Ex-Armeechef Roland Nef im TV
«Mein Sturz war generalstabsmässig geplant!»

Er fühle sich wie ein Schwerverbrecher, sagt Nef (50). Eine Schuld bei sich sieht er nicht.
Publiziert: 01.02.2010 um 23:25 Uhr
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Aktualisiert: 30.09.2018 um 18:22 Uhr
Von Corinne Landolt

Roland Nef, Ex-Armeechef und mutmasslicher Stalker, tritt in Anzug, Krawatte und weissem Hemd im «TeleZüri» auf. Sein erster öffentlicher Auftritt seit seinem Rücktritt im Sommer 2008.

Nef wirkt gefasst, als er von seinem «schwindelerregenden Absturz aus ganz grosser Höhe» spricht. Der Aufprall am Boden sei hart gewesen. «Aber ich bin wieder auf beiden Füssen gelandet.» Er sei parat für einen Neubeginn, sagt Nef am TV. «Ich habe abgeschlossen mit meinem alten Leben.»

«Vernichtungsschlacht»: Täter sieht sich als Opfer

Der Ex-Armeechef spricht von einer einzigartigen «Medien-Vernichtungsschlacht» im Sommer 2008, einer Art «Hochwildjagd».

Der Täter macht sich zum Opfer. Dabei war das Opfer seine Ex-Freundin: Die alleinerziehende Mutter reicht Ende September 2006 Anzeige gegen ihren Ex-Freund Roland Nef ein – wegen Nötigung.

Laut dem Vernehmungsprotokoll der Zürcher Stadtpolizei soll Nef im Namen seiner Ex-Freundin auf Sex-Inserate geantwortet haben. Mit voller Adresse, Telefonnummer und Foto der Musikerin. Er schaltete aber auch eigene Sex-Inserate unter ihrem Namen. Die Querflötistin wird darin als «tolle Bläserin» angepriesen. Worauf lüsterne Freier vor ihrer Wohnung warten.

«Sauhund der Nation»


Der Psychoterror soll fast eineinhalb Jahre gedauert haben – Nef wohnte da längst mit seiner jetzigen Frau und ihrer Tochter zusammen. Er sei nie rechtskräftig verurteilt worden, so Nef in «TeleZüri». Details zur Tat gibt er weiterhin keine bekannt. Das sei Privatsache, sagt sich der Ex-Armeechef.

Das Verfahren wird ein Jahr nach der Anzeige eingestellt – weil die Ex-Freundin eine Desinteresse-Erklärung unterschrieben hat.

«Sie gelten als Sauhund der Nation», so Moderator Markus Gilli. Nef: «Harte Worte, aber die treffen allenfalls zu – in einer Teilwahrnehmung der Medien. Das ist auch der Grund, warum ich den Schritt an die Öffentlichkeit gemacht habe.»

Der Moderator fragt: «Gelten Sie als psychisch absolut gesund?» Nef: «Ja, sicher. Ich halte mich für vollständig gesund und völlig normal.»

Doch das psychologische Gutachten, das die Staatsanwaltschaft Ende 2006 erstellen liess, spricht eine andere Sprache: Nef leide an einer «narzisstischen Persönlichkeitsstörung». Auch übermannten ihn offenbar immer wieder Wutanfälle. Seine Ex-Freundin sprach gegenüber der Polizei von einem Total-Ausraster an Weihnachten 2004: Nef kann einen Gartentisch nicht zusammenbauen und tobt zwei Stunden lang. Vor seinen Gästen soll Nef sie als Hure beschimpft haben. «So wie er damals ausrastete, trauten wir ihm alles zu. Ich hatte Angst vor dem Unberechenbaren», sagte die Ex-Freundin später der Polizei.

Nefs damaliger Vorgesetzter Bundesrat Samuel Schmid verschweigt lange, dass er vom Verfahren gewusst hat. Im letzten Frühling gibt der Gesamt-Bundesrat bezüglich Nefs Wahl zu: «Es wurde ein Fehlentscheid getroffen.» Auch Nef würde sich einem Selektionsverfahren als Armeechef nicht mehr stellen, sagt er gestern.

Nef sieht sich aber nicht nur als Opfer der Medien, sondern auch einer politischen Intrige, die nicht ihm, sondern Samuel Schmid gegolten habe. Und als Opfer eifersüchtiger Dienstkameraden. «Meine Entfernung ist generalstabsmässig geplant worden.» Er habe zwar keine Beweise, «es sind Vermutungen, aber die sind schlüssig».

«Ich habe kein grosses Bankkonto»

Dabei habe er das Amt als höchster Militär nie gesucht. «Ich wollte nie Armeechef werden. Ich wurde im Frühjahr 2007 angefragt.»

Nach seinem Abgang erhielt Nef 150 000 Franken Lohn und eine Abgangsentschädigung von 275 000 Franken. Trotzdem jammert Nef: «Ich habe kein grosses Bankkonto.» Seine Familie leide unter der Wiedergutmachung, die er an seine Ex-Partnerin zahlte. «Meine Familie ist heute in ihrer Handlungsfähigkeit massiv eingeschränkt.»

Jetzt ist Nef auf Jobsuche. Er habe «einige Bewerbungen» abgeschickt. Erfolglos. Doch: «Ich glaube an meine Fähigkeiten und will sie der Gesellschaft zur Verfügung stellen.»

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