Mit dem Dienstwagen ins Puff, 3-Promille-Crash und entwendete Bussen
Ist Mike Z. (46) der schlimmste Polizist der Schweiz?

Mit fast 3 Promille knallte Ex-Polizist Mike Z. (46) im Dezember 2023 in Bornhausen TG gegen einen Baum. Zuvor hatte er ein jahrelanges Doppelleben geführt – mit Veruntreuung, Lügen und privaten Ausflügen mit Polizeiautos.
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Ein Schaffhauser Polizist wurde kürzlich wegen Veruntreuung verurteilt.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Ex-Polizist Mike Z. stahl fast zwanzig Jahre lang Bussgelder in SH
  • 2023: Unfall mit 2,92 Promille
  • Strafbefehl: 180 Tagessätze, 2900 Franken Strafe, 15'000 Franken Schadenersatz
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Sebastian BabicReporter Blick

Fast 20 Jahre lang bereicherte sich Polizist Mike Z.* (46) an Bussgeldern. In mindestens 111 Fällen hat er Bussen, die er in bar kassiert hat, ins eigene Portemonnaie gesteckt. Doch: Das ist nur die Spitze des Eisbergs, wie aus einem Strafbefehl der Schaffhauser Staatsanwaltschaft hervorgeht. Erst eine Suff-Fahrt, auf der er einen Unfall verursachte, brachte die Tragweite seiner Vergehen ans Licht und beendete dessen Karriere als Gesetzeshüter abrupt.

Promillefahrt endet an Baum

Mitte Dezember 2023 fährt Mike Z. von Frauenfeld TG in Richtung Stein am Rhein SH. In einem Waldstück bei Bornhausen TG verliert er die Kontrolle über seinen Renault und prallt gegen einen Baum.

Als die Polizei eintrifft, staunt sie nicht schlecht. Zum einen messen sie bei Z. einen Blutalkoholwert von 2,92 Promille und finden Spirituosen im Fahrraum. Zum anderen merken sie schnell: Es handelt sich um einen ehemaligen Kollegen von der Schaffhauser Polizei. Das Doppelleben des Polizisten hatte aber schon fast 20 Jahre vor dem Suff-Crash begonnen.

Nämlich im Jahr 2004. Z. holt sich jeweils sogenannte Bussenblöcke bei seinem Arbeitgeber, der Schaffhauser Polizei, ab. Diese Quittungsblöcke werden bei Ordnungsbussen verwendet, um vor Ort zu zahlen. Bei seinen Einsätzen stellt Z. Quittungen aus, steckt das Geld aber in die eigene Tasche.

Bis heute ist nicht klar, welchen Schaden er damit verursacht hat. Dieser könnte laut Strafbefehl zwischen 2220 und 33’300 Franken liegen. Hintergrund: Die minimale Ordnungsbusse beträgt 20 Franken, die höchste liegt bei 300 Franken. Bekannt ist, dass der Polizist in mindestens 111 Fällen Geld abgezweigt hat. Das Geld verwendete er laut Strafbefehl zur «Deckung seiner eigenen Bedürfnisse».

Nicht nur mit staatlichem Geld geht er um, als wäre es ein Selbstbedienungsladen. Auch die Fahrzeuge der Polizei verwendet er für seine privaten Interessen.

Mit Polizeiauto in den Swingerclub

So zum Beispiel im Jahr 2022, als er einen zivilen BMW X1 der Polizei in Richtung Engen (D) steuert. Sein Ziel ist frivol: der Swingerclub Oase37.

Nachdem er sich dort einige Stunden vergnügt hat, macht er sich alkoholisiert auf die Heimfahrt. Bei Hilzingen (D) verliert er die Kontrolle über sein Auto und baut einen kleineren Unfall. Die Karosserie des zivilen Polizeiautos ist beschädigt, doch er fährt weiter, bis er das Geschäftsauto am Morgen danach wieder in die Polizei-Garage stellt.

Am nächsten Tag füllt er eine Schadensmeldung zuhanden seines Vorgesetzten aus. Darin behauptet er, einen Randstein bei der Einfahrt in die Tiefgarage touchiert zu haben, was zu den Beschädigungen geführt haben soll. 

Nach diesem Unfall fällt das Doppelleben des Polizisten auf: Der Mann wurde am 30. November 2022 vom Dienst bei der Schaffhauser Polizei freigestellt.

Ein gutes Jahr später kommt es dann zur Suff-Fahrt, die an einem Baum bei Bornhausen ein jähes Ende findet.

Der Strafbefehl hat es in sich: Z. wird wegen Veruntreuung, Irreführung der Rechtspflege, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und Führen eines Fahrzeugs in nicht betriebssicherem Zustand verurteilt. Dazu kommt die Entwendung eines (Polizei-)Fahrzeugs zum privaten Gebrauch. Das Verdikt: 180 Tagessätze à 30 Franken, bei zwei Jahren Probezeit. Hinzu kommt eine Busse von fast 2900 Franken und Schadenersatz in Höhe von rund 15'000 Franken. 

Blick fragt bei der Schaffhauser Polizei an: Wie konnte Z. jahrelang Geld abzwacken, ohne erwischt zu werden? Dort heisst es: Bussenblöcke gehören zur Standardausrüstung der Polizisten. «Diese Blöcke sind nummeriert und jederzeit nachvollziehbar», sagt Sprecher Patrick Caprez. «Das System ist grundsätzlich kontrollgeeignet und transparent ausgestaltet.» Nur: «Kein System kann jedoch Fehlverhalten von Mitarbeitenden gänzlich ausschliessen.»

Blick kontaktiert auch Mike Z. und möchte von ihm wissen, wie es zu seinem Doppelleben kam und warum er fast 20 Jahre lang geschwiegen hat. Nach einer ersten schriftlichen Anfrage am Dienstag löscht dieser aber sein Whatsapp-Profilbild und ist seither nicht mehr erreichbar. 

* Name geändert

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