Experten erklären neue Form der Krebsbehandlung
CAR-T-Zelltherapie soll das Leben von Anisha (15) retten

In der Schweiz kann der bösartige Knochenkrebs von Anisha Kale (15) nicht mehr behandelt werden. Jetzt hofft die Zürcherin auf eine Studie in den USA. Krebsexperte Christoph Renner von der Klinik Hirslanden in Zürich erklärt Blick, wie die neue Zelltherapie wirkt.
Publiziert: 26.05.2023 um 00:22 Uhr
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Aktualisiert: 26.05.2023 um 08:09 Uhr
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Die Hirslanden Klinik in Zürich behandelt knapp 40 Krebspatienten im Jahr mit der CAR-T-Zelltherapie – allerdings nur bei Blutkrebs und Lyphomen. eine Zelltherapie gegen Knochenkrebs ist noch nicht zugelassen.
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Myrte MüllerAussenreporterin News

Zum ersten Mal in diesem Jahr gibt es wieder Hoffnung für Anisha Kale (15). Das Mädchen aus Wetzikon ZH leidet seit anderthalb Jahren an einem Osteosarkom, einem wiederkehrenden Knochenkrebs. Alle bisherigen Behandlungen scheiterten. Die Schweizer Ärzte können dem Teenager nicht mehr helfen.

Im Internet liest Vater Stefan Kale (56) im Januar 2023 von der neuen CAR-T-Zelltherapie gegen das Osteosarkom, die in den Vereinigten Staaten getestet wird. Anisha bewirbt sich – und wird für die Studie angenommen. Die Behandlung aber kostet 100 000 Franken. Dank eines Blick-Artikels kommen in den vergangenen zwei Tagen rund 135 000 Franken an Spendengeldern zusammen. Anisha kann in die USA fliegen. Anfang Juni geht die experimentelle Zelltherapie in Chapel Hill im Bundesstaat North Carolina los.

Körpereigene Abwehrzellen werden umprogrammiert

Christoph Renner (56) von der Klinik Hirslanden in Zürich ist auf Hämatologie und Onkologie spezialisiert und forscht seit mehr als zehn Jahren auf dem Gebiet der Immuntherapie.

«Über die Blutwäsche werden den Patienten körpereigene Abwehrzellen entnommen, genetisch modifiziert, umprogrammiert, vermehrt, aktiviert und schliesslich in den Blutkreislauf zurückgeführt», erklärt der Experte. Im Körper des Patienten beginnen sie dann, die Krebszellen zu vernichten.

«Die CAR-T-Zelltherapien werden meist erst dann eingesetzt, wenn andere Therapien nicht mehr greifen», sagt Renner, «und sie sind bislang nicht für jede Krebsart geeignet». So seien in der Schweiz Zelltherapien nur bei Leukämien, Lymphomen und Myelomen zugelassen und würden bei etwa 200 Patienten im Jahr angewendet. «In der Klinik Hirslanden behandelten wir bisher knapp 40 Krebspatienten», sagt Renner.

Bei Erfolg kehrt der Krebs nie wieder zurück

Die Heilungschance bei akuter kindlicher Leukämie lägen bei knapp 50 Prozent. «Das Faszinierende am Konzept ist: Greift einmal die Therapie, kehrt der Krebs höchstwahrscheinlich nie wieder zurück, weil die körpereigenen Abwehrzellen die Kontrolle ausüben.» Zur CAR-T-Zelltherapie gegen Knochenkrebs jedoch kann der Zürcher Krebsforscher keine Prognose stellen.

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Therapie-Erfolge bestätigt auch Urban Novak (53), Chefarzt der Universitätsklinik für Onkologie im Inselspital Bern: «Mit dieser Behandlungsform werden Ansprechraten von bis zu 80 Prozent erreicht. Beim vorbehandelten bösartigen Lymphknotenkrebs sind bei Erwachsenen Heilungschancen von 40 Prozent realistisch.»

In der Zellproduktion hat China die Nase vorn

Nicht nur in den USA laufen Studien zu CAR-T-Zelltherapien, auch in London und in Rom wird geforscht. «Besonders die Chinesen sind mit der Zellproduktion sehr weit», sagt Christoph Renner. Derzeit wird an Immunverfahren gegen Lungen-, Brust, Eierstock- und Prostatakrebs gearbeitet.

Das Problem sei aber die kostspielige Herstellung des Zellmaterials, das auf jeden einzelnen Patienten abgestimmt werden müsse. «Dafür braucht man hochtechnologische Labore und einen grossen personellen Aufwand.» Damit die Zelltherapie breit angewendet werden kann, braucht es gemäss Renner «schnellere und kostengünstigere Verfahren».


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