So muss man reagieren: Was tun bei Hitzschlag oder Sonnenstich?(02:42)

Patientenschwemme wegen Hitzewelle
Schweizer Spitäler rüsten sich für den Ansturm

Je länger eine Hitzewelle anhält, umso mehr Patienten landen im Notfall. Vor allem ältere oder kranke Menschen können alleine zu Hause mit der Situation nicht umgehen. Die Schweizer Spitäler rüsten sich für den Ansturm.
Publiziert: 24.06.2019 um 23:41 Uhr
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Aktualisiert: 24.01.2024 um 00:05 Uhr
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Aristomenis Exadaktylos, Direktor und Chefarzt des universitären Notfallzentrums am Berner Inselspital.
Céline Trachsel
Céline TrachselReporterin

Die Notfallstationen der Schweizer Spitäler sind in den nächsten Tagen voller als sonst. Denn die Hitzewelle spült ihnen zusätzliche Patienten an. 

Auf Anfrage von BLICK sagen das Universitätsspital Zürich, das Universitätsspital Basel, das Berner Inselspital, das Kantonsspital St. Gallen und das Luzerner Kantonsspital, dass sie in den kommenden Tagen von einer deutlichen Patientenzunahme ausgehen.

«Gefährdet sind vor allem ältere oder kranke Personen, die alleine zu Hause sind», sagt Mediensprecher Philipp Lutz vom Kantonsspital St. Gallen. «Deshalb rechnen wir auf der Notfallaufnahme mit einer Zunahme, insbesondere wenn die Hitzewelle lange anhält.» Ältere, Kranke und Schwangere leiden aufgrund der Belastung für Herz und Gefässe unter der Hitze. 

Je länger die Welle anhält, umso mehr Notfälle gibt es

«Zudem gibts ernsthafte Störungen im Wasser- und Salzhaushalt des Körpers, was sich insbesondere bei Patienten mit wassertreibenden Medikamenten drastisch auswirken kann», erklärt Mediensprecher Nicolas Drechsler vom Universitätsspital Basel. Mit zusätzlichen Patienten wird gerechnet, weil die Betroffenen «oft nicht so gut mit der Situation umgehen können und entweder zu viel oder zu wenig Wasser trinken».

Das Inselspital weiss, dass die Patientenschwemme weiter ansteigt, je länger die Sahara-Hitze anhält. «Sehr kurze Hitzeperioden führen nicht unbedingt zu starkem Zuwachs. Bleibt die Hitzeperiode jedoch länger als zwei bis drei Wochen bestehen, kann dies zu einem verstärkten Patientenaufkommen führen», sagt Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt der Insel-Notfallstation. Dort würden Patienten mit erhöhter Körpertemperatur priorisiert. Exadaktylos dazu: «Sie sollen nicht unnötig lange warten müssen.»

Notfall klimatisiert, Bettenstationen nicht

Während die Räume der Notfallstationen jeweils klimatisiert sind, bleiben die Patientenzimmer dagegen meist ungekühlt. Deshalb kümmern sich viele Pflegeteams speziell um die leidenden Patienten. «Wir bieten kalte Wickel an oder legen kalte Tücher auf Stirn und Nacken», sagt Philipp Lutz vom Kantonsspital St. Gallen. «Schwangere erhalten auf Wunsch kalte Fussbäder.» Im Unispital Basel gibts Ventilatoren oder gekühlte Infusionen. Drechsel weiter: «Zudem versuchen unsere Mitarbeitenden, nachts kühlere Luft zirkulieren zu lassen. Tagsüber sind die Sonnenstoren geschlossen.»

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Immerhin: Keines der Spitäler muss Operationen verschieben oder rechnet mit Verzögerungen von internen Abläufen. Lutz: «Für uns herrscht trotzdem Normalbetrieb. Es gibt fast jedes Jahr solche Hitzewellen und wir sind darauf vorbereitet.»

Kopfschmerzen, Zittern, Müdigkeit, Verwirrtheit: So verändert sich das Blut in der Hitze

Vor allem ältere Patienten oder Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen sind von der Hitze besonders betroffen, da sie ihre Körpertemperatur schlecht regulieren können und nicht genug oder zu viel Flüssigkeit aufnehmen.

Das Inselspital forscht auf diesem Gebiet und untersucht, ob heisse Tage das Blutbild beeinflussen. Aristomenis Exadaktylos, Direktor und Chefarzt des universitären Notfallzentrums am Berner Inselspital, und sein Team konnten in einer Studie mit über 22'000 Patienten zeigen, dass sich die Blut-Salzwerte sich an heissen Tagen verändern. Sie stellten bei vielen Patienten eine Hyponatriämie während Hitzeperioden fest. Das heisst, es fand sich eine niedrige Natriumkonzentration im Blut.

Ein Mangel an Natrium kann bei rascher Entwicklung zu einem Hirnödem mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelzittern und epileptischen Anfällen führen. Bei langsamer Entwicklung über mehr als zwei Tage stehen Müdigkeit, Verwirrtheit und Veränderung der Persönlichkeit im Vordergrund. Bei chronischer Hyponatriämie führen Störungen von Gang und Aufmerksamkeit zu häufigeren Stürzen.

Vor allem ältere Patienten oder Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen sind von der Hitze besonders betroffen, da sie ihre Körpertemperatur schlecht regulieren können und nicht genug oder zu viel Flüssigkeit aufnehmen.

Das Inselspital forscht auf diesem Gebiet und untersucht, ob heisse Tage das Blutbild beeinflussen. Aristomenis Exadaktylos, Direktor und Chefarzt des universitären Notfallzentrums am Berner Inselspital, und sein Team konnten in einer Studie mit über 22'000 Patienten zeigen, dass sich die Blut-Salzwerte sich an heissen Tagen verändern. Sie stellten bei vielen Patienten eine Hyponatriämie während Hitzeperioden fest. Das heisst, es fand sich eine niedrige Natriumkonzentration im Blut.

Ein Mangel an Natrium kann bei rascher Entwicklung zu einem Hirnödem mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelzittern und epileptischen Anfällen führen. Bei langsamer Entwicklung über mehr als zwei Tage stehen Müdigkeit, Verwirrtheit und Veränderung der Persönlichkeit im Vordergrund. Bei chronischer Hyponatriämie führen Störungen von Gang und Aufmerksamkeit zu häufigeren Stürzen.

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