Flucht vor dem Infraschall: Jean-Michel Baeriswyl (59) zeigt seinen Schlafplatz(01:09)

Kopfwehepidemie wegen Infraschall in Aproz VS
Jean-Michel Baeriswyl flüchtet über Nacht in sein Auto

Seit vier Jahren schläft Jean-Michel Baeriswyl nicht mehr zu Hause. Stattdessen übernachtet er ganz allein in der Natur. Ist Infraschall für das Leiden des 59-Jährigen verantwortlich?
Publiziert: 07.09.2023 um 00:18 Uhr
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Aktualisiert: 07.09.2023 um 09:31 Uhr
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Die Natur ist wichtig für Jean-Michel Baeriswyl. Nur hier kann er etwas zur Ruhe kommen. Jeden Abend fährt er mit seinem Auto zu einem von mehreren Schlafplätzen.
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Martin MeulReporter News

Seltsames geht vor in einem Quartier in Aproz VS. Mehrere Bewohner leiden seit längerem unter unerklärlichen Kopfschmerzen, verspüren Ohrensausen oder allgemeines Unwohlsein. Als Erstes berichtet «Le Matin Dimanche» über ein mysteriöses Brummen und Virbrieren, das der Grund für die Beschwerden der Quartierbewohner sein soll.

Als Auslöser für die Misere wird eine Infraschallquelle im Quartier vermutet, die Frequenzen im eigentlich für Menschen nicht hörbaren akustischen Bereich produziert. Zum Beispiel eine Wärmepumpe. Der nicht hörbare Schall konnte grundsätzlich zwar nachgewiesen werden. Allerdings konnten weder externe Experten noch Fachleute des Kantons Wallis die Infraschallquelle finden. Heisst: Das Leiden der Quartierbewohner geht weiter.

Im Auto schlafen

Der Kanton Wallis hat seine Ursachenforschung inzwischen aufgegeben. Doch für Betroffenen ist die Sache damit längst nicht erledigt. «Le Matin Dimanche» berichtet von einer Frau, die weggezogen ist, um der «Lärmbelästigung» zu entgehen.

Auch für Jean-Michel Baeriswyl (59) ist das Leben nicht mehr wie vorher. Er muss ebenfalls sein Haus verlassen. Nicht für immer, dafür jeden Tag.

Baeriswyl steht vor seiner 7-Zimmer-Villa. «Ich liebe das Haus, aber seit vier Jahren kann ich einfach nicht mehr länger als ein paar Stunden hier sein», sagt er zu Blick. Schon länger leider er an einem Tinnitus. Seit die Belastung mit dem Infraschall begonnen hat, wurde sein Leben auf den Kopf gestellt. «Ich kann nicht mehr arbeiten, nicht mehr schlafen, es ist unglaublich frustrierend.» Damit er wenigstens in der Nacht etwas zu neuen Kräften kommt, entschloss sich der ehemalige Beamte vor vier Jahren zu einem extremen Schritt. Jeden Abend fährt Baeriswyl mit seinem Auto in die Natur, um darin zu schlafen. Das ganze Jahr über, bei jedem Wetter.

Angst hat er nicht

Dafür sucht er sich abgelegene Plätze, ein paar Fahrminuten von Aproz entfernt. «Ich will keine Probleme mit der Polizei», sagt Baeriswyl. Am Schlafplatz angekommen, klappt er die Rückbank seines Autos herunter, und rollt eine Matratze aus. Ein Kissen und eine Decke komplettieren die Ausrüstung für die Nacht. «Klar ist es nicht die bequemste Art, die Nacht zu verbringen, aber es geht und es ist allemal besser, als zu Hause vom Infraschall geplagt zu werden.»

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Früher hat Jean-Michel Baeriswsyl noch ein Zelt aufgeschlagen. «Im Auto zu schlafen hat aber den Vorteil, dass das Nachtlager schnell bereit ist», sagt er. Während der Nacht ist er mutterseelenallein in der Natur, Angst hat er aber nicht. «Nur einmal, als ein paar Meter neben mir der Blitz eingeschlagen hat, war es mit der Ruhe vorbei», sagt der 59-Jährige.

Auch Baeriswyl muss wegziehen

Ihm ist klar, dass er nicht ewig weiter im Auto schlafen kann. Weil die Behörden nicht weiter nach der Ursache für Baeriswyls Beschwerden suchen, sieht auch er keine andere Möglichkeit, als mittelfristig eine andere Bleibe zu suchen. «Ich will eigentlich nicht weg, aber es bleibt mir wohl nichts anderes übrig, sagt er.

Bis er etwas Passendes gefunden hat, wird Baeriswyl weiter im Auto schlafen. «Ich lebe wie ein Reisender, einfach ohne angemessenes Fahrzeug», sagt er pragmatisch.

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