Russisches Suizid-«Spiel» findet erste Opfer
Die traurigste «Challenge» ist in der Schweiz angekommen

Wer diesen Hype mitmacht, braucht dringend Hilfe: Im Internet machen sich einige einen Spass daraus, Jugendliche in den Suizid zu treiben.
Publiziert: 17.05.2017 um 16:52 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 17:14 Uhr
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Ein weiteres Opfer erzählt: So krank ist die «Blue Whale Challenge»(01:13)

Eine Jugendliche aus der Westschweiz meldet sich bei der Telefonberatung 147. Sie wolle nicht sterben, sagt sie. Das Mädchen sucht Hilfe, weil es den wohl traurigsten Hype im Internet mitmachte: die «Blue Whale Challenge». Dabei müssen die Teilnehmer 50 Aufgaben absolvieren unter Aufsicht eines «Paten» – einem Internet-Nutzer, der über Social Media die Anweisungen gibt.

Die Aufgaben beginnen mit dem harmlosen Zeichnen eines Blauwals. Doch mit jeder Aufgabe wirds gefährlicher. Und dümmer. Es geht um Tierquälerei, Selbstverletzung und andere Grausamkeiten. Aufgabe 50: Suizid.

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Manipuliert: Yulia Konstantinova (†15)

Sie habe schon fast 20 von 50 Aufgaben absolviert, sagt die Jugendliche laut einem Bericht der Westschweizer Nachrichtenseite «24heures.ch». Jetzt habe sie von ihrem Challenge-Paten ihr Todesdatum bekommen. Weil sie die «Challenge» jedoch nicht weitermachen wolle, werde sie jetzt von diesem bedroht. Er kenne ihre Telefonnummer und ihre Adresse. Der Typ wolle sie töten, sollte sie aufgeben.

«Wir nehmen diese neuen Challenge natürlich ernst»

Die junge Frau aus dem Kanton Waadt ist der bisher einzige bekannte Fall in der Schweiz, bei dem sich jemand im Internet zum Mitmachen bei der «Blue Whale Challenge» überreden liess. Die Kantonspolizei ist vorsichtig: «Wir nehmen diese neue Challenge natürlich ernst. Weitergehende Abklärungen müssen jedoch zeigen, dass dieser tatsächlich existiert», sagt Jean-Marc Granger, Chef der Abteilung Prävention für Jugendliche.

Namensgeber: Die «Blue Whale»-Challenge heisst so, weil Blauwale manchmal zum Sterben an den Strand schwimmen.

In einem Fall im Wallis, bei dem eine Jugendliche Ende April komplett betrunken ins Spital eingeliefert wurde, besteht der Verdacht, sie könnte mit Freunden an einer solchen Challenge teilgenommen haben. Wie das Walliser Radio «Rhône FM» berichtet, schlugen die Spitalangestellten wegen verdächtiger Verletzungen am Arm der jungen Frau Alarm. Im Tessin sei die Polizei über eine junge Frau unterrichtet worden, die entsprechende Posts auf Facebook veröffentlicht hat. Das berichtet die Tessiner Nachrichtenseite «tio.ch».

Schon mehr als 150 Tote?

Angefangen hat die «Blue Whale Challenge» vermutlich in Russland. Dort sorgten die Suizide zweier Mädchen im Februar für Aufsehen. Yulia Konstantinova (15) and Veronika Volkova (16) nahmen sich in der Region Irkutsk mit einem Sprung von einem 14-stöckigen Gebäude das Leben. Sie sollen zuvor im Internet an der «Blue Whale Challenge» teilgenommen haben. In Russland soll das kranke Spiel Berichten zufolge schon über 150 Tote gefordert haben.

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Stand in St. Petersburg vor Gericht: Filipp Budeikin (21) habe 15 Teenager in der Challenge zum Selbstmord aufgefordert.

Die Polizei hat in Russland einen mutmasslichen Drahtzieher des Suizid-Spiels festgenommen. Am 14. November verhaftete die Polizei ausserhalb von Moskau den angeblichen Initianten des Spiels: den 21-jährigen Filipp Budeikin. In 15 Fällen habe er Jugendliche direkt zum Suizid aufgefordert. Fünf weitere hätten knapp noch davon abgehalten werden können, sich das Leben zu nehmen. Unterdessen habe er gestanden, schreibt «Daily Mail». Er glaube, die Opfer seien «biologischer Abfall» – und «froh, sterben zu können». Das Ziel seines Spiels sei, «die Gesellschaft zu säubern».

Dargebotene Hand: «Hände weg!»

Tony Styger, Leiter der Dargebotenen Hand, findet die «Blue Whale Challenge» schlicht «pervers». «Es ist unbegreiflich, dass es Menschen gibt, die so ein Spiel in Umlauf bringen. Sicher ist: Wer mitspielt, spielt mit dem Tod – und das mit voller Absicht.» Da es offenbar Jugendliche gebe, die sich tatsächlich auf dieses Spiel einliessen, spielt womöglich auch der Gruppendruck eine Rolle. Styger: «Somit kann man nur sagen: Hände weg!». (noo/maz/kra)

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