Präsident der Schulbehörde: «Ich bin sehr nachdenklich und schockiert»(02:14)

Terror-Teenager von Neuhausen SH – Schule hat Polizei beigezogen
Es begann im Schulhaus mit Symbolen auf Papier und an der Wand

Sie sollen Sprengstoff-Anschläge auf Ziele in der Schweiz geplant haben. Die beiden mutmasslichen IS-Terroristen (15 und 16) aus Neuhausen am Rheinfall SH beschäftigen die Staatsanwaltschaft. Gemäss Schulpräsident fielen die beiden zuerst in der Schule auf.
Publiziert: 15.04.2024 um 20:38 Uhr
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Aktualisiert: 16.04.2024 um 07:40 Uhr
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Der 16-jährige Italiener Valentin S.* aus Neuhausen am Rheinfall SH, der wegen Terrorverdacht verhaftet wurde.

Neuhausen am Rheinfall SH kommt nicht aus den Schlagzeilen. Über das Wochenende wurde in der Bevölkerung und auch in den Medien bekannt, was hier genau geschehen ist. Zwei Neuhauser Teenager, 15 und 16 Jahre alt, sollen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) unterstützt haben. Die Bundesanwaltschaft hat den Verdacht, dass die beiden geplant hatten, Anschläge in der Schweiz durchzuführen.

Der Erste Staatsanwalt des Kantons Schaffhausen, Peter Sticher (61), bestätigt beim Besuch von Blick: «Konkret geht es um Sprengstoffanschläge auf Ziele in der Schweiz.»

Erster Staatsanwalt SH: «Es besteht der Verdacht auf Sprengstoffanschläge»(02:31)

Die beiden Buben waren schon vor Ostern auffällig – «Sie waren reuig»

Die beiden Buben wurden um Ostern von der Kantonspolizei Schaffhausen eingesackt. Ein weiterer Verdächtiger (18) wurde im Kanton Thurgau festgenommen. Praktisch zeitgleich klickten auch im deutschen Düsseldorf und in Baden-Württemberg insgesamt viermal die Handschellen. Auch dort sind die Verdächtigen, zwei Mädchen und zwei Jungen, nicht älter als 16 Jahre. Und: Die deutsche Teenager-Terror-Zelle stand offenbar mit den Schweizer IS-Sympathisanten in regem Austausch.

Blick-Recherchen zeigen nun: Die beiden Buben, Valentin S.* (16) und Aras P.* (15) waren in ihrer Schule schon vor Ostern 2024 auffällig. Das sagt der Präsident der Schulbehörde der Gemeinde Neuhausen, Marcel Zürcher (61), als er Blick zu Hause empfängt. Der Mann wirkt etwas gestresst – verständlicherweise. Immer wieder klingelt sein Mobiltelefon. Journalisten, Lehrkräfte, Freunde wollen mit ihm sprechen und haben Fragen. 

Mehrere Wochen vor Ostern sei es losgegangen – damals mit Symbolen auf Papier, die im Schulhaus gefunden wurden, sagt Zürcher. Einmal wurde auch eine Wand beschriftet. «Wir haben sehr schnell die Polizei eingeschaltet, weil wir das nicht zuordnen oder deuten konnten», so der Schulpräsident. Er bestätigt die Personalien der beiden Jungs, als Blick sie ihm vorlegt. 

«Einzigartig in Dimension und Härte»

Die Polizei habe damals erklärt, dass es um eine Radikalisierung gehen könnte. Dann hat die Schule herausgefunden, um welche Jungs es ging – eben Valentin S. und Aras P. «Sie haben sich reuig gezeigt», so Zürcher. Zuerst habe man es als Bubenstreich taxiert. Doch mehrere Wochen später, kurz vor Ostern, kam dann die Polizei und informierte, dass die Buben aufgrund Ermittlungen vorläufig nicht mehr am Unterricht teilnehmen werden. 

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Für Zürcher ist die Situation extrem belastend: «So etwas hatten wir noch nie. In dieser Dimension und in dieser Härte ist es einzigartig», sagt Zürcher. «Es ist sehr schockierend.»

«Wir haben keine Expertise»

Zurück zur Staatsanwaltschaft. Auch das Büro von Peter Sticher wird immer wieder erfüllt vom Klingeln eines Telefons. Der Erste Staatsanwalt des Kantons Schaffhausen sieht sich mit einer riesigen Aufgabe konfrontiert.

Im Gegensatz zum 18-jährigen Festgenommenen im Kanton Thurgau ist für die beiden minderjährigen IS-Sympathisanten im Kanton Schaffhausen die Jugendanwaltschaft zuständig. «Wir haben keine Expertise. Wir hatten noch nie einen solchen Fall», sagt Sticher lapidar. «Die Bundesbehörden können uns auch nur beratend unterstützen, eine Hilfe gibt es nur im gesetzlichen Rahmen.» Dieser Rahmen lässt allerdings keine grösseren Sprünge zu.

Für die Jugendanwaltschaft im Kanton Schaffhausen ist der Fall eine heikle Aufgabe. Jedoch konnte sie mithelfen, ein grösseres Unglück zu verhindern – sollte sich der Verdacht erhärten. Noch gilt die Unschuldsvermutung.

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