So wild treibt es die Schweiz
Volkssport Porno!

Amateur-Pornos sind der Renner, auch bei den Ausübenden selbst. Model-Figuren sind nicht mehr gefragt. Bauch zu dick, Celullite and den Schenkeln – die Nackten von nebenan ist was der User heute will.
Publiziert: 08.08.2014 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 07.10.2018 um 13:41 Uhr
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Offensiv: Im Internet ­finden sich unzählige Pornobilder und Sex­Videos mit ­ A. in der Hauptrolle.
Von Christiane Binder

Die Besten der Amateur-Pornoszene sehen aus wie Lena Nitro. Gesicht durchschnittlich, Mund schmal, gute Figur, sie ist ja erst 27. Verglichen mit dem, was sich sonst durchs Internet stöhnt und bläst, ist sie eine Augenweide. Dort sehen die Akteure aus wie die Nackten von nebenan. Bauch zu dick, Celullite an den Schenkeln, Brust hängt.

«Der User will das», erklärt Ulrich Esau. Der Deutsche ist in der «Erwachsenenunterhaltung» tätig, betreibt Import von Pornospielfilmen und produziert Sadomaso-Werke. «Seit Gina Wild gibts keine echten Pornostars mehr», sagt er. «Modelfiguren sind nicht mehr so gefragt. Eher das Normale.»

Fünf Minuten Ruhm

Amateurpornos, in denen es Menschen wie du und ich vor der eichenen Schrankwand auf dem geblümten Sofa treiben, sind der Renner – auch bei den Ausübenden selbst. «Mutti, Vati, alt, jung, dick, dünn: Alles stellt seine Filmchen ins Netz, querbeet durch alle Berufe. Die finden das ganz toll», sagt Peter Preissle, Porno-Produzent und Direktor des Pornofilmverleihs Mascotte Film. «Die machen das für ihre fünf Minuten Ruhm.»

Geld ist nur für ganz ambitionierte Hobby-Sexarbeiterinnen erstrebenswert und sogar erreichbar – wie bei Lena Nitro. Die Tochter einer Erotikunternehmerin führt ihre Webcam-One-Woman-Show professionell und geschäftstüchtig von zu Hause aus durch. Das hat den Vorteil, dass weder HIV- noch Hepatitis-C-Tests nötig sind wie bei gebuchten Jobs als sozusagen echter Pornodarsteller, für die sogar Bewerbungsgespräche zu absolvieren sind.

Youtube-Filmchen

Stattdessen hockt Lena Nitro in einem Youtube-Filmchen in ihrem «eigenen Badezimmer» im Schaumbad und plappert aufgedreht daher. Als ob das jede andere ebenfalls aus dem Stegreif könnte: berühmt sein, beachtet werden, wissen, dass die Männer draussen scharf auf einen sind.

Für Nachahmerinnen eine ungeheure Versuchung: Warum nicht auch mal die Bluse hochziehen und die Bilder ins Netz stellen? Porno-Unternehmer Esau behauptet, nicht wenige kämen aus der Swingerszene, «wo sich ja viele Frauen gern nackt produzieren. Die Bilder haben sie dann schon im Kopf.» Doch seien auch «Überzeugungstäterinnen» unter ihnen, Spass-Sucherinnen, «die nach dem kleinen Abenteuer zwischendurch suchen».

Narzissmus

Ronald Harri Wettstein, Autor der Studie «Pornographie – Jugendwirklichkeit und sprachlose Sexualpädagogik», wählt ein härteres Wort: «Narzissmus». Den auszuleben, sei leichter als früher. «Vor 20 Jahren hat es weder Webcams noch Soziale Medien gegeben, die Möglichkeiten der Selbstdarstellung haben extrem zugenommen.»

Die fortschreitende Erotisierung der Gesellschaft lasse die Hemmschwellen sinken: Swinger-Clubs, Frauen, die Pornos gucken, Hunderttausende aufgekratzte Halbnackte an der Street Parade – das sei heute so gut wie toleriert. «Wenn sogar die Stop-Aids-Kampagne ihre Sache mit Sex-Postern prickelnd machen will und noch Geld vom Bund dafür kriegt, wundert es nicht, wenn andere denken, dann setze ich mich auch mal so in Szene.» Porno-Produzent Preissle sieht es lapidar: «Das ist der Zeitgeist. Die Reality-Show hat uns eingeholt.»

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