Trotz Freispruch
Schiri darf nicht mehr pfeifen – weil er Swiss Unihockey nicht passt

Schiedsrichter Christoph Gubser geriet in eine Rangelei – wurde aber freigesprochen. Trotzdem stellt der Unihockey-Verband ihn kalt. Nach 30 Jahren im Einsatz.
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Christoph Gubser in der Sportanlage Riet in Sargans
Foto: Jonathan Labusch

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Oliver Julier
Oliver Julier
Beobachter

«Play! Play! No foul, no foul!» Christoph Gubser demonstriert den Fachjargon am Telefon leidenschaftlich. Über 30 Jahre ist er Unihockey-Schiedsrichter. Seit einem Zwischenfall im vergangenen Sommer bietet ihn der Verband aber nicht mehr auf – obwohl eine Disziplinarkommission zu seinen Gunsten entschieden hat.

Unihockey wird in der Schweiz immer beliebter. Mit über 33’000 lizenzierten Spielerinnen und Spielern ist es die zweitgrösste Mannschaftssportart der Schweiz. Ein Boom, der durch den jüngsten WM-Titel der Schweiz zusätzlich befeuert wird. Deshalb ist das Schweizer Unihockey dringend auf Unparteiische angewiesen: «No refs, no game» – das Motto vieler Sportarten.

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Christoph Gubser ist seit den 1980er-Jahren, den Anfängen des Schweizer Unihockeys, mit von der Partie. Mit dem UHC Urdorf holte er 1984 als Spieler den ersten Meistertitel der Geschichte der höchsten Schweizer Liga. 1992 gründete der Tscherler den Unihockeyclub Sarganserland mit. Er ist dort bis heute Mitglied. Ein echtes Original: direkt, aber mit einer gesunden Portion Gelassenheit. Oder wie er während einer Partie jeweils selbst sagt: «Nid jufle, d Ziit isch aaghalte.»

Antrag zur Suspendierung abgelehnt

Aber auch bei gelassener Führung kann ein Spiel hektisch werden. Bei einem ausserverbandlichen Turnier im Sommer 2025 kam es zu einem Gerangel. Gubser griff einem Spieler im Affekt an den Hals. «Es war ein Fehler, das ist klar», gibt er zu. Im Nachgang entschuldigte er sich beim Jugendlichen und dessen Familie. Die Sache war für alle Beteiligten erledigt. Nicht aber für den Verband.

Die Schiedsrichterkommission von Swiss Unihockey stellte den Schiri vorläufig für sämtliche Spiele frei und beantragte bei der Disziplinarkommission seine endgültige Suspendierung. Der Disziplinarrichter lehnte diesen Antrag ab. Die meisten Vorwürfe seien nicht relevant oder ungenügend begründet.

Gubser sagt von sich selbst, er gehöre in die Halle.
Foto: Jonathan Labusch

In einem Punkt sprach der Richter den Schiri allerdings schuldig: Er zog Anfang 2025 einen Vereinswechsel in Erwägung und bot seine Dienste «dem meistbietenden Verein» an. Mit dem Angebot verletzte er Verbandsvorschriften. Gubser erklärt: «Ich wollte mal meinen Marktwert ausloten.» Mittlerweile zahlen nämlich auch Vereine Schiedsrichtern Geld, wenn sie für diese auflaufen. Stellt ein Verein zu wenig Unparteiische, bezahlt er eine Busse. Für eine Suspendierung reichte dieser Punkt allein jedoch nicht aus.

Trotzdem darf Gubser keine Spiele mehr pfeifen. Er versteht die Welt nicht mehr und fühlt sich ausgebootet: «Ein Fehler – und man ist weg bei Swiss Unihockey.» Trotz des Entscheids des Disziplinarrichters beharrt die Schiedsrichterkommission auf der Quasi-Suspendierung. Sie hält in einer Stellungnahme an den Beobachter fest, dass die «Vertrauens- und Zusammenarbeitsvoraussetzungen zwischen dem Schiedsrichter und Swiss Unihockey [...] nicht mehr gegeben» seien.

Der Entscheid hat für Gubser auch finanzielle Konsequenzen. Beruflich arbeitet er als technischer Assistent bei den SBB in Zürich. Für ein Spiel bekommt er zwischen 30 und 60 Franken plus Spesen vom Verband. Auf diesen Zustupf muss Gubser nun verzichten. 

«Ich gehöre in die Halle», bilanziert der 59-Jährige. Er liebe die Dynamik des Spiels, sagt er und zeigt stolz ein Video auf der Website des UHC Sarganserland. Zwar sorgt er im Verein als Schiri-Obmann dafür, dass seine Kollegen regelmässig zu Einsätzen kommen, doch das Wirken im Hintergrund ist für ihn kein Ersatz für das Geschehen auf dem Feld. Sein Ziel bleibt unverändert: «Ich will wieder pfeifen.»

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