Dem Virus auf den Fersen
Contact Tracing rollt wieder an

Es wird zunehmend wichtig, die Infektionsketten von Covid-19-Patienten nachzuvollziehen. Das Contact Tracing soll daher wieder schweizweit aufgenommen werden. Die Lockerungen bergen aber Risiken.
Publiziert: 03.05.2020 um 00:20 Uhr
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Aktualisiert: 04.05.2020 um 11:25 Uhr
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Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit BAG sprach am Freitag, 1. Mai, vom Übertritt in die Containment-Phase (Eindämmungsphase) im Kampf gegen das Coronavirus.
Valentin Rubin

Am Freitag sprach Daniel Koch von ­einer neuen Phase in der Pandemie-Bewältigung. Er nannte sie Containment, Eindämmung.

«Wenn die Zahlen der Neuinfizierten noch ein bisschen zurückgehen, wird es wieder im ganzen Land möglich sein, Contact Tracing zu betreiben», so der Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Contact Tracing, die Ermittlung von Kontaktpersonen infizierter Personen, ist das erprobte Mittel zur Kontrolle einer Epidemie. Zuständig sind die kantonsärztlichen Dienste. Etwa im Thurgau oder in Luzern helfen bei Bedarf Zivilschützer.

Das passiert nach der Meldung

Geht die Meldung über einen Corona-Fall ein, wird der oder die Betroffene isoliert und über mehrere Tage telefonisch betreut. Alle Kontaktpersonen, die das Virus weitertragen könnten, werden in Quarantäne geschickt. Der Bund schreibt dafür einen Zeitraum von zehn Tagen vor.

Noch Anfang März versuchte man, die Epidemie schweizweit mithilfe dieses Verfahrens einzudämmen. Explodierende Fallzahlen machten das vielerorts bereits in wenigen Tagen unmöglich.

Denn Contact Tracing ist aufwendig. Noch müssen sich die Kantone auf herkömmliche Mittel beschränken: telefonieren und Excel-Tabellen erstellen – rund um die Uhr, mit hohem Personalaufwand. Mittels Smartphone-App soll die Arbeit ab Mitte Mai effizienter ablaufen, aber nur geringfügig – oft bleiben Telefonate unerlässlich.

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Arbeitsaufwand in Luzern

Der Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall rechnet den Arbeitsaufwand am Beispiel seines Kantons vor: «Gehen wir von fünf neuen Fällen pro Tag aus, von denen jeder zu zehn Personen engeren Kontakt hatte, so ergibt sich ein Aufwand von fast 100 Stunden – pro Tag.»

Luzern verzeichnet täglich weiterhin mehr als fünf Neuinfektionen, das Contact Tracing läuft daher noch nicht wieder systematisch. Harstall ist zuversichtlich: «Geplant ist eine Wiederaufnahme per Anfang nächster ­Woche.»

In kleineren Kantonen sieht es anders aus. Zum Beispiel in Schaffhausen: «Die überschaubare Fallzahl war bei uns ein Vorteil», erklärt Kantonsärztin Maha Züger.

Telefonische Kontrolle unerlässlich

Und wie stellt man ­sicher, dass Personen wirklich daheim bleiben? «Die Leute machen von sich aus mit. Sie haben Respekt vor dem Virus», sagt Züger. Die telefonische Kontrolle sei aber unerlässlich. «Auch um nach dem Befinden der Personen zu fragen.»

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Baumärkte und Coiffeursalons haben wieder geöffnet. Und bald rollt der Betrieb in Schulen, Restaurants und in Läden wieder an. Das ist nicht gerade hilfreich.

Züger: «Durch den Lockdown war Contact Tracing einfacher. Viele Leute hatten wenig Kontakt zueinander. Durch die Öffnung nimmt die Mobilität wieder zu – für die Contact Tracer eine Mehrbelastung. Einfacher wird die Aufgabe dadurch nicht.»

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Das Coronavirus beschäftigt aktuell die ganze Welt und täglich gibt es neue Entwicklungen. Alle aktuellen Informationen rund ums Thema gibt es im Coronavirus-Ticker.

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