Ihre Haut ist wertvoll
Igel beherbergen seit 200 Jahren antibiotikaresistente Bakterien

Resistenzen gegen das Antibiotikum Methicillin könnten in Igeln entstanden sein: Auf deren Haut liefern sich Bakterien und Antibiotika absondernde Pilze einen Kampf, weshalb sich in den Bakterien ein Gen entwickelt hat, das die antimikrobielle Waffe machtlos macht.
Publiziert: 05.01.2022 um 17:04 Uhr
Viele Igel tragen natürlicherweise ein antibiotikaresistentes Bakterium in sich. (Archivbild)
Foto: Andrew Milligan

Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Fachmagazin «Nature» hervor, an der auch der Veterinär-Bakteriologe Vincent Perreten von der Universität Bern beteiligt war. Demnach entwickelten sich in Igeln in der prä-antibiotischen Ära, im frühen 19. Jahrhundert, Resistenzen gegen das Antibiotikum Methicillin, die auf dem Gen namens mecC beruht.

Die Entdeckung zeige, dass die weit verbreitete Antibiotikaresistenz mitnichten bloss ein modernes Phänomen sei, das ausschliesslich auf den klinischen Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin zurückzuführen sei, schreiben die Wissenschaftler um Erstautor Jesper Larsen vom dänischen Statens Serum Institut.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA, zählen zu den häufigsten antibiotikaresistenten bakteriellen Erreger. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet Resistenzen gegen diese Keime als eine grosse Bedrohung für die menschliche Gesundheit. Besonders Spitäler fürchten den Ausbruch solcher multiresistenten Staphylokokken, weil gängige Antibiotika gegen sie nichts ausrichten können.

Das internationale Forschungsteam analysierte über tausend MRSA-Proben von Igeln, Menschen und verschiedenen Nutz- und Wildtieren. Bisher galten Milchkühe als das wahrscheinlichste Reservoir für MRSA des mecC-Typs, wo dieser auch erstmals nachgewiesen wurde.

Die vorliegende Studie deutet jedoch darauf hin, dass die meisten mecC-MRSA-Stämme von Igeln stammen. Milchkühe und andere domestizierte Tiere fungierten wahrscheinlich als Zwischenwirte bei der zoonotischen Übertragung der Resistenzen von Igeln auf den Menschen, so die Forschenden.

Sie vermuten, dass die Antibiotika-Resistenz bei Igeln entstanden ist, weil auf deren Haut sowohl Staphylococcus aureus als auch der Pilz namens Trichophyton erinacei lebt. Dieser Pilz sondert Antibiotika ab, und gegen diese Bedrohung entwickeln die Bakterien eine Resistenz als Verteidigung.

Die Studie unterstreicht den Forschenden zufolge die Wichtigkeit des One-Health-Ansatzes für den Umgang mit Antibiotika-Resistenzen, wonach Human- und Veterinärmedizin eng zusammenarbeiten müssen.

«Es gibt ein sehr grosses Reservoir in der Tierwelt, in dem antibiotikaresistente Bakterien überleben können - und von dort aus ist es nur ein kleiner Schritt, bis sie von Nutztieren aufgenommen werden und dann den Menschen infizieren», sagte einer der Hauptautoren, Mark Holmes von der Universität Cambridge, gemäss einer Mitteilung seiner Hochschule.

https://www.nature.com/articles/s41586-021-04265-w

(SDA)

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