Darum gehts
- ETH Zürich findet 645 neue Mikrobenarten in Korallenriffen des Pazifiks
- Über 99 Prozent der identifizierten Mikroben waren bisher unbekannt
- 800 Korallenproben wurden während der Tara-Expedition zur Analyse gesammelt
Ein Forschungsteam der ETH Zürich hat in Korallenriffen Hunderte unbekannte Mikrobenarten entdeckt. Laut einer Studie im Fachmagazin «Nature» produzieren diese eine Vielfalt an Substanzen, die grosses Potenzial für die Entwicklung neuer Medikamente bergen.
«Wir stehen unter Zeitdruck, dieses Potenzial zu erschliessen und zu behüten», warnte Studienleiter Jörn Piel in einer Mitteilung der ETH Zürich vom Donnerstag. Die Studie zeige, wie immens der Verlust dieser Natur-Apotheke wäre.
645 Arten entdeckt
Das Forschungsteam der ETH Zürich hat in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) und dem internationalen Forschungsteam «Tara Pacific Konsortium» 645 verschiedene Arten von Bakterien und sogenannten Archaebakterien identifiziert. Archaebakterien sind eine andere Form von Mikroorganismen. Über 99 Prozent davon waren der Wissenschaft bisher unbekannt.
Grundlage der Studie waren rund 800 Korallenproben, die während einer Expedition des Forschungsschiffs Tara im Pazifik gesammelt wurden. Mittels Hochleistungscomputern setzte das Team aus den in den Proben enthaltenen DNA-Schnipseln das Erbgut der Mikroorganismen zusammen.
Grosses Potenzial für Produktion von Naturstoffen
Die Analyse zeigte, dass die Mikroben meist auf eine bestimmte Korallenart spezialisiert sind.
Im Erbgut der Mikroorganismen entdeckten die Forschenden ein grosses Potenzial für die Produktion von Naturstoffen. Diese Substanzen könnten für medizinische Therapien oder biotechnologische Anwendungen genutzt werden. Laut den Forschenden ist das Potenzial im Riff grösser als im gesamten offenen Ozean. Die hohe Dichte an Lebewesen im Riff könnte der Grund für die Vielfalt an Abwehrstoffen sein.