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Keine Bildungsgutscheine für Geringqualifizierte im Kanton Bern

Der Kanton Bern führt keine Weiterbildungsgutscheine für Personen mit geringer Qualifikation ein. Der Grosse Rat hat am Mittwoch einen entsprechenden Vorstoss selbst in unverbindlicher Form eines Postulats abgelehnt.
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Der Kanton Bern will Erwachsene mit geringen Qualifikationen nicht mit Bildungsgutscheinen fördern. Stattdessen setzt er auf die bestehende Angebotsfinanzierung. (Symbolbild)
Foto: ROLAND SCHLAGER
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Vorstösser Karim Saïd (SP) betonte, dass der technische Fortschritt den Arbeitsmarkt stark verändere. Gerade Personen mit geringen Qualifikationen oder Wiedereinsteigende seien diesen Entwicklungen stärker ausgesetzt. Die Gutscheine sollten dass bestehende Angebot zur Angebotsförderung ergänzen, nicht konkurrenzieren.

SVP-Grossrätin Stephanie Gartenmann sprach demgegenüber von einem Giesskannensystem, das nicht sinnvoll sei. Das aktuelle System der Angebotsförderung habe mehr Vorteile, betonte auch FDP-Grossrätin Madeleine Deckert.

EVP-Grossrätin Simone Leuenberger hielt Gutscheine «zwar nicht für das Gelbste vom Ei», aber es gebe Handlungsbedarf im aktuellen System. Dieses ziele insbesondere auf die Förderung von Grundkompetenzen, also um Voraussetzungen, um einen Beruf ergreifen zu können. Das reiche aber häufig nicht. Gutscheine würden den Betroffenen mehr Flexibilität geben.

Die Weiterbildung von bildungsbenachteiligten Erwachsenen, Wiedereinsteigenden oder Menschen, die von der Digitalisierung besonders betroffen seien, sei ein wichtiges Anliegen, hielt der Regierungsrat fest.

Der Kanton engagiere sich in diesem Bereich, indem er etwa den Erwerb von Grundkompetenzen für diese Zielgruppen fördere. Diese Förderung umfasse bereits heute mehr als beispielsweise mit einem Gutscheinsystem möglich wäre, wie es die Kantone Luzern und Genf kannten, sagte Bildungsdirektorin Christine Häsler (Grüne) im Rat.

2011 sei im Kanton Bern bereits eine Umstellung auf ein Gutscheinsystems nach eingehender Prüfung verworfen worden. Damals hätten die Vorteile des bestehenden Systems der Angebotsförderung überwogen. Häsler machte klar, dass sich für die Regierung an dieser Sicht nichts geändert habe.

Der Rat lehnte am Ende das Postulat mit 99 zu 48 Stimmen bei 5 Enthaltungen ab.

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