Stadtpräsident Cyrill Wiget über Massenkündigung von Mietern in Kriens LU
«Ich erwarte mehr soziale Verantwortung»

In Kriens wurden Mietern von 97 Wohnungen die Mietverträge gekündigt. Grund: Die Pensionskasse Previs will die Überbauung sanieren. Die Kritik am Vorgehen ist laut. Selbst der Stadtpräsident von Kriens, Cyrill Wiget, ist wütend. Die Previs verteidigt ihr Vorgehen.
Publiziert: 05.02.2020 um 20:19 Uhr
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Aktualisiert: 05.02.2020 um 21:37 Uhr
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Siham Ali (33) mit den Kindern Julian (4) und Keywan (3) – sie haben die Wohnung an der Brunnmattstrasse erst im Oktober bezogen. Niemand informierte sie darüber, dass sie bald wieder eine neue Wohnung suchen müssen.
Flavio Razzino

Hiobsbotschaft für Mieter von 97 Wohnungen an der Brunnmattstrasse in Kriens LU. Sie müssen bis Ende Juni aus ihren Wohnungen ausziehen – die Pensionskasse Previs als Eigentümerin hat allen die Mietverträge gekündigt. Man will die Überbauung sanieren. Für die Mieter ein Schock – schliesslich wurden die Wohnhäuser erst vor zwölf Jahren teilsaniert. Die junge Mutter Sihan Ali (33) und ihre Söhne Keywan (3) und Julian (4) sind erst im Oktober dort eingezogen. Sie ist empört: «So was macht man doch nicht! In Kriens etwas für diesen Preis zu finden, ist schwierig.»

Der Stadtpräsident befürchtet schlimme Folgen

Entsetzt über das Vorgehen der Previs ist nebst den Mietern auch der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (56). «Ich erwarte von dieser Pensionskasse, die zum Grossteil der öffentlichen Hand gehört, mehr soziale Verantwortung», sagt er zu BLICK. Die Previs ist die Pensionskasse der Berner Gemeinden. «In ihren Gemeinden würden sie kaum so vorgehen», ist sich Wiget sicher. Er weiss: Für die Mieter hat die Kündigung schlimme Folgen. «In Kriens ist bezahlbarer Wohnraum rar – viele Familien werden im schlimmsten Fall gezwungen sein, ihre Kinder aus den Schulen zu nehmen und in eine andere Gemeinde umzuziehen. Was das für die Familien bedeutet, war der Previs wohl zu wenig bewusst.»

Pensionskasse ist von negativen Reaktionen überrascht

Vom Aufschrei über die Massenkündigung sind die Verantwortlichen am Tag nach dem BLICK-Bericht sichtlich überrumpelt. Christoph Stäger, Geschäftsleitungsmitglied der Previs, sagt zu BLICK: «Das Ausmass der Reaktionen überrascht uns.» Verteidigt aber das Vorgehen der Pensionskasse: «Bei Mietkündigungen gilt im Normalfall eine Kündigungsfrist von drei Monaten – wir sind aber grosszügiger und räumen den Mietern sogar fünf Monate ein.»

Zudem hätten die Mieter die Möglichkeit, die Mietdauer noch zu verlängern, wenn sie bis Juni keine geeignete Ersatzwohnung finden. Er verspricht: «Wir werden die Sanierung über zwei Jahre etappieren, damit wir flexibler sein können.» Die Previs werde sich mit aller Kraft für die gekündigten Mieter einsetzen. «Wo wir helfen können, werden wir helfen», sagt Stäger.

Ein erster Info-Abend am kommenden Dienstag

Warum aber hat die Previs noch im Oktober neue Mieter einziehen lassen, nur um ihnen vier Monate später überraschend wieder zu kündigen? «Das ist ein Härtefall», so Stäger. Der sei unschön, habe aber damit zu tun, dass man im Oktober noch nicht gewusst habe, wann genau die Sanierung in Angriff genommen werden könne. Mit den betroffenen Mietern wolle die Previs aber noch sprechen – ein erster Info-Abend ist für Dienstag angesetzt.

Dass die Überbauung schon vor zwölf Jahren teilsaniert wurde, bestätigt die Previs. Aber es seien nun neue Küchen und Bäder nötig, zudem eine neue Heizung, und auch Leitungen müssten ersetzt werden. Man wolle aber keine neuen Luxuswohnungen realisieren, versichert Stäger. «Klar werden die Mietzinsen nach der Sanierung höher ausfallen, aber sie bleiben im Schnitt günstiger als bei Neubauwohnungen», sagt er. Ein schwacher Trost für die 97 betroffenen Mietparteien.

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