletschers befunden, allerdings abseits des Weges.

Bei der Bergung selbst war das Bergsteiger-Duo dann nicht mehr dabei, sagt Lechanoine. Der Leichenfund sei speziell gewesen, sagt er. «Aber der Tod gehört bei solchen Sportarten wie dem Bergsteigen einfach dazu. Man lernt, damit umzugehen.» Nun hoffe er, dass die Person bald identifiziert werde – «und so die Angehörigen von der Ungewissheit erlöst werden».

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