Schweiz-Serbe Miloš Antic (21): «Meide niemanden wegen seiner Herkunft»(02:06)

Konfliktherd Kosovo – Schweiz-Serbe Miloš Antic (21) aus Zofingen AG
«Unter Freunden meiden wir das Thema Politik»

Die Eskalationsspirale im Kosovo dreht sich weiter: Bei Demonstrationen gab es Verletzte. Blick hat anlässlich der neusten Ereignisse mit Kosovo-Albanern und Serben in der Schweiz darüber gesprochen, wie sie der langwierige Konflikt im Alltag immer noch verfolgt.
Publiziert: 31.05.2023 um 00:16 Uhr
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Aktualisiert: 31.05.2023 um 11:08 Uhr
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Serbe Miloš Antic (21) aus Zofingen AG studiert Banking and Finance an der Uni Zürich.

Aufruhr im Kosovo: Am Montag legten sich serbische Demonstranten im Norden des Landes mit Soldaten der Kfor an, und auch am Dienstag beruhigte sich die Lage nicht. In den Ortschaften Zvecan, Leposavic und Zubin Potok wird immer noch demonstriert. Hintergrund der aktuellen Spannungen sind boykottierte Lokalwahlen im Nordkosovo.

Der Konflikt hat alte Wurzeln: Nach einem jahrelangen Krieg mit vielen Toten erklärte im Jahr 2008 das Parlament des Kosovo die Unabhängigkeit der Republik – doch bis heute anerkennt unter anderem Serbien diese nicht. Für die Serben gilt das Land nach wie vor als abtrünnige Provinz, obwohl es hauptsächlich von Kosovo-Albanern und nicht von Serben besiedelt ist.

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Konflikt ist auch in der Schweiz präsent

Der Konflikt flammte in den letzten Jahren immer mal wieder auf – und schwelt auch in der Schweiz. An der Fussball-WM 2018 in Russland spielte die Schweiz gegen Serbien, und als Granit Xhaka den Ausgleichstreffer erzielte, jubelte er mit der Doppeladler-Geste. Mehrere Team-Kollegen taten es ihm danach gleich. Dass Schweizer Sportler das albanische Wappentier formten, sorgte für heftige Reaktionen.

Blick trifft am Dienstag in Egerkingen SO mehrere Menschen mit Wurzeln im Kosovo. Auf die aktuelle Eskalation angesprochen, reagieren viele zunächst verhalten. Sie geben an, sich kaum über die neusten Geschehnisse informiert zu haben. Dennoch stellt sich meist nach wenigen Minuten heraus, wie tief der Serbien-Kosovo-Konflikt nach wie vor in den Köpfen verankert ist.

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«Mit solchen Menschen will ich nichts zu tun haben»

«Ich habe keine Freunde aus Serbien», sagt beispielsweise ein junger Kosovo-Albaner zu Blick. «Also ich bin höflich zu ihnen, beispielsweise im Gym grüsse ich den einen Serben immer. Aber ich will keine enge Freundschaft, dafür ist zu viel passiert.» Er denkt nach und sagt: «Die haben schlimme Kriegsverbrechen begangen, mit solchen Menschen will ich nichts zu tun haben.»

Auch ein anderer Landsmann erzählt unabhängig davon: «Einmal habe ich mit einem Serben zusammengearbeitet, aber wirklich gut geklappt hat das nicht. Wir haben einfach genau so viel geredet, wie wir für die Arbeit mussten – aber ich will nichts mit solchen Menschen zu tun haben.» Eine 32-jährige Kosovo-Albanerin wiederum hat eine weniger radikale Ansicht: «Ich habe auch serbische Freunde. Es ist eher die ältere Generation, die ein Problem hat: Bei denen ist halt der Krieg noch sehr präsent.»

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Hass im Netz

Der Schweiz-Kosovare Eleonit Smajli (26) studiert Agrarwissenschaften an der ETH Zürich. Er selbst spürt den Konflikt im realen Leben kaum. Er sagt: «Persönlich habe ich in der Schweiz von serbischer Seite selten Hass, Gewalt sowie Leugnung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen erlebt – trotzdem kam es ab und zu vor.» In der digitalen Welt sehe es ganz anders aus: «In den sozialen Medien finde ich im Überfluss aggressive Beiträge und Kommentare, die leugnen und verharmlosen.»

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Miloš Antic (21) aus Zofingen AG, Wirtschaftsstudent an der Uni Zürich, berichtet von Tiktok-Videos, die den Konflikt befeuern. Der junge Schweiz-Serbe habe jedoch einen multikulturellen Freundeskreis und sei auch mit Kosovo-Albanern befreundet. «Ich kann mir nicht vorstellen, mit jemanden aufgrund seiner Herkunft nicht befreundet zu sein», sagt er. «Ich begegne Menschen so, wie sie mir begegnen.»

Manche seiner Freunde hätten aus ihren Elternhäusern andere Werte mitbekommen als er: «Und deswegen meiden wir es auch, über Politik zu sprechen.» Für ihn ist klar: «Dieser Konflikt ist eine Sache der Politik und sollte weder mit uns Menschen noch mit Sport etwas zu tun haben.»

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