Plus 80 Millionen! Boris Collardi knackt den Jackpot
Kein Schweizer Banker verdient mehr als er

Bei den Managementgehältern mussten die Banker zuletzt «unten durch». Doch das Börsenjahr 2025 beschert den Geldmanagern unerwartete Gewinne. Einer konnte besonders profitieren.
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Der steile Kursanstieg der Privatbank EFG International macht Banker Boris Collardi reich.
Foto: Salvatore Vinci/13PHOTO

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Boris Collardi kehrt als Verwaltungsrat zu EFG International zurück
  • 2025 verdiente er 80 Millionen Franken, grösstenteils durch EFG-Aktiengewinne
  • EFG-Aktie stieg von 2023 bis 2025 um 111 Prozent auf 19 Franken
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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Boris Collardi (51) galt einst als das Wunderkind der Schweizer Geldbranche. Mit gerade mal 34 Jahren wurde er Chef der Bank Julius Bär. Unter ihm legte die Bank ein stürmisches Wachstum hin – und handelte sich viele Probleme ein: Hochtoxische Gelder aus Südamerika spülte es in die Bank. Weil die internen Kontrollen von Julius Bär versagten, setzte es Jahre später Rügen der Finma ab. Auch gegen den CEO selbst, was ausgesprochen selten ist.

Das ist jetzt einige Jahre her. Boris Collardi ist zurück. Als Verwaltungsrat und Miteigentümer der Zürcher Privatbank EFG International, an der er sich 2022 mit 3,6 Prozent beteiligte. Zwar steht er kaum mehr im Scheinwerferlicht. Doch hinter den Kulissen zieht er weiterhin die Fäden und hilft mit, dass die Bank vom Bleicherweg in Zürich schneller wächst als die meisten anderen Privatbanken in der Schweiz. 

Milliarden von neuen Kundengeldern fliessen in die Bank und lassen die Erträge und Profite sprudeln. Das wiederum beflügelt den Aktienkurs. Von 2023 bis Ende 2025 kletterte der Kurs der EFG-Aktie von 9 auf 19 Franken – ein Plus von 111 Prozent in drei Jahren. Ein lohnenswertes Investment für Aktionäre der Bank – ganz besonders auch Verwaltungsrat und Grossinvestor Collardi. 

Allein im letzten Jahr dürfte sich sein Privatvermögen mit der EFG-Beteiligung um etwa 80 Millionen Franken vergrössert haben. Diese Summe setzt sich aus vier Elementen zusammen. Das kleinste ist sein Honorar als Verwaltungsrat, das ihm inklusive Sozialleistungen im letzten Jahr 246’288 Franken einbrachte. Hinzu kommen rund 6,5 Millionen Franken an Dividenden, die im Frühling 2025 ausgeschüttet wurden. Im Verlauf des letzten Jahres hat er zudem 755’862 Aktien verkauft und damit an der Börse rund 12 Millionen Franken gelöst. Der grösste Brocken: der Buchgewinn von 60 Millionen Franken auf seinem EFG-Aktienpaket im vergangenen Jahr. Sein gesamtes, 10 Millionen Aktien schweres Paket wird an der Börse aktuell mit über 190 Millionen Franken bewertet. 

Collardi schlägt Ermotti um Längen

Mit einem Zuwachs von 80 Millionen Franken schlägt Collardi die meisten Banker in der Schweiz um Längen. Selbst den bekanntesten Banker der Schweiz, UBS-Chef Sergio Ermotti. Seine Bezüge für 2025 sind zwar noch nicht bekannt. Im Jahr zuvor kam er aber auf ein Salär von 14,9 Millionen Franken. Zudem besass er Ende 2024 gemäss Geschäftsbericht 2,7 Millionen UBS-Aktien. Angenommen, Ermotti verkaufte im vergangenen Jahr keine eigenen Aktien, erzielte er 2025 einen Buchgewinn von 27 Millionen Franken. Hinzu kommen noch etwa 2,7 Millionen Franken an Dividenden. Das macht total rund 45 Millionen Franken. 

Ermotti und Collardi sind längst in der Reichstenliste der «Bilanz» mit Privatvermögen von je 200 bis 250 Millionen Franken geführt. Sie gehören zu einem kleinen Kreis von Wirtschaftsführern, die schon als angestellte Manager ein grosses Vermögen anhäufen konnten. In der Regel gelingt das nur Unternehmern, die mit viel Risikoeinsatz eigene Firmen aufbauen. 

Angesichts der steigenden Gehälter und Aktienkurse wird der Einstieg von Topmanagern in die Superliga der Reichen wieder einfacher. Einer der Nächsten, die es ins «Reichsten»-Ranking schaffen könnten, ist Novartis-CEO Vas Narasimhan. Er erhielt für das Geschäftsjahr 2025 eine Gesamtvergütung von 24,9 Millionen Schweizer Franken, was eine deutliche Steigerung gegenüber den 19,2 Millionen Franken im Vorjahr darstellt. 

Erinnerungen an die Ospels, Vasellas und Dougans

Das Spitzensalär, das durch aktienbasierte Bonusprogramme angetrieben wird, erinnert an fast vergessene Zeiten in den Nullerjahren, als Bank- und Pharmamanager regelmässig über 20 Millionen Franken bezogen haben. Die Ospels, Vasellas und Dougans lösten in der Schweiz eine Abzockerdebatte aus, die schliesslich zur Annahme der Minder-Initiative führte. Seither müssen die Lohn- und Honorarpakete von Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten den Aktionären an der Generalversammlung vorgelegt werden. 

Kommt es nun zu einer Neuauflage? Thomas Minder, der Abstimmungsheld von damals, spricht im Fall von Vas Narasimhan von einem «Auswuchs», einem «absolut störenden» Gehalt. Er appelliert an die Aktionäre, insbesondere an die Pensionskassen, korrigierend einzuwirken. Neben dem CEO von Novartis sorgt ausgerechnet der CEO-Lohn von EFG International für Aufsehen – der Bank von Boris Collardi also. Giorgio Pradelli (59) bezog 2025 ein ordentliches Salärpaket von 7,6 Millionen Franken.

Doch obendrauf kommen nochmals über 10 Millionen Franken dazu, die er durch ein spezielles Bonusprogramm erhält, das über die letzten drei Jahre lief. Zusammen macht das rund 18 Millionen Franken. Das ist ein riesiger Batzen für den Chef einer Bank, die 2025 einen Jahresgewinn von 325 Millionen Franken erzielte und 3225 Angestellte zählt. Man darf gespannt sein, wie die Aktionäre darauf reagieren werden.

Als Mitglied des Vergütungsausschusses hat Boris Collardi den Superbonus seines CEOs mit abgewinkt. Als Grossaktionär, der mit der schwerreichen griechischen Reederfamilie Latsis eine Gruppe bildet, hat er es selbst in der Hand, die Gehälter der Geschäftsleitung mit den Interessen der Aktionäre gleichzuschalten. Durch den rasanten Anstieg des EFG-Kurses ist dies auch gegeben.

Finanziell hat Boris Collardi längst ausgesorgt. Letzten Herbst kaufte er die Villa des bekannten Comiczeichners Philippe Chappuis («Zep») in Genf. Wie sein Sprecher gegenüber dem Blick bestätigt, hat Collardi den Immobilienkauf vollumfänglich mit dem Verkauf von eigenen EFG-Aktien im letzten Jahr finanziert.

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