Darum gehts
- Ein 18-jähriger Crans-Montana-Patient stirbt im Universitätsspital Zürich nach Infektion
- Der gefährliche Keim Acinetobacter baumannii ist multiresistent gegen Antibiotika
- Jährlich erkranken 70'000 Patienten in der Schweiz an Spitalinfektionen
In Gesprächen hört man es immer wieder: Irgendjemand kennt jemanden, der für einen Routineeingriff ins Spital ging – und danach eine Infektion bekam. Solche Geschichten machen vielen Menschen Angst, und sie zeigen, wie präsent das Thema im Alltag ist.
Nun gibt ein tragischer Fall dem diffusen Gefühl einen Namen. Ein junger Mann, schwer verbrannt, wird im Universitätsspital Zürich (USZ) behandelt – und stirbt. Höchstwahrscheinlich durch eine im Spital aufgelesene Infektion. Die heikle Frage, die jetzt im Raum steht, ist nicht neu: Wie gefährlich sind Spitalinfektionen?
Spitalkeim-Risiko
Beim 18-jährigen Brandopfer aus Crans-Montana VS wurde der multiresistente Krankenhauskeim Acinetobacter baumannii entdeckt. Ob er den Tod direkt verursacht hat, ist unklar. Neben dem Verstorbenen hat sich ein weiteres Crans-Montana-Brandopfer am USZ mit dem Spitalkeim infiziert. Das zeigt: Selbst im Hochsicherheitsbereich moderner Medizin bleibt ein Risiko – das Risiko, sich im Spital mit einem gefährlichen Keim anzustecken.
Rund 5 bis 6 Prozent aller Spitalpatientinnen und -patienten in der Schweiz erkranken während des Aufenthalts an einer solchen Infektion, wie nationale Erhebungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zeigen. Das sind hochgerechnet rund 70’000 Fälle pro Jahr. Die Schweiz liegt damit im europäischen Mittelfeld – weder überragend sicher noch besonders gefährdet.
Jährlich rund 5900 Todesfälle in der Schweiz
Für die meisten Menschen ist das kein reales Problem. Wer nur kurz im Spital bleibt, keine grosse Operation braucht und keine Intensivbehandlung erhält, läuft kaum Gefahr, sich anzustecken. Von 100 Patientinnen und Patienten trifft es etwa 5 bis 6, und die meisten überstehen die Infektion ohne bleibende Schäden.
Anders sieht es bei geschwächten oder schwer kranken Menschen aus. Schätzungen des Bundesamts für Gesundheit gehen davon aus, dass jährlich rund 5’900 Todesfälle in der Schweiz zumindest teilweise mit Spitalinfektionen in Verbindung stehen. Diese Zahl klingt hoch – doch sie ist leicht missverständlich. Die meisten Betroffenen waren bereits schwer krank oder alt. Der Keim war selten die einzige Todesursache, oft nur der letzte Auslöser in einer langen Krankheitskette.
Klar ist: Das Risiko ist ungleich verteilt. Wer auf der Intensivstation liegt, lange im Spital bleibt, eine grosse Operation hinter sich hat oder Katheter und Beatmung braucht, trägt ein deutlich höheres Risiko. Dazu kommen Menschen mit geschwächtem Immunsystem – für sie kann ein unscheinbarer Keim lebensgefährlich werden.
Höhere Gefährdung von Schwerkranken
Der im Zürcher Fall erwähnte Spitalkeim Acinetobacter baumannii ist berüchtigt: widerstandsfähig, fast unbezwingbar mit Standardantibiotika und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Prioritätserreger gelistet. Für gesunde Menschen spielt er kaum eine Rolle. Gefährlich ist er vor allem bei offenen Wunden, schweren Verletzungen oder langen Behandlungen auf der Intensivstation.
Ein Spitalaufenthalt in der Schweiz ist grundsätzlich sicher. Infektionen kommen vor und liegen im europäischen Durchschnitt. Tödliche Folgen sind selten. Der tragische Tod des jungen Mannes zeigt vor allem eines – nicht alle tragen dasselbe Risiko.
Spitalinfektionen gehören zur Realität moderner Medizin. Zehntausende erkranken jedes Jahr, doch lebensbedrohlich wird es nur in Ausnahmefällen. Wer für einen Routineeingriff oder eine kurze Behandlung ins Spital kommt, geht in der Regel ohne Komplikationen wieder nach Hause. Wer schwer krank ist, trägt ein höheres Risiko – und genau deshalb bleiben Spitalinfektionen eines der sensibelsten Themen der Schweizer Medizin.