Grüsel-Guru verhaftet: Schweizerin war 70 Mal bei Heiler João de Deus(02:26)

Grüsel-Guru João de Deus (76) soll über 300 Frauen missbraucht haben – Schweizerin erzählt
«Ich war 70 Mal bei ihm»

João de Deus (76) soll Hunderte Frauen sexuell missbraucht haben. Beatrice Wiesli (55) aus Winterthur ZH hat das Zentrum des brasilianischen Wunderheilers seit 2003 Dutzende Male selber besucht. Im BLICK erzählt sie von ihren Erlebnissen.
Publiziert: 18.12.2018 um 20:39 Uhr
|
Aktualisiert: 18.12.2018 um 22:14 Uhr
Teile uns deine Meinung zur Vorlesefunktion mit. Zur kurzen Umfrage.
1/5
Der selbsternannte Wunderheiler João de Deus soll über 300 Frauen unter dem Vorwand der Heilung sexuell missbraucht haben. Unter seinen Opfern sollen auch Schweizer sein.
Dominique Rais (Text und Fotos)

Abertausende Menschen pilgern seit Jahrzehnten in das kleine brasilianische Dorf Abadiânia. Ihr Ziel: Die «Casa de Dom Inacio» – das spirituelle Spital des selbst ernannten Wunderheilers João de Deus (76). Er hat Anhänger auf der ganzen Welt, will unzählige Kranke mit seiner spirituellen Kraft von ihrem Leiden befreit und geheilt haben. 

Vergangene Woche ist die heile Welt des angeblichen Wunderheilers ins Wanken geraten. Hunderte Frauen bezichtigen ihn, sie unter dem Vorwand der Heilung sexuell missbraucht zu haben. Gegen den Brasilianer wurde Haftbefehl erlassen. Seit Sonntag sitzt der Grüsel-Guru in Untersuchungshaft. Die Missbrauchsopfer kommen laut der zuständigen Staatsanwaltschaft aus Brasilien, Belgien, Australien, Deutschland – und auch aus der Schweiz.

«João de Deus hat mich geheilt»

BLICK traf die Schweizerin Beatrice Wiesli (55) aus Winterthur ZH. Sie kennt de Deus seit 15 Jahren, schwört auf seine heilenden Kräfte. Ihre erste Begegnung mit dem selbst ernannten Wunderheiler war im Jahr 2003 in Brasilien. «Bei mir wurde myotone Muskeldystrophie diagnostiziert», erzählt die gelernte Kindergärtnerin. «Meist endet die Krankheit für die Betroffenen im Rollstuhl.» So auch bei Wieslis Vater. Für die Psychologin war die Diagnose noch düsterer: «Die Humangenetiker sagten mir, dass die Krankheit bei mir aggressiver als bei meinem Vater und keine Heilung möglich sei.» 

Doch Wiesli wollte das nicht so hinnehmen. Sie war über Jahre hinweg quer durch die Welt gereist auf der Suche nach Heilung von ihrer genetisch vererbten Muskelkrankheit. Ausgerechnet der Grüsel-Guru soll sie dann geheilt haben. «João de Deus hat mich geheilt. Die Heilung ist ein echtes Wunder», sagt die Psychologin. «Mein Leben hat sich seitdem extrem geändert.» Insgesamt 70 Mal hat sie das Zentrum des Wunderheilers in Brasilien derweil besucht.

Dort will sie angebliche Wunderheilungen mit ihren eigenen Augen gesehen haben. Eine Frau um die 45 Jahre sei an den Rollstuhl gefesselt gewesen und suchte bei de Deus nach Heilung. «Er hat sie angeschaut und gesagt ‹lauf!›», erinnert sich Wiesli: «Und sie ist aufgestanden und konnte wieder gehen.»

«Wenn der Wunderheiler Frauen missbraucht hat, muss er die Konsequenzen tragen»

Indes hat die Heilpädagogin auch ihre eigene Praxis eröffnet, bietet unter anderem Meditationen in Zürich und Luzern an. «Viermal im Jahr begleite ich Gruppen auf ihre spirituelle Reise nach Abadiânia», sagt sie. Über die Missbrauchsvorwürfe gegen den Grüsel-Heiler zeigt sich Wiesli geschockt.

Werbung

Wiesli will zwischen der Person João de Deus und ihm als Volltransmedium unterscheiden. «Wenn der Wunderheiler die Frauen tatsächlich sexuell missbraucht hat, dann war es die Person João de Deus. Und dann muss er auch die Konsequenzen tragen», sagt Wiesli.

Dass es während Heilungen zu den Übergriffen kam, bezweifelt die Heilpädagogin. «Bei den Treffen mit João sind auch immer rund 300 Menschen im Raum, die meditieren», sagt sie. «Dort können diese sexuellen Missbräuche nicht stattgefunden haben», ist Wiesli überzeugt. Wenn, dann müsse der Missbrauch im Verborgenen passiert sein. Auch wenn die Missbrauchsvorwürfe einen dunklen Schatten werfen – Beatrice Wiesli glaubt an die heilenden Fähigkeiten des Wunderheilers. Ende Januar ist ihre nächste Reise nach Brasilien geplant.

Fehler gefunden? Jetzt melden
Alle Kommentare