Entgegen BAG-Empfehlung
Sextoy-Shop Amorana verkauft Corona-Antikörpertests

Ein Schweizer Onlineshop für Erotikartikel, verkauft neu auch Corona-Antikörpertests. Diese finden reissenden Absatz. Das Bundesamt für Gesundheit steht solchen Tests allerdings kritisch gegenüber.
Publiziert: 01.05.2020 um 15:22 Uhr
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Aktualisiert: 01.05.2020 um 16:08 Uhr
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Im Erotikshop Amorana kann man neu auch Corona-Antikörpertests kaufen.

Eigentlich ist der Online-Shop von Amorana vor allem für den Verkauf von Erotik-Artikeln bekannt. Seit Ende April werden dort aber neben Vibratoren und Handschellen auch Antikörpertests vertrieben. Kostenpunkt: 79.90 Franken pro Stück. Die Tests sollen zeigen, ob das Immunsystem bereits mit dem Coronavirus-Erreger fertig geworden ist und sich Antikörper gebildet haben. Denn: Wer vom Virus geheilt wurde, gilt nach jetzigem Wissensstand als immun dagegen.

Das Interesse an den Testkits ist laut Amorana-Mitbegründer Alan Frei (38) riesig: «Wir haben in den ersten Stunden nach dem Launch rund 300 Tests verkauft», sagt er zu BLICK. Inzwischen seien es zwischen 50 und 70 Stück die pro Tag bestellt werden. Und: «Unseres Wissens sind wir der einzige Onlineshop, der so etwas anbietet», sagt Frei.

«Produktelinie zu Beginn der Krise angepasst»

Schon vor zwei Jahren habe Amorana damit begonnen, das Sortiment stark auszubauen, sagt Frei. Beispielsweise seien Pflege- und Gesundheitsprodukte dazu gekommen. «Mit dem Beginn der COVID-19-Krise haben wir unsere Produktlinie nochmals angepasst», sagt er. Nun würden auch Desinfektionsmittel und Hygienemasken angeboten werden – und eben die Antikörpertests.

Diese sind laut Frei aber nicht die ersten medizinische Tests, die im Onlineshop angeboten werden. Verkauft werden auch solche für sexuell übertragbare Infektionen wie etwa HIV.

Schweizer Labor macht Auswertung

Wer beim Sextoy-Shop einen Antikörpertest bestellt, erhält ein Blutentnahme-Kit zugestellt. Die Blutprobe muss dann an ein Labor geschickt werde – innerhalb von ein bis zwei Tagen erhält man dann das Resultat.

«Ausgewertet wird der Test vom Schweizer Labor Invenimus», sagt Frei. Dasselbe Testverfahren wird laut Frei auch von anderen Laboratorien in der Schweiz für Proben aus Arztpraxen angewendet.

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«Vorerst können diese Tests nicht empfohlen werden»

Dennoch: Unter vielen Wissenschaftler und Medizinern sind solche Antikörpertests aber umstritten. Auch beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) steht man ihnen kritisch gegenüber – zumindest noch im Moment. «Serologische Tests sind derzeit Gegenstand von Forschungsarbeiten, die ermöglichen sollten, ihren Nutzen bald genauer zu ermitteln sowie Empfehlungen zu ihrem Einsatz und zur Interpretation der Testergebnisse abzugeben», sagt Katrin Holenstein, Mediensprecherin des BAG, gegenüber BLICK.

«Vorerst können diese Tests nicht empfohlen werden.» Der Grund: «Viele sind noch nicht umfassend geprüft worden», sagt Holenstein. Diese Prüfung erfolge derzeit in Laboratorien in der Schweiz und im Ausland. Beispielsweise sei noch immer unklar, ab welchem Zeitpunkt nach der Infektion diese Antikörper nachweisbar sind. (bra)

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