Darum gehts
- 19-jähriger Tahirys Dos Santos überlebte Brandkatastrophe in Crans-Montana mit schweren Verletzungen
- Er rettete Freundin Coline aus den Flammen, sie lag im Koma
- 30 bis 40 Minuten vor dem Feuer befanden sie sich in der Bar
Er rettete seine Freundin aus den Flammen und dachte er würde sterben: Der 19-jährige Fussballer Tahirys Dos Santos erlitt bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana schwere Verbrennungen dritten Grades an Rücken, Gesicht, Händen und Armen.
Doch die seelischen Narben wiegen schwerer, wie er im Gespräch mit «L'Équipe» offenbart. «Ich habe mich sterben sehen», erklärt der junge Mann. Es sei eine Nacht voller Entsetzen gewesen.
«Ich habe sofort erkannt, dass wir in Gefahr sind»
Tahirys erinnert sich: «Wir waren etwa 30 oder 40 Minuten in der Bar, die Stimmung war gut. Meine Freundin Coline wollte auf die Toilette, ich habe sie begleitet. Als ich wieder in Richtung Ausgang ging, sah ich die Flammen. Ich habe sofort erkannt, dass wir in Gefahr sind.»
Ohne zu zögern, kehrte Tahirys zurück, um Coline zu holen. «Ich rief ihren Namen, und sie hat sofort an meinem Blick erkannt, dass etwas nicht stimmte.»
«Es war wie im Krieg»
Zusammen versuchten sie, sich durch das Chaos nach draussen zu retten. Doch auf der Treppe stürzten beide. «Danach ist alles schwarz. Mein nächstes Bild ist, wie ich alleine draussen auf dem Asphalt sitze. Ich schrie die Namen meiner beiden Freunde und Coline. Niemand antwortete. Es war schrecklich», schildert der 19-Jährige.
«Ich sah Menschen, um mich herum die brannten. Es war wie im Krieg.» Später wurde er in ein Spital nach Stuttgart gebracht, wo er sich einer Hauttransplantation unterzog.
Emotionales Wiedersehen mit Freundin
Coline, die während des Unglücks ins Koma fiel und dreimal operiert werden musste, wurde in Belgien behandelt. Erst vor wenigen Tagen sahen sich die beiden wieder.
«Als ich sie das erste Mal nach dem Unfall am Telefon hatte, war das ein unglaubliches Gefühl. Ich war so erleichtert», beschreibt Tahirys. «Jetzt verbringen wir unsere Tage damit, uns zusammen zu langweilen.»
«Ich habe eine Zukunft vor mir»
Die medizinische Behandlung ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen. «Ich trage Kompressionskleidung, um zu verhindern, dass sich Narben zusammenziehen», erklärt er. Die Schmerzen hätten nachgelassen, doch die Erinnerungen an die Nacht lassen ihn nicht los. «Manchmal kommen die Bilder zurück. Ich wünsche niemandem, solche Dinge sehen zu müssen.»
Seine Mutter drängte ihn, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, auch wenn er anfangs zögerte. Heute kann Tahirys sagen: «Ich habe eine Zukunft vor mir.»