Überfülltes Flüchtlingslager in Como
Schweiz schickt Transit-Eritreer zurück

Seit knapp drei Wochen strömen Flüchtlinge aus dem Süden Italiens an die Tessiner Grenze. «Sie wollen durch die Schweiz weiterreisen nach Deutschland, Belgien, Dänemark, in die Niederlande. «Dort haben sie eine Community», sagt Roberto Bernasconi (65), Chef der Caritas in Como (I).
Publiziert: 05.08.2016 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 30.09.2018 um 23:46 Uhr
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Hunderte Eritreer campieren auf der Grünanlage am Bahnhof San Giovanni in Como unter freiem Himmel.
Myrte Müller und Lea Hartmann

Hunderte bevölkern die Grünanlage am Bahnhof San Giovanni. «Alle sind fest entschlossen, über die Schweiz nach Nordeuropa zu gelangen», erklärt Bernasconi.

Doch das Grenzwachtkorps schickt alle Flüchtlinge zurück nach Italien, die nur durch die Schweiz reisen und hier kein Asylgesuch stellen wollen. Allein in der vergangenen Woche haben die Grenzwächter über 1100 illegal eingereiste Menschen zurückgeschafft – so viele wie noch nie im laufenden Jahr. Nur knapp ein Fünftel
hatte ein Asylgesuch gestellt.

Die Zurückgewiesenen campieren unter freiem Himmel. Die meisten seien Eritreer, erklärt Bernasconi. «Sie sind blutjung, viele minderjährig. Mütter mit kleinen Kindern und auch Schwangere sind dabei.»

Ein Dach über dem Kopf würden die meisten ablehnen. «Die Flüchtlinge wollen am Bahnhof bleiben, hoffen auf eine Gelegenheit weiterzukommen.» Da die Kontrollen am Brenner verschärft wurden, hoffen sie auf die Route durch die Schweiz. «Einige versuchen es vier-, fünfmal», sagt der Caritas-Chef. «Doch die Menschen haben keine Chance. Die Schweiz kontrolliert hermetisch ihre Grenze.»

Schlepper machen in Como anscheinend keine Geschäfte. «Die Flüchtlinge hier sind keine Syrer aus der Mittelschicht, die sich eine organisierte Flucht leisten können. Die Leute hier sind bettelarm», erklärt Berna­sconi.

Nicht mal über die grüne Grenze schafften die Flüchtlinge es. Dort kontrollieren Schweizer Drohnen Wanderwege und Schmugglerpfade, jeder Verdächtige werde gestoppt. «Das weiss ich von Wanderern, die von Grenzbeamten angehalten wurden.»

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Das Caritas-Team versucht zu helfen, wo es geht. «Wir haben eine Mensa eingerichtet, Duschen aufgestellt. Auch haben wir Zelte für die Notleidenden errichtet, besonders für die Familien.» Roberto Bernasconi sieht keinen Anlass zu Optimismus: «Ich mache mir grosse Sorgen über das, was noch auf uns zukommt.»

Auch die Schweizerische Flüchtlingshilfe beschäftigt sich mit der Situation. In Italien bestünden nach wie vor grundsätzliche Probleme im Aufnahmesystem, sagt Seraina Nufer, Juristin bei der Flüchtlingsorganisation. «Wir stehen in Kontakt mit Hilfswerken sowohl im Tessin als auch in Como.» Zudem suche man das Gespräch mit den Schweizer Behörden.

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