Darum gehts
- Tiktok-Trend zeigt: Junge teilen Unsicherheiten über «Things that are normal in your 20s»
- Studie: Zwischen 18 und 25 prägen Unsicherheit, Wachstum und Resilienz
- Hunderte Nachrichten an Monica Portmann (22) nach offenem Tiktok-Post
Die Zwanziger gelten als Phase der Selbstfindung – beruflich, emotional, existenziell. Was nach Aufbruch und Freiheit klingt, fühlt sich für viele eher nach Druck, Chaos und stillem Vergleich an. Auf Tiktok formiert sich dagegen ein Gegentrend. Unter dem Motto «Things that are normal in your 20s» (zu Deutsch: Dinge, die in deinen 20ern normal sind) teilen Nutzerinnen und Nutzer offen, was sonst oft verschwiegen wird – und räumen mit dem Mythos auf, man müsse sein Leben längst im Griff haben.
Das Gefühl der Mitte-Zwanziger auf Tiktok ist wissenschaftlich belegt und wird unter dem Begriff «Emerging Adulthood», also dem heranwachsenden Erwachsensein, untersucht. Es handelt sich um eine wichtige Übergangsphase. Zwischen 18 und 25 passiert extrem viel: Ausbildung, Jobstart, Auszug, Beziehungen. Laut einer Studie von Raffael Kalisch vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung sind diese Jahre geprägt von Unsicherheit, aber auch von Wachstum. Wer Krisen durchlebt, lernt langfristig, besser mit Stress umzugehen – und wird resilienter.
«Ich dachte, ich bin die Einzige»
Dass viele sich trotzdem verloren fühlen, bestätigt auch Monica Portmann (22) aus dem Thurgau. Sie teilt ihren Frust auf Tiktok – und trifft einen Nerv. «Ich dachte, ich bin die Einzige, die sich so fühlt», sagt sie zu Blick. Die Reaktionen auf Tiktok sprechen jedoch eine andere Sprache. Sie erhält Hunderte Nachrichten von Gleichaltrigen, denen es genauso geht.
Gerade die ständigen Vergleiche würden Menschen in ihrem Alter zusetzen. «Ich bin noch in der Ausbildung und habe oft das Gefühl, hinter anderen zu sein», erzählt Portmann. Social Media verstärke dieses Gefühl zusätzlich: «Man sieht nur, wie gut alle anderen ihr Leben im Griff haben – auch wenn das gar nicht stimmt.»
Der Druck durch Social Media
Unsicherheiten gab es schon immer. Neu ist, wie sichtbar sie durch soziale Medien inzwischen geworden sind – und wie sehr sie gleichzeitig versteckt werden. «Viele tun so, als wäre ihnen alles egal», sagt Portmann. «Dabei sprechen die wenigsten ehrlich über ihre Ängste.»
Woher kommt die Scham? «Vom Vergleichen», ist sich die 22-Jährige sicher. «Man hat das Gefühl, nicht dazuzugehören oder hinterher zu sein.» Ein Gefühl, das oft schon in der Jugend beginnt – und sich in den Zwanzigern zuspitzt.
Warum du einfach loslegen solltest
Ihr Rat ist simpel, aber klar: «Mach einfach mal etwas – auch wenn du unsicher bist.» Wer zu lange wartet, verpasst Chancen. Portmann beschreibt es mit einem Bild aus dem Roman «The Bell Jar». Viele Optionen, aber Angst vor der falschen Entscheidung. «Wenn du zu lange wartest, verfaulen irgendwann alle Feigen.»