Darum gehts
- Der Dry January motiviert Jahr für Jahr mehr Schweizerinnen und Schweizerr zu einem alkoholfreien Monat
- 2023 nahmen 800'000 bis 1,1 Millionen Erwachsene an der Challenge teil
- 72 Prozent trinken laut US-Quellen auch sechs Monate später weniger Alkohol
Ein Glühwein am Weihnachtsmarkt, ein Glas Wein beim Firmenapéro, Weihnachts- und Silvesterfeiern mit Familie und Freunden: Im Dezember wird gern und oft angestossen. Nach dem letzten Schluck kommt für viele der Verzicht. Immer mehr Menschen in der Schweiz gönnen sich im Januar eine Alkoholauszeit. Die Bewegung sprengt längst die Millionengrenze.
Der alkoholfreie Monat hat sich zur gesellschaftlichen Challenge entwickelt – Freunde, Familien und inzwischen auch Unternehmen stellen sich ihr gemeinsam, motivieren sich gegenseitig. Der Dry January wird so zum Spiegel, der zeigt, wie selbstverständlich Alkohol zum Alltag gehört, zeigt Gewohnheiten auf, die oft unbemerkt bleiben.
Der Dry January ist mittlerweile die wohl erfolgreichste Präventionskampagne zum Thema Alkoholkonsum in der Schweiz. Nur einer Minderheit der Teilnehmenden ist dabei wahrscheinlich bewusst, dass es sich um eine Kampagne von Suchtorganisationen handelt – mit Unterstützung des Bundesamts für Gesundheit (BAG).
Kampagne hat sich verselbständigt
Offizielle Website, App, Preise, Anreizsysteme: Der Dry January hat längst den Charakter eines Spiels, das die Nutzenden möglichst lange bei der Stange halten soll. Die Zahl der Registrierten nimmt Jahr für Jahr zu. Doch der Grossteil ist inoffiziell Teil des Trends: Das Phänomen hat sich auch dank der sozialen Medien längst verselbständigt.
Bereits 2023 nahmen laut einer Studie zwischen 800’000 und 1,1 Millionen Erwachsene teil. Tendenz steigend. Inzwischen dürften es also noch einmal deutlich mehr sein. Die Bevölkerung lässt damit auch in der Schweiz eine Idee wieder aufleben, die im Zweiten Weltkrieg als «Nüchterner Januar» die Finnen vor übermässigem Alkoholkonsum bewahren sollte.
Die Briten haben das Konzept 2013 als Dry January wieder aufgegriffen und weltweit exportiert. Die Wahl des Monats Januar dürfte für den Erfolg der Kampagne mitentscheidend sein: Der Jahresbeginn steht für Neuanfänge, für gute Vorsätze – die oft nicht allzu lange halten.
Strikte Abstinenz ist nicht das Ziel
Beim Dry January ist das nicht anders. 2023 hielt «nur» die Hälfte der Studienteilnehmenden den alkoholfreien Monat komplett durch. Doch beim Dry January geht es ohnehin nicht um strikte Abstinenz, sondern ums Nachdenken über das eigene Konsumverhalten. Hauptmotiv für die Teilnahme ist gemäss der Studie von 2023 die Gesundheit.
Medizinerinnen betonen den Nutzen der Pause: Die Leber erholt sich, der Schlaf verbessert sich, Körper und Psyche kommen zur Ruhe.
Dass der Trend besonders Junge anspricht, erstaunt nicht. Sie trinken insgesamt weniger, setzen auf Achtsamkeit und Sport. Nachtclubs klagen über sinkende Barumsätze, Getränkehersteller setzen längst auf alkoholfreie Linien. Trotzdem bleibt Alkohol kulturell tief verankert. «Wer nichts trinkt, gilt schnell als Sonderfall», sagt Luna Hannappel, Leiterin der Schweizer Dry-January-Kampagne. «Noch immer löst Abstinenz Irritation aus.»
Der Dry January dreht diese Logik für einen Monat um. Wer verzichtet, muss sich nicht rechtfertigen, sondern wird bestärkt. «Der Dry January soll dazu beitragen, dass dies zur Normalität wird», sagt Hannappel.
Wettbewerb als Ansporn
Dabei setzt die Kampagne mit der App auf ein Modell, das vordergründig Mühsames zum vergnüglichen Wetteifern werden lässt. Erfolge werden dokumentiert, geteilt und mit anderen gemessen. Die Gemeinschaft machts: Der Erfolg der anderen spornt an, selbst dranzubleiben. Mit ähnlicher Strategie sind auch Fitnessapplikationen oder Plattformen zum Erlernen von Fremdsprachen erfolgreich.
Mit der neuen Work-Challenge will das Dry-January-Team Unternehmen für die Kampagne gewinnen. Gut 30 Institutionen haben sich registriert. Darunter die Luzerner Kantonsverwaltung, die laut Hannappel alleine 29 Teams angemeldet hat, darunter die Kantonspolizei oder die Staatsanwaltschaft.
Offen ist, was nach dem alkoholfreien Januar bleibt. Die Kampagne will zeigen, dass es keinen Alkohol braucht, um Spass zu haben oder zu entspannen. Im besten Fall verändert sich der Konsum – nicht nur im Januar. Wer danach wieder in gewohntem Masse zur Flasche greift, setzt die Leberwerte rasch auf altes Niveau. Von Nachhaltigkeit kann dann keine Rede sein.
Die Macherinnen der Dry-January-Kampagne verweisen darauf, dass 72 Prozent der Teilnehmenden auch nach sechs Monaten weniger Alkohol konsumierten, und nennen dafür US-Quellen. Belege für die Wirksamkeit in der Schweiz gibt es nicht. Noch in diesem Jahr soll aber eine vom BAG angeregte Wirkungsstudie publiziert werden. Sie untersucht die langfristige Wirkung des Dry January auf Trinkverhalten, Trinkmuster, physische und psychische Gesundheit sowie das soziale Umfeld.
Ein gesellschaftliches Experiment
Für die vielen Tausend Teilnehmenden sind solche wissenschaftliche Diskurse wohl Nebensache. Vielleicht liegt gerade darin der Reiz des Dry January: Er ist keine moralische Forderung, sondern ein kollektives Experiment. Für einen Monat wird ausprobiert, wie sich das Leben anfühlt, wenn das Anstossen mit Alkohol eine Pause macht.
Ob die Nüchternheit den Februar übersteht, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass über den eigenen Konsum gesprochen wird – nüchterner als zuvor.
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