Appell von Tessiner Staatsrat: «Wenn ihr uns liebt, bleibt ihr daheim!»(01:10)

Corona-Falle Altersheim
Jedes dritte Tessiner Virus-Opfer lebte im Altersheim

Im Tessin starben 43 Rentner an Covid-19 in Altenpflegeheimen. Das gab der Kantonsarzt Giorgio Merlani an einer Pressekonferenz in Bellinzona TI bekannt.
Publiziert: 02.04.2020 um 17:42 Uhr
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Aktualisiert: 02.04.2020 um 17:43 Uhr
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Im Altenpflegeheim Casa Anziani Giardino in Chiasso TI starb das erste Corona-Opfer des Tessins.
Myrte Müller

Sie sind am gefährdetsten: Die Senioren. Ihr Immunsystem ist fragil. Oft haben sie Vorerkrankungen. Diabetes. Bluthochdruck. Krebs. Wenn sie dann noch in einem Altenpflegeheim hocken, sind sie dem Coronavirus geradezu ausgeliefert. Es reicht ein infizierter Pfleger. Oder ein Lieferant. Oder ein ahnungsloser Besucher. Ist das Virus erst im Heim, hat das fatale Folgen.

Auf der täglichen Pressekonferenz der kantonalen Koordinationsgruppe zur Epidemie gab Kantonsarzt Giorgio Merlani zu, dass 43 der 132 Tessiner Corona-Toten in einem Altersheim lebten. Fast jedes dritte Opfer also. Doch wie gerät das Virus in diese doch eher abgeschlossene Welt?

Altersheime bieten Cafés, Friseur-Salons, Poststellen

«Eben, weil die Welt der Senioren im Heim nicht mehr so abgeschlossen ist, wie einst», erklärt Fabio Maestrini. Seit Jahren schon habe man die Einrichtungen für die Gesellschaft geöffnet. «Altersheime bieten Cafés und Mensen, die auch für andere nutzbar sind», sagt der Direktor der Casa Anziani Giardino, «sie haben Postschalter, Friseur-Salons, manche sogar Spielplätze.»

Ein Angebot, das gern von allen, Alten und Jungen genutzt wird, so Maestrini. Auch von Menschen, die gar keine Beziehung zu den Bewohnern hätten. «Es reicht, wenn einer von aussen infiziert ist und das Virus in die Anlage trägt», sagt der Heimleiter weiter. Das erste Corona-Opfer des Südkantons wohnte in seiner Senioren-Residenz. Eine Dame über 80, Mutter einer bekannten Lokalpolitikerin.

Seit 9. März herrscht Besuchsverbot in Seniorenheimen

Nach den ersten zwei Corona-Toten im Tessin verfügte der Kanton die Isolierung der Heime. Seit dem 9. März herrscht ein absolutes Besucherverbot. Das Virus verschafft sich dennoch hier und dort Zutritt. Oft über das Pflegepersonal. So vermeldet die Fondazione Madonna di Re, dass 20 ihrer 60 Mitarbeiter in Bellinzona TI mit dem Corona-Virus infiziert wurden. Elf der 24 Bewohner hatte sich angesteckt, drei starben an Covid-19.

«Wir wissen nicht, wann und wo die Ansteckungskette, die sich in der ersten Phase der Pandemie aufgebaut haben muss, begonnen hat», erklärt Stiftungsdirektor Damiano Stefani in «La Regione». Die Senioren benötigen engen Kontakt zu den Pflegern und menschliche Wärme. Das sei wichtig für ihre psychische Gesundheit, aber eben auch ein leichtes Spiel für das Virus.

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Ebenfalls vom Covis-19 betroffen ist die Casa Tarcisio in Tenero-Contra TI. Auch dort gab es zwei Corona-Tote, beide hoch betagt und mit Vorerkrankungen. Das Altenpflegeheim der Unitas hat sich nun auf das Virus eingestellt und eine «Abteilung Covid» mit neun isolierten Betten eingerichtet, berichtet «La Regione».

Walliser Altersheime betroffen

Bis zum 31. März waren 72 Bewohner in den Alters- und Pflegeheimen positiv auf das Coronavirus getestet worden und 15 sind daran gestorben. Der Kanton Wallis verstärkt deshalb die Massnahmen, auch die medizinische Unterstützung für die Alters- und Pflegeheime wird verstärkt.

Diese Ärzte müssen dem Personal der Alters- und Pflegeheime in Notfallsituationen rund um die Uhr medizinische Unterstützung garantieren. Durch eine Koordination mit den behandelnden Ärzten kann die Anzahl der Besuche von behandelnden Ärzten bei den Bewohnern der Alters- und Pflegeheime reduziert und so das Infektionsrisiko minimiert werden.

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